Biologie der Begeisterung – ein Erfahrungsbericht

Am 10. und 11. Oktober nahm ich an einem Seminar des Ersten Deutschen Zentrums für Leistungsmanagement im Schloss zu Hopferau teil. Abseits der üblichen Feedbackbögen möchte ich nun den Veranstaltern eine Rückmeldung und Interessenten einen Einblick in das Programm geben. Das zweitägige Seminar „Biologie der Begeisterung“ vermittelt was hinter Begeisterung und Motivation steckt. Außerdem wird  erklärt wie es zu Stress kommt und wie wir diesen vermeiden können. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Biologie, Neurologie, Schlafforschung und den Ernährungswissenschaften erfolgt der Transfer in die beruflichen Praxis sowie den privaten Alltag.

Das Seminar
Nach der Fahrt ins Allgäu und einem gesunden Frühstücksbuffet bestehen aus Obst, Nüssen, Müslis, Smoothies und Fruchtsäften ging es planmäßig um 9:30 los. Im hellen Tagungsraum erwartete uns neben den Schreibunterlagen jeweils eine Ausgabe des Buchs „Das Geheimnis der Leistungsfähigkeit“. Ein erweitertes Handout, welches so gut wie alle Inhalte des Seminars weiterführend abdeckt und zudem ein 5-Wochen Ernährungs- und Sportprogramm beinhaltet. Trainer Alexander Feil stellte sich kurz vor: Aus der Schulmedizin kommend führt er mittlerweile eine Naturheilpraxis mit ganzheitlichen Ansatz in Stuttgart. Dann waren wir sechs Teilnehmer gefragt. Zur Vorstellungsrunde gehörte auch die Frage nach unseren Wünschen und Erwartungen an das Seminar. Diese griff Herr Feil auch gleich auf und besprach mit uns einen groben Fahrplan für die nächsten zwei Tage. Ziel war es, uns Werkzeuge mit auf den Weg zu geben, die jeder dann ganz individuell im privaten wie beruflichen Alltag zur Anwendung bringen kann.

img-0279.jpg

Stress und Begeisterung
„Wann ist die beste Zeit Entscheidungen zu treffen?“ Die erste Frage des Tages wurde von Herrn Feil mit einem anschaulichen Beispiel bzw. einer wissenschaftlichen Studie beantwortet. Danach lernten wir die drei Entscheidungssysteme im Gehirn kennen, der langsam planende präfrontale Cortex, das schnelle, instinktive Stresssystem mit dem Hormon Cortisol und das lernende Belohnungssystem, dem Hippocampus. Anschließend haben wir die Faktoren angesprochen die zu Stress führen können. Aufgabe war es selbst die 10 größten Faktoren oder Situationen in denen wir Stress verspüren, zu definieren. Danach entwickelten wir Strategien um diese Faktoren aufzulösen und ergründeten, was uns daran hindert Veränderungen vor zu nehmen. Eine wichtige Erkenntnis des Seminars ist daher: Der wichtigste Gegenspieler von Stress ist die Begeisterung, die wir für unsere alltäglichen Aufgaben leider viel zu wenig verspüren. Eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme ist daher, sich z.B. schon an kleinen Erfolgen zu erfreuen.

