Den Autopiloten programmieren

Wir alle haben oft den Wunsch, einige Dinge in unserem Leben zu ändern. Ein bisschen mehr Sport zu treiben, mehr auf die eigene Ernährung zu achten, jede Morgen eine To-Do-Liste zu erstellen und diese auch in der Reihenfolge abzuarbeiten etc. Es gibt einige Dinge, die wir uns vornehmen, aber einfach nicht umsetzen.

Wieso das so ist, fragen Sie sich? Weil Veränderungen Glukose kosten. Wenn Sie zum Beispiel jeden Morgen denselben Ablauf vor sich haben, übernimmt an dieser Stelle der Autopilot in unserem Gehirn. Toast aus der Packung nehmen, in den Toaster stecken, den Teller rausnehmen, Toast schmieren und zubeißen. Nichts davon stellt eine Anstrengung für unseren Körper dar. Vielmehr ist es bereits zur Routine geworden.

Wenn wir uns aber am nächsten Morgen doch etwas gesünder ernähren möchten und frisches Obst essen wollen um gezielt mehr auf unsere Ernährung und unsere Gesundheit zu achten, ist dies ein komplett anderer Ablauf. Nichts davon ist mehr Gewohnheit! Wir müssen anfangen nachzudenken und verbrauchen Glukose. Dies ist der entscheidende Moment, an dem viele bereits unbewusst wieder aufgeben und sich der gewohnten Routine hingeben. Der Autopilot kann nur mit ausreichend Energie umprogrammiert werden. So könnten wir schlechte Gewohnheiten wie eine mangelhafte Ernährung  zu guten Gewohnheiten verwandeln. Haben wir uns also daran gewöhnt, statt des Toasts einen Obstsalat zuzubereiten, nimmt der Glukoseverbrauch wieder ab und wir haben eine neue Routine entwickelt. Wir haben es also geschafft, unseren Autopiloten umzuprogrammieren und ernähren uns nun gesünder.

Um mehr Energie zu erhalten und uns neu zu konditionieren gibt es einen einfachen Weg. Achten Sie einfach auf die vier Komponenten: Bewegung, Ernährung, Schlaf und Entspannung.

Bei Bewegung geht es nicht darum einen Marathon zu laufen, sondern wirklich nur um Bewegung. So können Sie z.B. viele Wege zu Fuß gehen (mindestens 20 min pro Tag).

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Bei Ihrer Ernährung sollten Sie darauf achten, dass die Hälfte Ihres Tellerinhalts aus Gemüse bestehen sollte, essen Sie drei Mahlzeiten täglich und greifen Sie vor allem bei Eiweiß und guten Fetten wie Avocado zu. Falls Sie bemerken sollten, dass Ihr Energielevel trotz Ernährungsumstellung nicht erhöht, empfehle ich Ihnen ca. zwei Wochen lang den natürlichen Zucker Ribose einzunehmen. Auch Glutamin könnte Sie fitter werden lassen.

In Sachen Schlaf und Entspannung sollten Sie darauf achten dass Sie ca. acht Stunden erholsamen Schlaf pro Nacht haben. Aber es geht nicht nur im die großen Erholungsphase in der Nacht, sondern auch um kleine, über den Tag verteilte Pausen. Diese sollten Sie sich regelmäßig einplanen. So können Sie beispielsweise nach einem zweistündigen Meeting 10-15 Minuten ohne PC und ohne berufliche Gespräche einfach nur kurz entspannen.

Wenn das Energieniveau nun gestiegen ist, beginnen Sie Ihren Autopiloten erneut zu programmieren. Wichtig ist es, mit wenigen und kleinen Schritten und Zielen zu beginnen. So gelingt es Ihnen, aus kleinen Dingen eine Gewohnheit machen.

Mein Besuch im NeuroLeadership Institute

Vergangene Woche durfte ich einen dreitägigen Intensiv-Workshop am renommierten NeuroLeadership Institute in London besuchen. Zusammen mit 15 weiteren Neurotrainern aus ganz Europa beschäftigten wir uns mit dem Thema „brain based Coaching“, also dem gehirnbasierten Training. Ziel des Workshops war es, zu lernen, wie es Führungskräften gelingen kann, ihre Mitarbeiter schnell und effektiv für einen Change-Prozess zu begeistern.
SSP-LondonViele von Ihnen dürften sich verwundert die Augen reiben, mit welch einfachen Mitteln dies eigentlich zu bewerkstelligen ist. Liegen die Tatsachen doch auf der Hand und sind uns in den meisten Fällen schon seit Kindertagen bekannt. Verkürzt lässt sich sagen, dass Veränderung vor allem dann gut umsetzbar ist, wenn wir wenig abgelenkt sind, Raum für die Wiederholung von neu erlerntem erhalten und uns darüber im Klaren sind, dass wir keinen freien Willen haben.

In der Theorie hört sich das natürlich sehr einfach an. Um sich und seine Mitarbeiter für die Umsetzung dieser Wege hin zu einem Change-Prozess zu bewegen, ist es wichtig, sich auch mit dem Hintergrund dieser Maßnahmen zu beschäftigen. Wer sich z.B. ein ablenkungsfreies Arbeitsumfeld schaffen möchte, kann damit beginnen, sein Handy während einer Konzentrationsphase abzuschalten. In London fiel uns dies erstaunlich schwer. Es hatte den Anschein, als wüssten einige von uns gar nicht mehr, wie man ein Smartphone abschalten kann.

Der Hintergrund hierzu findet sich im präfrontalen Cortex, dem Ort unseres Gehirns, an dem unsere Impulsbremse beheimatet ist. Wenn wir wissen, dass uns über das eingeschaltete Handy eine Nachricht erreichen könnte, haben wir den unbewussten Drang, dies auch immer wieder zu überprüfen. In bildgebenden Studien konnte beobachtet werden, dass uns diese Impulskontrolle extrem viel Energie kostet. Wollen wir diese aber auf andere Art und Weise nutzen, um z.B. über eine neue Geschäftsstrategie nachzudenken, sollten wir uns eine energiesparende Umwelt schaffen. Auch die Einführung von Reflexionszeiten wird von vielen Führungskräften auch heute noch unterschätzt. Finden beispielsweise nach einem Meeting kleine Gesprächsrunden statt, in denen die Inhalte noch einmal besprochen werden, unterstützt dies den Lernprozess und führt dazu, dass auch komplexere Fragestellungen vom Gehirn erfasst werden können.

Wirklich spannend war für mich die Erkenntnis, dass es vielleicht gar keinen freien Willen, aber ein freies Nein gibt. Im Klartext heißt das: Wir können nicht kontrollieren, worüber wir gerade nachdenken. Vom unbewussten bis zum bewussten Gedankengang vergehen nur etwa 300 Millisekunden. Aber wir haben die Möglichkeit, unsere Gedanken zu steuern und diejenigen unter ihnen, die Stress für uns bedeuten durch ein klares „Nein“ abzuwenden.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Schalten Sie in wichtigen Momenten Ihr Handy aus, reflektieren Sie komplexe Zusammenhänge mit Ihren Kollegen und geben Sie Ihrem Verstand hin und wieder ein klares „Nein“. Dann steht einem Change-Prozess so gut wie nichts mehr im Weg.

london