Warum wir im Büro mehr Spielen sollten

„Arbeit ist das halbe Leben“ sagt der Volksmund – und das Statistische Bundesamt. Zieht man die menschlichen Grundbedürfnisse wie Schlafen und Essen einmal ab, verbringen wir tatsächlich die Hälfte unseres Lebens mit Erwerbsarbeit. So fristen wir Tag ein Tag aus meist acht bis neun Stunden im Betrieb oder Büro. Vor allem von der jüngeren Generation von Arbeitnehmern wissen wir, dass für diese neben dem Gelderwerb vor allem die Sinnhaftigkeit ihres Tuns im Vordergrund steht. Damit haben Sie ihren Eltern vielleicht schon etwas Voraus. Sie empfinden eher Spaß und Freude an ihrer Arbeit. Doch sollte dies nicht ein wesentliches Grundelement sein, wenn wir so viel unserer Lebenszeit mit Arbeiten verbringen? Gerade Unternehmen der Kreativwirtschaft haben dies bereits vor sehr langer Zeit erkannt. So wurde schon immer bewundernd oder verpönt auf Marketingagenturen oder Produktionsfirmen aus dem Film- und TV-Bereich geblickt, die mit lässigen „Milchkaffee-Lounges“, täglichem Team-Kochen oder dem obligatorischen Kickertisch lockten. Für traditionelle Arbeitgeber mag es ein Dorn im Auge sein, ihre Mitarbeiter während der Arbeitszeit Kickern zu sehen. Schließlich bedeutet Zeit Geld – so der langläufige Grundgedanke vieler Unternehmer. Doch begehen sie mit dieser Einstellung (wenn auch in den meisten Fällen unbewusst) vielleicht einen groben Fehler?

blur-1852927_1920.jpg

Wie in einem vorangegangenen Blogbeitrag erläutert sind Pausen ein enorm wichtiger Faktor für die Leistungssteigerung. Neben den beschriebenen Mirkopausen von nur wenigen Minuten ist auch die Wirkung von „Spielpausen“ nicht zu unterschätzen. Vor allem eine Beschäftigung im Team, wie z.B. beim Kickern, bringt viele Vorteile mit sich. So agieren die Mitarbeiter untereinander und feuern sich gegenseitig an. Zudem bringt die Beschäftigung etwas Bewegung in den sitzenden Büroalltag. Ein weiterer positiver Effekt: Durch das Spielen schüttet unser Gehirn seinen Belohnungsbotenstoff Dopamin aus, welcher uns glücklicher werden lässt.

Eine einfache Faustregel kann also lauten: Spielen gilt allgemein als der Weg zu Spaß – und dieser wirkt motivierend auf uns. Und wer sorgt für mehr Input und Profit als ein hochmotivierter Arbeitnehmer. Außerdem kann sich der Spaß bei der Arbeit durchaus positiv auf die Mitarbeiterbewertung eines Unternehmens auswirken, denn wer Spaß bei der Arbeit empfindet und sich durch die Rahmenbedingungen seines Arbeitgebers motiviert fühlt, wird sein Unternehmen gerne weiterempfehlen.

Unser Rat an Unternehmensentscheider lautet also: Seien Sie mutig und schauen Sie doch einmal über den Tellerrand. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit im Unternehmen zu spielen und beobachten Sie ob und wie sich die Produktivität verändert. Bei einer positiven Entwicklung bietet es sich vielleicht sogar ein, spielerische Elemente in die direkte Arbeitszeit mit einzubauen.

Wer sich als Arbeitnehmer nun freut und bereits davon träumt, auf Kosten seines Unternehmens am PC seiner Spieleleidenschaft nachzugehen, muss leider enttäuscht werden. Studien zeigen, dass sich nur Offline-Spiele positiv auf unsere berufliche Leistungsfähigkeit auswirken.

