Mein erster Kontakt mit Neuroleadership

Im Laufe meines Berufslebens hatte ich mich schon oft mit Teambuilding und Managementratgebern auseinandergesetzt. Man lernt die Kollegen ein wenig besser kennen und erhält Tipps für die Strukturierung von Meetings oder des Terminkalenders. Meist waren diese aber alle sehr ähnlich und die Erkenntnisse blieben weitestgehend aus.

Die Verbindung zwischen Gehirnforschung, Management und Führungstheorie war mir zwar bekannt, doch hatte ich keine tieferen Kenntnisse. Da mein Arbeitgeber Weiterbildungen und Seminare aktiv fördert, lag das Neuroleadership Seminar des Ersten Deutschen Zentrums für Leistungsmanagement nahe. Bei diesem noch relativ neuen Ansatz werden zwei Themengebiete kombiniert und Erkenntnissen der Neurowissenschaften auf bekannte Managementtheorien übertragen.

Das Seminar im Schloss zu Hopferau hat mir sehr gut gefallen und das Team des Zentrums für Leistungsmanagement bat mich, einen Blogbeitrag über meine Erfahrung sowie die gewonnenen Erkenntnisse zu schreiben.

Das im Allgäu beheimatete Erste Deutsche Zentrum für Leistungsmanagement sagt von sich selbst, es beschäftige sich mit den Themen Gehirnforschung, Biologie, Medizin und lehrt seinen Teilnehmer, wie sie begeisterter, leistungsfähiger und veränderungsbereit werden.

Neugierig machten mich besonders, die Punkte Motivation und Kommunikation aus Sicht des Gehirns sowie die Möglichkeit, Zusammenarbeit mit Kollegen gehirnregerecht zu gestalten – das ist für mich privat, wie beruflich von großer Relevanz.

Zentrum für Leistungsmanagement, Seminar, Workshop, Notizen, Vortrag

Obwohl ich keine Führungskraft bin, habe ich die Chance bekommen daran teilzunehmen. Geleitet wurde das Seminar von Dr. Markus Ramming, der promovierte Neurobiologe bringt umfassende Erfahrungen als Führungskraft in der Pharmabranche mit. Dies konnte man in seinen Erläuterungen deutlich spüren, denn gerade die vielen konkreten Beispiele machten das komplexe Thema Gehirn und Motivation verständlicher.

Dr. Ramming behandelte alle, die im Handout aufgelistete Punkte. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir einen tieferen Einstieg gewünscht, aber da hätte ich wahrscheinlich das zweitägige Neuroleadership Seminar besuchen müssen. Dr. Ramming meinte, dass dieses mehr Raum für Gruppenarbeiten bietet und so das neue Wissen gleich angewendet werden kann.

Besonders gefallen haben mir die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse und Studien, mit denen Dr. Ramming seine Ableitungen für das Management und Führungsverhalten belegen konnte. Diese ganz neue Art auf das berufliche Miteinander zu blicken hat mir einige Aha-Momente beschert. Die kleinen Gedankenspiele, die am eigenen Beispiel und praxisnahen Erlebnisse, die Eigenheiten unseres Gehirns aufzeigen, haben bei mir diesen Effekt verursacht. Wir können von der sogenannten Neuroplastizität lernen, die beschreibt, dass unser Gehirn ständig lernt, auch im Alter und es vor allem auf das Training ankommt und darauf für was wir unser Gehirn nutzen. Es war spannend von dieser gigantischen Lernmaschine zu hören, in der ständig neue Verbindungen geschaffen werden und alte „Wege“ oder nicht genutzte Gedankengänge langsam verschwinden. Das hat mir das Gefühl gegeben, nicht mehr diese mysteriöse „Blackbox“ in meinem Kopf zu haben, sondern ein greifbares Organ, das ich auch gezielt beeinflussen und trainieren kann.