Energie
Dann folgte ein medizinisches Thema: der Fett- und Zuckerstoffwechsel. Die meisten Menschen befinden sich im Zuckerstoffwechsel der einige Nachteile wie schneller Energieverlust, Übergewicht und Heißhunger zur Folge hat. In den Fettstoffwechsel gelangt man, durch Ausdauersport und kohlenhydratarme Ernährung. Wer sich daran hält setzt logischerweise erst gar nicht an und kann und darf auch deutlich mehr essen. Entsprechen gesund war auch das Essen während des Seminars im Schloss Restaurant. Sehr spannend war auch der Themenkomplex: sichere/unsichere Welt. Zusammengefasst bedeutet  eine tatsächlich unsichere oder so wahrgenommene Welt auf lange Sicht ein verkümmern unseres Lernsystems im Gehirn. Die amerikanischen Soldaten im 2. Irak krieg hatten bereits nach 18 Monaten, einen im MRT messbar, kleineren Hippocampus. Zurück in der Heimat dauerte das Nachwachsen des für das Lernen zuständigen Gedächtnisses das Dreifache der Zeit, also etwa viereinhalb Jahre. Ein großer Hippocampus ist wichtig für das erschließen neuer Dinge, das Lesen, Lernen und er hält uns auch später im Alter fit. Daher ist es auch in unserer medialen Welt wichtig, nicht nur negative Nachrichten, brutale Filme und Videospiele zu konsumieren, denn unser Gehirn reagiert auf realistische Bilder egal ob real oder fiktiv. Je weniger diese Gehirnregion für unsere Entscheidungen nutzen desto mehr müssen wir uns auf unser instinktives auf Stresshormonen basiertes Entscheidungssystem verlassen. Die Folgen sind z.B. Antriebslosigkeit und Burnout. Stress beeinflusst unseren Energiehaushalt negativ, dies ist eine weiter wesentliche Erkenntnis des Seminars. Das Immunsystem bestimmt unsere Stressresistenz, dies verdeutlichen der Blick auf das „magische Dreieck“ des täglichen Energieumsatzes einer durchschnittlichen Person.

Energieumsatz_Pyramide

Wenn einer der drei „Energieverbraucher“ mehr Kalorien benötigt dann fehlt diese an anderer Stelle. Machen wir also z.B. Bodybuilding oder Ausdauersport, müssen wir unserem Körper mehr Energie in Form von Nahrung zuführen, ansonsten fällt uns bei akuter Belastung das Denken schwer und wir sind anfälliger für Krankheiten. Wer ständig unter Strom steht, bei dem führt die psychische Belastung zur Aktivierung der physischen Schmerzzentren im Gehirn, so kann eine chronische niederschwellige Entzündung im Körper entstehen. Die Organe und Zellen des Immunsystems sind ständig aktiv und verbrauchen dementsprechend viel Energie, die an anderer Stelle fehlt. Menschen die unter akutem Stress stehen werden so auch nicht mehr „richtig“ krank oder gesund sondern befinden sich lange Zeit in einem Zwischenzustand. Krankheiten wie Erkältung und Fieber dauern länger und kehren immer wieder zurück, behandelt man diese sofort mit Paracetamol oder Ibuprofen so kann sich ein Memory-Effekt einstellen der zu chronisch erhöhter Temperatur und erhöhtem Stressaktivität des Körpers führt.

Krankheitsverlauf_Stress-02

Ein gesundes Immunsystem hingegen gleicht Krankheiten und Stress aus und sorgt für einen ausgewogenen Energiehaushalt. Daher haben wir dann auch einen Spazierlauf rund um Hopferau gemacht.

IMG-0286

Weiteres Thema war der Stoffwechsel unserer Zelle: Wie viel Energie wir aus Zucker, Kohlenhydrate und Fett gewinnen? Wann ist die Verbrennung effektiv und wann aktiv? Und wie kann diese beeinflusst werden? Die verschiedenen Energieumsätze der Zelle zeigte noch einmal deutlich die unterschiede des Zucker- und Fettstoffwechsels. Am Abend wurden dann die in gemütlicher Runde die Seminarinhalte noch einmal resümiert und Wünsche für den nächsten Tag geäußert.

Ernährung
Wie am Abend zuvor gewünscht stand der zweite Tag weiter im Zeichen der Ernährung. Es ging mit dem Thema Stoffwechsel weiter. Insbesondere das Beispiel Diabetes hat anschaulich aufgezeigt welche Mechanismen in unseren Zellen zusammenspielen. Wertvolle Tipp dazu waren: Sich den Tag über auf 2-3 Mahlzeiten zu beschränken und zwischendurch keine zucker-/kohlenhydrathaltige Snacks bzw. Getränke zu konsumieren. Die halten den Blutzuckerspiegel über den Tag hinweg hoch, die Durchlässigkeit der Zellwände nimmt ab und führt so zu einem überlasten der Bauchspeicheldrüse, die immer mehr Insulin produzieren muss. Besonders tückisch sind da Light Produkte mit Süßstoffen, diese suggerieren dem Gehirn eine Zuckerzufuhr und fährt dann die Insulinproduktion nach oben. Doch bei den Zellen kommt kaum Energie an, diese melden dann einen erhöhten Bedarf der wiederum zu Heißhunger und damit meist zu einer höheren Energieaufnahme im Gegensatz zu normalen Produkten führt.