Übrigens: Nicht nur während der Arbeitszeit lohnt es sich zu spielen. Suchen Sie sich Hobbys abseits von Leistungsdruck und Zielerreichung oder nutzen Sie ihre freie Zeit, um ausgiebig mit Ihren Kindern zu spielen!

Inseln im Büroalltag

Stress im Büro, das Hetzen von Meeting zu Meeting und zwischendurch auch noch zeitraubende Telefonate. Wer hat da nicht schon einmal davon geträumt, den ganzen Alltagsstress hinter sich zu lassen, um sich auf eine einsame Insel zu begeben. Dort hat man schließlich die Zeit, sich endlich mal wieder auf sich zu konzentrieren. Was viele nicht wissen – diese Rückzugsorte können Sie sich auch im Büro schaffen. Und zwar in Form von sogenannten „Konzentrationsinseln“. Diese geben Ihnen nicht nur die Chance, Ihre Nerven zu schonen, sondern ermöglichen es auch, sich gezielt mit einem Thema zu befassen. Daraus ergeben sich gleich zwei Vorteile: Sie kommen wieder in ruhigeres Fahrwasser und werden gleichzeitig um ein vielfaches produktiver.

iStock_000009114530XLarge.jpg

Eine im Jahr 2006 durchgeführte Studie hat belegt, dass ein Büroangestellter etwa elf Minuten konzentriert an einer Aufgabe arbeiten kann, bevor er unterbrochen wird. Im Durchschnitt benötig er im Anschluss beinahe 25 Minuten, um wieder seine ursprüngliche Tätigkeit aufzunehmen. Das Problem besteht dabei aber nicht nur in der reinen Unterbrechung. Beim Wechsel von einer Aufgabe in die andere steigt der Glukoseverbrauch unseres Gehirns an. Geschieht dies mehrmals am Tag, fällt uns das Denken und konzentrierte Arbeiten immer schwerer. Des Weitern verlernen wir durch jede Unterbrechung uns zu konzentrieren, denn unser Gehirn ist über jede Abwechslung dankbar. Dies liegt an der biologisch verankerten Suche nach Dopamin, unserem Glückshormon. So scannen wir ständig unsere nähere Umgebung – und das unbewusst. Entdecken wir etwas spannendes, werden wir sofort mit Dopamin versorgt und lenken uns dankend ab. Prokrastination ist also ein natürliches Verhalten. Daher ist es von immenser Bedeutung, sich Konzentrationsinseln zu schaffen.

Wie das gelingen kann? Fangen Sie bei sich selbst an. Versuchen Sie sich einmal 10 bis 15 Minuten ausschließlich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und lassen Sie während dieses Zeitraums absolut keine Störung zu – egal wie wichtig diese auch sein mag! Haben Sie dies über ein paar Wochen hinweg erreicht, können Sie die Dauer steigern. Jetzt werden Sie sicher denken: Wie soll ich meinen Vorgesetzten erklären, dass ich pro Tag eine halbe Stunde nicht zu erreichen bin? Unsere Antwort darauf: Lassen Sie die Ergebnisse sprechen. Wenn Ihre Führungskräfte bemerken, wie positiv und konzentriert Sie nun an Ihre Arbeit herangehen wird sich dieses Vorgehen vielleicht sogar im gesamten Unternehmen etablieren. Folgend geben wir Ihnen einige einfach umsetzbare Tipps, wie Sie Ihre ganz persönliche Konzentrationsinsel schaffen können:

  • An erster Stellen steht hier, wie nicht anders zu erwarten, schalten Sie Ihr Smartphone aus!
  • Leiten Sie Ihr Festnetztelefon auf einen Kollegen um (am Besten wechseln Sie sich ab)
  • Suchen Sie sich einen stillen Arbeitsplatz
  • Stimmen Sie sich mit Ihren Kollegen ab, zu welchen Zeiten Sie sich auf Ihre Konzentrationsinsel begeben und blocken Sie diese in Ihrem Kalender
  • Falls es Ihnen ihre Aufgabe ermöglicht kappen Sie alle Verbindungen ins Internet

Jetzt haben Sie die Chance, sich voll und ganz auf sich und Ihre bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Die Gute Nachricht ist, egal in welchem Alter Sie sich gerade befinden, jeder von uns kann es schaffen, seine Konzentrationsfähigkeit mit diesem einfachen und zeitlich begrenzten Trick um ein Vielfaches zu steigern. Probieren Sie es doch einfach mal aus!