Spannend für mein Berufsleben fand ich die angesprochenen Faktoren, welche die eigene und die Motivation der Kollegen beeinflussen lassen. Da geht es dann auch gleich in den Bereich des Primings und der bedürfnisorientierten Kommunikation. Auch hier haben wir wieder mit vielen konkreten Beispielen gearbeitet. Was ich mitgenommen habe und auch auf jeden Fall in meine tägliche Arbeit integrieren möchte, ist mir mehr Zeit zu geben um Inne zu halten und die Automatismen, die sich in den Arbeitsabläufen festgesetzt haben, zu hinterfragen bzw. zu überdenken. Denn erst dann habe ich die Chance meine etablierten Denkmuster zu überwinden und kann so offener, konkreter und zielgerichteter mit meinen Kollegen kommunizieren.

Zentrum für Leistungsmanagement, Seminar, Workshop, Teilnehmer, Notizen

Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen mit einem Halbwissen unterwegs sind was Kommunikation und Motivation angeht, welches Sie in Ratgebern und Seminaren aufgeschnappt haben. So ging es mir auf jeden Fall. Mit Hilfe des Schnupperseminars konnte ich einige dieser Wissensfragmente für mich zu logischen Handlungsanweisungen zusammenfügen. Aber gerade dass hinter dem Neuroleadership-Ansatz fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse stecken, machen das Seminar für jeden interessant – egal ob vorgebildet, führungserfahren oder als Managementneuling.

Auf jeden Fall möchte ich nun auch das zweitägige Seminar im Schloss zu Hopferau besuchen. Die Termine dafür, habe ich bereits in meinem Kalender notiert.

Mit freundlichen Grüßen,

Victoria Meder, Consultant BERA GmbH

Neuroleadership – Als Führungskraft die Tücken des Gehirns erkennen

Aus dem ganzen Hype um Neuroleadership drängt sich mir die Frage auf: Müssen wir Neurowissenschaftler werden, um besser führen zu können?
Um es klar zu sagen. Nein, müssen wir nicht. Genauso wenig, wie wir Psychologie studieren müssen, um gut führen zu können. Man muss ja auch nicht sein Auto in und auswendig kennen, um gut Autofahren zu können. Besonders, wenn wir es nur für die Fahrt zu Supermarkt und zur Arbeit nutzen. Wollen wir aber mal auf die Rennstrecke und an die Leistungsgrenze gehen, sollten wir doch mal mit der Bedienungsanleitung unterhalten. Damit wir wissen, was wir beachten müssen, um alles herauskitzeln zu können.

Gehirngerechtes Führen
Genauso ist es mit dem Hirn. Neuroleadership ist wie eine Bedienungsanleitung, welche uns hilft unsere Führungsqualitäten zu verbessern. Die gibt es ja bei den vielen Management-Gurus schon zu Hauf, aber eben keine, die wissenschaftlich an die Sache herangehen. Und so kommt Unsinn wie „Carrot and stick“ (was sich im Deutschen mit „Zuckerbrot und Peitsche“ übersetzten lässt) oder die „burning platform“ (das heraufbeschwören einer imminenten Krise um Veränderung zu erreichen) in Umlauf und hält sich hartnäckig in den Köpfen unserer Führungskräfte. Ich weiß nicht, wie viel Führungsprobleme auf deren Konto gehen. Ich bin aber der Meinung, das gerade in einer Welt, die mehr und mehr populistischen Phrasen hinterherläuft, sollte eine seriöse wissenschaftlich fundierte Herangehensweise ans Management eine besondere Wichtigkeit haben. Für uns selbst und den Erfolg unserer Firma.

Die Tatsache, dass in Deutschland viele Mitarbeiter frustriert, demotiviert und unglücklich mit dem Chef sind, zeigt, dass die alten Ansätze häufig nicht greifen. Konsequenz: Es wird dringend ein neuer Managementstil gebraucht. Erstaunlich ist das ganz besonders deshalb, weil fast alle Führungskräfte mit denen man redet, behaupten extrem gut mit Menschen umgehen zu können.