Herr Feil ging außerdem auf die Fülle der angebotenen Nahrungsergänzungsmittel ein. Wirklich sinnvoll ist (außer bei Krankheit und Mangelerscheinungen) es Vitamin D und Magnesium zu sich zu nehmen. Vitamintabletten helfen nicht wirklich gegen Stress. Hilfreicher sind ausreichender Schlaf (7-8 Stunden), viel Trinken (spült die Stresshormone aus Leber und Niere) und das Pflegen sozialer Kontakte. Anderes großes Thema war der Biorhythmus und die dafür zuständigen Hormone Melatonin und Cortisol. Wir lernten, wie diese uns müde und wach werden lassen und wie die Industrialisierung unseren Schlafrhythmus immer weiter verschoben hat. Insbesondere das blaue Licht der Bildschirme und das legen von immer mehr Aktivitäten in unsere eigentliche Ruhephase sorgt hier für Probleme.

IMG-0283

Da wir den umfangreichen Seminarinhalt recht konzentriert durchgearbeitet hatten, blieb am Ende noch Zeit für zwei Bonusthemen aus dem Bereich der Psychologie: Priming und Glaubenssätze (Affirmationen). Doch diese hier zu besprechen führt jedoch zu weit. Vielleicht finden diese bei zukünftigen Blogbeiträgen Erwähnung.

Fazit Die Trainer des Zentrums für Leistungsmanagement legten großen Wert darauf, das Seminar interaktiv zu gestalten und individuelle auf die Teilnehmer abzustimmen. Zwischenfragen führen zwar immer wieder zu Themenwechseln, doch dafür ist das Seminar sehr nah an den Bedürfnissen der Teilnehmer. Auch die Gruppengröße war von Vorteil.

Die Kombination aus theoretischen Fachwissen und den Beispielen aus dem Praxisalltag von Alexander Feil machten das Programm sehr wertvoll. Die Abgeschiedenheit und Ruhe des Schloss in Hopferau, das Alpenpanorama und die gute Luft haben das fokussierte Arbeiten zusätzlich begünstigt. Aufgrund des hohen Praxisbezugs kann ich das Seminar allen empfehlen die einmal einen wissenschaftlich medizinischen Blick hinter die Kulissen von Begeisterung, Stressresistenz und Leistungsfähigkeit nehmen möchten!

Altern und die Epigenetik

Wie funktioniert altern? Was macht uns alt? Einen spannenden Beitrag dazu liefert die Epigenetik. 2012 entdeckten Forscher, dass ein besonderer epigenetischer Marker, die Methylierung der DNA bei zunehmenden Alter immer mehr abnimmt.

Das bedeutet es werden immer mehr Gene „eingeschaltet“. Im Vergleich zu Babys beträgt die Abnahme fast 5% bei einem 103-jährigen. Auf die Methylierung hat Ernährung und Bewegung einen entscheidenden Einfluss. Vielleicht können wir das biologische Alter bald an den Methylgruppen festmachen, einen Einfluss auf „Alterskrankheiten“ könnte  sich hier zeigen.

Hier könnte ein Schlüssel liegen, warum Sportler jünger aussehen.

Dies ist nur ein Untersuchungsergebnis, das zeigt wie spannend die Interaktion zwischen Vererbung und Umwelt wird, die Epigenetik ist das Forschungsfeld, das mit am stärksten wächst.

aus: Holger Heyn et al.: Distinct DNA methylomes of newborns and centenarians. PNAS 109, 26.06.2012, S. 10522-10527

Mein Fazit des Summit

Das Besondere an diesem Summit war, dass sich fünf verschiedene Gruppen ausgetauscht haben, die normalerweise an verschiedenen Strängen ziehen

1) Kardiologen, Endokrinologen; Präventionsmediziner, Gehirnforscher, Immunologen

3) Werksärzte

4) Personalleiter

4) Arzte der psychologischen Fachrichtungen (Psycho-Somatik) und  Psychologen

5) Anbieter für Leistungsmanagement in der Personalentwicklung

Wir haben es geschafft auf Augenhöhe viele Gesichtspunkte zu diskutieren und einige Thesen auszutauschen. In der Vernetzung liegt der Wert dieses Anfangs. Einig waren sich alle, dass die Gehirnforschung und die Präventionsmedizin im letzen Jahrzehnt so große Fortschritte gemacht haben, dass für Unternehmen viel Leistungspotential entsteht. Die neuen Erkenntnisse können eben nicht nur zur Gesunderhaltung, sondern auch zur Leistungssteigerung und zur Personalentwicklung im Bereich Selbstmanagement verwendet werden.
Genau hierin liegt der besondere Reiz dieser Verbindung.