Warum Spaß bei der Arbeit so wichtig ist

Wie können wir mit Spaß und Begeisterung an die Arbeit gehen? Und warum hemmen uns Entzündungen? Genau diesen Fragen gehen auch die Entwickler und Forscher an den beiden Max-Planck-Instituten für Intelligente Systeme und Festkörperforschung in Stuttgart auf den Grund. Hierzu laden sie viermal jährlich einen Top-Speaker ein, der neue Ansätze und Aspekte von Begeisterung vermitteln soll. Mit meinem Vortrag unter dem Titel „Biologie der Begeisterung: Von Dopamin, Entzündungen und Spaß“ hatte ich vergangene Woche die Ehre, vor rund 200 Gästen das Thema Begeisterung von der biologischen Seite aus zu betrachten.

Max Planck.JPG

Lange Zeit sind Psychologen davon ausgegangen, dass es sich bei Freude, Begeisterung und Emotionen um geistige Zustände handelt. Inzwischen ist aber klar, dass diese auch einen biologischen Hintergrund haben und beispielsweise durch die Verstärkung bestimmter Botenstoffe veränderbar sind. So sorgen unter anderem Dopamin oder der als „Gehirndünger“ bekannte Stoff BDNF (brain derived neurotrophic factor) für eine Steigerung unserer Begeisterung. Dies stellt ein zentrales Ziel unserer Arbeit dar.

Der Botenstoff Dopamin, welcher beispielsweise für Neugierde sorgt, wird aus dem Eiweiß Tyrosin gebildet und benötigt zu seiner Herstellung B-Vitamine. Die schlechte Nachricht für alle Veganer: Hierbei sind vor allem tierische Produkte sehr hilfreich. Auch zwischen Kohlenhydraten und Begeisterung gibt es einen deutlichen Zusammenhang. Denn je mehr wir davon zu uns nehmen, desto schneller sinkt unser Dopaminspiegel.

BDNF hingegen ist weniger von Nahrung als von emotionalen Zuständen abhängig. Wie Dopamin sorgt auch dieser Stoff für eine bessere Verknüpfung der Nervenzellen im Gehirn. Mehrere soziologische wie auch psychologische Studien weisen darauf hin, dass wir schlauer, konzentrierter, leistungsfähiger und begeisterter werden, wenn wir regelmäßig spielen. Schließlich werden auch bei Dingen die uns Spaß bereiten Gehirnbotenstoffe ausgeschüttet. Wenn Sie also in der Berufswelt Ihr Potenzial optimal abrufen möchten, sollten Sie regelmäßig spielen – auch während der Arbeitszeit. Das hört sich erstmal befremdlich an. Dass sich dies allerdings mit der heutigen Arbeitswelt vereinbaren lässt, beweisen gerade Tech-Konzerne wie Google oder Microsoft. Arbeit sollte mit Anstrengung, aber auch mit viel Freude an der Tätigkeit verbunden sein.

Im letzten Abschnitt meines Vortrags wurde dann das Thema der anschließenden Diskussionsrunde behandelt – die Auswirkungen von Entzündungen im Körper auf die Begeisterung. Bei einer Entzündung geht jegliche Energie nicht ins Gehirn, sondern in Form von Glukose in unser Immunsystem. So sinken Freude, Neugierde und Begeisterung und jedes psychologische „Empowerment“ ist sinnlos. Bei einigen Unternehmen steht die Entzündungsreduzierung bereits als Begeisterungs- und Innovationsbringer auf dem Personalentwicklungsprogramm. Ein Beispiel hierfür ist unser Programm „Gesundheitspioniere“ bei Wittenstein.