Doch es geht nicht nur um den Umgang mit den Mitarbeitern. Auch in den Bereichen Strategie, Marketing, Entscheidungsfindung oder Innovation kann Neuroleadership entscheidende Impulse und praktische Lösungen bieten. Um nur mal ein Thema aufzugreifen: Wir nehmen unseren Kopf sehr gern als funktionierende Maschine war. Viele Wissenschaftler haben indes gezeigt, dass unser Kopf nicht so gut funktioniert, wie wir das von uns denken (oder er es uns vorspiegelt). Wie ein Auto, das zwar fährt, aber dessen Straßentauglichkeit durch kaputte Radlager, verrostete Bremsscheiben und hakelndes Getriebe eingeschränkt ist.

Büsten Skulpturen Köpfe Wanderer

Fehler im Management – vom Gehirn getäuscht
Es fasziniert mich gerade an mir selbst zu bemerken, dass fast alle unsere Lösungen und Entscheidungen von Neigungen und Vorlieben geprägt sind, die uns zu voreingenommenen Urteilen drängen. Zu allem Übel, sind uns diese Triebfedern der Entscheidung gar nicht bewusst. Wir rennen quasi blind in unser Glück oder Unglück. Die Fehlentscheidungen und Täuschungen hat Nobelpreisträger Daniel Kahneman in seinem Buch (Langsames Denken, schnelles Denken) ausführlich beschrieben.

Eine der typischen Täuschungen unserer Zeit entsteht in der Planung. Wir reduzieren die Komplexität auf ein paar Variablen und akzeptieren diese als Wahrheit. Wir unterschätzen dabei regelmäßig das in unserer komplexen Umwelt unsere Entscheidungsgrundlage nur eine schwache Abstraktion der Realität sein kann. Das wird besonders bei Gruppenentscheidungen ignoriert, weil man sich auf den anderen verlässt (Stichwort groupthink). Risiken und die Ressourcen in unseren Projekten werden so drastisch unterschätzt, Budgetüberschreitungen und Zeitverschiebungen sind vorprogrammiert.

Dieser erste Fehler zieht dann häufig den Trugschluss hinter sich her, das Projekt unbedingt, unabhängig von den schon entstandenen Kosten, fortzuführen (sunk cost fallacy). Man hat sich auf das Projekt geeinigt, deshalb muss es ein Erfolg werden. Auch wenn die Resultate eher dünn und die Prognosen nicht so rosig, wir verfolgen das Projekt weiter. Entscheidungen werden durchgezogen.

Gestützt wird das durch unser Vertrauen in uns selbst. Fehler werden ignoriert und klein geredet und Erfolge groß. Man bestätigt sich, richtig zu handeln, und beachtet die Fehler nicht. Besonders in einer Situation, in der die Bilanzen gar nicht so schlecht aussehen.

Unser Gehirn ist verantwortlich für diese Täuschungen. Wir brauchen Vertrauen in uns selbst, um nicht in Depressionen zu versinken. Wir müssen uns die Umwelt so erklären, dass wir nicht schlecht dastehen. Fehler geben wir nicht zu, weil es nicht zu unserem Selbstbild passt. Das ist im Prinzip gut und richtig, aber manchmal führt es in die Irre. Selbsterkenntnis ist hier der erste Weg zur Besserung.