Ich freue mich über die tolle Resonanz meiner Zuhörer in Stuttgart. Dies bestärkt mich darin, dass viele Zusammenhänge zwischen Biologie und Personalentwicklung bzw. -führung noch immer nicht bekannt sind und wir noch einen großen Beitrag leisten können.

Führung ist Neuro-Biologie, lieber Prof. Dr. Hüther

Lieber Prof. Dr. Hüther,

im Interview haben Sie das Thema Führung messerscharf und wie immer treffend analysiert und kommentiert. Was Sie beschreiben, entspricht der alltäglichen Erfahrung von Mitarbeitern in vielen Unternehmen.

Nicht zuletzt stützt auch die Gallup-Studie Ihre Feststellung, wonach nur ca. 20% der Mitarbeiter voll engagiert zur Arbeit gehen. „So baut sich eine Druckwelle von oben nach unten auf, die nicht begeistert, sondern entgeistert“. So formulieren Sie es. Auch Ihre Schlussfolgerung „Gute Führung ist ohne gute Selbstführung nicht denkbar“ ist richtig.

Auf der anderen Seite geben Unternehmen immer mehr Geld für Führungskräfteentwicklung aus. Nahezu alle großen Unternehmen und sogar Unternehmen ab 100 Mitarbeitern legen bereits entsprechende Programme auf. Es ist wie so oft: Das Wissen ist vorhanden! Aber warum setzen Führungskräfte diese Prinzipien nicht um? Warum fehlt es an Wertschätzung? Warum gelingt es nicht, Mitarbeiter zu motivieren?

Sie sehen die Ursache in der Unternehmenskultur, ich finde sie in der Biologie. Viele Führungskräfte können neuro-psycho-immu-endokrinologisch nicht gut führen. Oder anders formuliert: Weil Ihnen Ihre Hormone und Neurotransmitter im Weg stehen. Es gibt aus meiner Sicht einen „missing link“ zwischen Führung und Neuro-Biochemie.

Sie, lieber Prof. Hüther, sprechen regelmäßig von „Gedanken machen“, „mutig sein“, doch sie lassen die Biochemie außen vor. Für Handlungen braucht es Dopamin. Um Veränderungen – auch Selbstveränderungen – zu bewirken, müssen Menschen zunächst einen Handlungsimpuls (z.B. ein Seminar über wertschätzenden Umgang) umsetzen können. Meine These: Schon an diesem Vermögen, Impulse zur Veränderung umsetzen zu können, scheitern viele. Wer führen will, braucht Serotonin, bislang betrachteten Unternehmen und Führungskräftetrainer den Weg über Seminare Führung kognitiv zu „lernen“ als den Königsweg.

Was ist, wenn kognitive Methoden aufgrund der Hormonsituation nur sehr schwer greifen können? Wie lautet die Antwort auf die Frage: „Warum hilft das Modul `Wertschätzende Kommunikation` in Führungsausbildungen nicht?“ Führung von Menschen ist zu wichtig, sie nur den psychologisch orientierten Seminartrainern zu überlassen. Unsere Erfahrung in Seminaren lehrt uns: Je bio-chemischer wir einen Teilnehmer betreuen, desto individueller können wir Veränderungen auslösen und zu Impulse zu guter Führung geben. Die Zeit der „psychologischen Seminare“ geht zu Ende, auch dank Ihrer Arbeit.

Lieber Prof. Dr. Hüther, Ihre Wissenschaft gibt uns die Chance weiter zu denken, über die Grenze von Seminaren, Wertschätzung oder Achtsamkeit hinaus. Die Neuro-Biologie kann uns helfen, wirkliche Veränderung möglich zu machen. Es wird Zeit, diese Chance zu nutzen.

Herzliche Grüße aus Hopferau
Sebastian Spörer