Mann Telefon Wand Produktivität Liste Büro

Aus Fehlern lernen
Viele wissen um die Limitierungen unseres Gehirns. Tut sich deshalb etwas an unserer Entscheidungskultur in Firmen? Ich habe bis jetzt wenig Veränderung festgestellt. Dabei wäre es doch im Sinne des Risikomanagements sinnvoll, für die wichtigsten Fehlerquellen entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Neuroleadership setzt hier an. Es hilft, unsere Prozesse, Kultur und Firma in einem anderen Licht zu sehen und hinter die Fassade zu schauen. Wir sind ehrlicher und direkter, aber am Ende auch gesünder. Erst die Erkenntnis über die Funktions- und Denkweisen unseres Gehirns lassen eine Analyse und Reflektion unseres Handels im Großen wie im Kleinen zu. Wir lernen mit den Limitierungen unseres Kopfes zu leben und diesen intensiver zu gebrauchen. Die Selbsterkenntnis führt zu einer positiven Veränderung. Deshalb sind Auszeiten, in denen wir unser Denken und Handeln mal aus einer anderen Perspektive betrachten so wertvoll. Für den Einzelnen kann das die Meditation, Tai-Chi, die Woche im Kloster oder das Gespräch mit einem Freund oder Mentor sein. Für die Firma sind es die Retreats, bei denen das eigene Denken und Handeln mal auf den Prüfstand kommt. Inspektion fürs Gehirn, sozusagen.

Gastbeitrag von Dr. Markus Ramming – Trainer des Ersten Deutschen Zentrum für Leistungsmanagment
Der promovierte Neurobiologe setzt sich mit Herz und Seele für das Thema Neuroleadership ein und hat selbst über 15 Jahre Erfahrung als Führungskraft in der Pharmaindustrie. So kennt er die Probleme, Belange und auch Lösungen für und von Organisationen und Entscheidern in Unternehmen. Mit seinem Wissen und Erfahrung schafft er es Veränderungen voran zu treiben.

Neuroleadership – Motivation und Führung

Dem spannenden Vortrag des Neuroleadership-Experten und Trainer des Ersten Deutschen Zentrums für Leistungsmanagement Dr. Markus Ramming lauschten über 100 Unternehmensentscheider und Vertreter aus Wissenschaft und Politik beim Business-Forum in Tauberbischofsheim, über den dann auch Focus Online berichtet. Daher werfen wir mit Ihnen in unserem heutigen Blogbeitrag ebenfalls einen Blick auf die Themen Motivation und Führung.

Dr. Ramming Vortrag - Motivation aus der Sicht des Gehirns

Der promovierte Neurobiologe setzt sich mit Herz und Seele für das Thema Neuroleadership ein und hat selbst über 15 Jahre Erfahrung als Führungskraft in der Pharmaindustrie. So kennt er die Probleme, Belange und auch Lösungen für und von Organisationen und Entscheidern in Unternehmen. Mit seinem Wissen und Erfahrung schafft er es Veränderungen voran zu treiben.

Der Vortrag
In seinem Impulsvortrag beschäftigt sich Dr. Markus Ramming nicht mit der kreativitätsfördernden „Hardware“, sondern mit unserer „Software“, dem Gehirn. Zum Einstieg erläuterte er die Grundfunktionen des Gehirns und des Lernens. Etwa 100. 000.000.000 Nervenzellen machen unser Gehirn aus, diese Nervenzellen verbinden sich wiederum mit etwa 10.000 anderen Nervenzellen so entsteht ein gigantisches Netzwerk aus durchschnittlich eine Billiarde (eine 1 mit 15 Nullen) Verbindungen. Dieses Geflecht ist verändert sich im Laufe unseres Lebens, zu aller erst nimmt es in den ersten Lebensjahren enorm zu und spiegelt später uns „Nutzungsverhalten“ wieder. Denn das Gehirn wird zu dem, für das wir es nutzen. Diese Eigenschaft wird Neuroplastizität genannt, es ist Eigenart von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich zwecks der Optimierung laufender Prozesse in ihrer Anatomie und Funktion zu verändern.

Ohne Fachchinesisch
Dr. Ramming ist stets bemüht seine Aussagen so verständlich wie möglich zu formulieren. Denn wenn Wissenschaftler vom Gehirn reden, tun sie das oft detailverliebt und langweilig, so hat sich das Bild vom Gehirn als kompliziertes und schwer begreifbares Organ gefestigt. Mit dem methodischen Ansatz des Neuroleadership legt er die Arbeitsweise des Gehirns dar und zeigt die daraus folgenden Konsequenzen für die Praxis auf.

DSC_9936

Geld ist ein schlechter Motivator
Eine in der Praxis weit verbreitete Methode, Mitarbeiter zu motivieren ist der Weg über das Geld, ein großzügiges Gehalt oder Bonuszahlungen bei Erreichen eines (Projekt-) Ziels. Solche Belohnungen sind nach Dr. Ramming für eine nachhaltige und langfristige Motivation der Mitarbeiter kaum geeignet. Im Gegenteil können finanzielle Anreize Qualität und Quantität eines Ergebnisses sogar negativ beeinflussen, so rückt zum Beispiel das bloße Erreichen des Ziels in den Vordergrund, Umwege, Lernen und kreative Lösungen abseits der etablierten Strukturen bleiben dann aus.

Der Blick auf den ausgeschütteten Bonus auf dem Kontoauszug oder das Glücksgefühl beim Kaufen eines neuen Schuhs, wirken nur für etwa 12 Sekunden auf dem Dopamin ausschüttenden Teil (Nucleus Accumbens) des Gehirns. Wir haben ein kurzes Hoch und unter Umständen entwickelt sich ein Gewöhnungseffekt, jede Belohnung muss ein wenig höher ausfallen. Nachhaltige Freude, Motivation und Lernen bleibt da aus.

Die Grundbedürfnisse für Motivation
Viel wichtiger für die Motivation sind nach Dr. Ramming ist die Befriedigung einiger Grundbedürfnisse, die er mit diesen Begriffen definiert: Kontrolle, Lust, Bindung und Selbstwerterhöhung.

Kontrolle meint den Mitarbeitern, Entscheidungsspielraum zu geben, über Aufgaben, Herangehensweisen, Lösungen und die eigene Arbeitszeit. Im Bereich der Lust kann ein Arbeitgeber wenig beisteuern, denn hier geht es um Bedürfnisse wie Schlaf, Unterkunft, Ernährung und Sex. Bindungen hingegen kann eine Führungskraft hingegen stark beeinflussen, ein Betriebsklima auf Augenhöhe, gegenseitiger Respekt aber auch Raum und Zeit für die Ausbildung von persönlichen Beziehung der Kollegen untereinander ist wichtig. Eine Selbstwerterhöhung kann von außen angestoßen werden geschieht aber schlussendlich im inneren unseres Selbst. Anstoß kann ein begründetes Lob sein, was Sie aber beim Lob beachten müssen können Sie auch in unserem Beitrag „Richtig Loben“ einmal nachlesen. Wirksamer wird es die richtigen Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Selbstwert zu geben, Wege und Lösungen andeuten, die Mitarbeiter den Weg aber selbst gehen lassen. Projekte und Aufgaben so zu definieren, dass sie eine Herausforderung sind, die zwar Anstrengung bedeutet aber zu meistern ist. Denn selbst erreichte Erfolgserlebnisse steigern nachhaltige den Selbstwert.

Neuroleadership erleben
Wie gut oder schlecht Belohnungen funktionieren und welche wichtigen Bedürfnisse der Motivation zu Grunde liegen waren nur die beiden wichtigsten Punkte aus dem Vortrag von Dr. Ramming, welcher mit einigen anschaulichen Beispielen aus Studien, Literatur und der eigenen Berufserfahrung, Dr. Rammings gefüllt war. Viele Inhalte aus dem Vortrag finden sich auch in seinem Büchlein „Hirn-Anschalter Neuroleadership 2.0“ welches über den tredition-Verlag zu erwerben ist.

Persönlich zu erleben ist Dr. Ramming auch über die offenen Neuroleadership-Seminare des Ersten Deutschen Zentrums für Leistungsmanagement.

Schlusswort
Dr. Markus Ramming: „Ich glaube, ich habe alle guten und schlechten Ratgeber gelesen. Die wichtigste Botschaft: Es gibt kein festgelegtes Muster, dem Sie folgen können. Sie können nur Ihre eigenen Stärken finden und entwickeln. Ich kann den Prozess begleiten, seinen Weg finden muss jeder allein. Aber es gibt eine Menge Tricks und Methoden, wie man das am besten macht.“

Mein Besuch im NeuroLeadership Institute

Vergangene Woche durfte ich einen dreitägigen Intensiv-Workshop am renommierten NeuroLeadership Institute in London besuchen. Zusammen mit 15 weiteren Neurotrainern aus ganz Europa beschäftigten wir uns mit dem Thema „brain based Coaching“, also dem gehirnbasierten Training. Ziel des Workshops war es, zu lernen, wie es Führungskräften gelingen kann, ihre Mitarbeiter schnell und effektiv für einen Change-Prozess zu begeistern.
SSP-LondonViele von Ihnen dürften sich verwundert die Augen reiben, mit welch einfachen Mitteln dies eigentlich zu bewerkstelligen ist. Liegen die Tatsachen doch auf der Hand und sind uns in den meisten Fällen schon seit Kindertagen bekannt. Verkürzt lässt sich sagen, dass Veränderung vor allem dann gut umsetzbar ist, wenn wir wenig abgelenkt sind, Raum für die Wiederholung von neu erlerntem erhalten und uns darüber im Klaren sind, dass wir keinen freien Willen haben.

In der Theorie hört sich das natürlich sehr einfach an. Um sich und seine Mitarbeiter für die Umsetzung dieser Wege hin zu einem Change-Prozess zu bewegen, ist es wichtig, sich auch mit dem Hintergrund dieser Maßnahmen zu beschäftigen. Wer sich z.B. ein ablenkungsfreies Arbeitsumfeld schaffen möchte, kann damit beginnen, sein Handy während einer Konzentrationsphase abzuschalten. In London fiel uns dies erstaunlich schwer. Es hatte den Anschein, als wüssten einige von uns gar nicht mehr, wie man ein Smartphone abschalten kann.

Der Hintergrund hierzu findet sich im präfrontalen Cortex, dem Ort unseres Gehirns, an dem unsere Impulsbremse beheimatet ist. Wenn wir wissen, dass uns über das eingeschaltete Handy eine Nachricht erreichen könnte, haben wir den unbewussten Drang, dies auch immer wieder zu überprüfen. In bildgebenden Studien konnte beobachtet werden, dass uns diese Impulskontrolle extrem viel Energie kostet. Wollen wir diese aber auf andere Art und Weise nutzen, um z.B. über eine neue Geschäftsstrategie nachzudenken, sollten wir uns eine energiesparende Umwelt schaffen. Auch die Einführung von Reflexionszeiten wird von vielen Führungskräften auch heute noch unterschätzt. Finden beispielsweise nach einem Meeting kleine Gesprächsrunden statt, in denen die Inhalte noch einmal besprochen werden, unterstützt dies den Lernprozess und führt dazu, dass auch komplexere Fragestellungen vom Gehirn erfasst werden können.

Wirklich spannend war für mich die Erkenntnis, dass es vielleicht gar keinen freien Willen, aber ein freies Nein gibt. Im Klartext heißt das: Wir können nicht kontrollieren, worüber wir gerade nachdenken. Vom unbewussten bis zum bewussten Gedankengang vergehen nur etwa 300 Millisekunden. Aber wir haben die Möglichkeit, unsere Gedanken zu steuern und diejenigen unter ihnen, die Stress für uns bedeuten durch ein klares „Nein“ abzuwenden.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Schalten Sie in wichtigen Momenten Ihr Handy aus, reflektieren Sie komplexe Zusammenhänge mit Ihren Kollegen und geben Sie Ihrem Verstand hin und wieder ein klares „Nein“. Dann steht einem Change-Prozess so gut wie nichts mehr im Weg.

london