Wir freuen uns auf den nächsten Termin in Dresden Ende April.

Die Hopferauer Erklärung in die Welt tragen

Nach zwei Tagen mit informativen und anregenden Vorträgen und viel Austausch endete am Nachmittag der Kongress „Leistung und Leistungsverlust in der Berufswelt“, den die Gesellschaft für Prävention e.V. und das Erste Deutsche Zentrum für Leistungsmanagement und Burnout-Prävention gemeinsam im Schloss zu Hopferau durchgeführt hat. Ergebnis waren fruchtbare Diskussionen, deren Erkenntnisse in die „Hopferauer Erklärung“, ein Manifest, in dem Standards zur Burnout-Prävention und Leistungsmanagement in Unternehmen definiert sind, einflossen. Prof. Dr. Alfred Wolf, der die Veranstaltung moderierte, fasste im anschließenden Pressegespräch zusammen:

Dr. Sebastian Spörer, Prof. Dr. Alfred Wolf und Bernd Rath während des Pressegesprächs
Dr. Sebastian Spörer, Prof. Dr. Alfred Wolf und Bernd Rath während des Pressegesprächs

„In den 1 ½ Tagen hatten wir in einer wundervollen Umgebung hatten wir wissenschaftliche Gespräche mit einer sehr heterogenen Gruppe aus Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und Vertretern aus der Wirtschaft. Die Hopferauer Erklärung werden wir nun in die Welt hinaustragen.“ Er bedankte sich bei dem Hausherrn des Schlosses, Bernd Rath sowie dem Ersten deutschen Zentrum für Leistungsmanagement und Burnout-Prävention, Dr. Sebastian Spörer, für die hervorragende Arbeitsatmosphäre und die Idee zu diesem Summit.Kernaussagen darin sind unter anderem, dass qualifiziertes Personal der Engpass in der Zukunft sein wird und die Unternehmenskultur ein wichtiger Faktor für die Arbeitserfolge eines jeden Einzelnen ist. Dabei spielen genügend Freiräume für die individuelle Entfaltung und die Wertschätzung für die Arbeit eine große Rolle. Diese Kultur der Achtsamkeit muss von oben nach unten gelebt werden.

Die Teilnehmer während der Abschlussdiskussion
Die Teilnehmer während der Abschlussdiskussion

Die Teilnehmer zeigten sich von dem Summit „Leistung und Leistungsverfall in der Arbeitswelt“ begeistert. Prof. Dr. Pasquale Calabrese fasste das Ergebnis als „zarte Pflanze“ auf, „die wir mit konstruktiven Beiträgen nähren müssen und deren Botschaft wir in die Welt tragen müssen“. Die Eckpunkte der Hopferauer Erklärung wurden während der gemeinsamen Abschlussdiskussion festgelegt, doch wird eine Endgültige Version erst nach einer gemeinsamen Revision freigegeben.

Neue Perspektiven vermindern den Stresslevel

Prof. Dr. Jan Teunen im Gespräch
Prof. Dr. Jan Teunen im Gespräch

Auch am zweiten Tag des Summits „Leistung und Leistungsverlust in der Berufswelt“ war die Stimmung unter den Teilnehmern gut. Bei der wunderschönen und erholsamen Umgebung des Schlosses sollte das allerdings auch kein Wunder sein.

Dr. Cristina Barth Frazetta und Prof. Dr. Alfred Wolf
Dr. Cristina Barth Frazetta und Prof. Dr. Alfred Wolf

Dabei waren Coaching und andere Maßnahmen zur Reduktion der Stressachse Themen der Präsentationen. So erfuhren die Teilnehmer unter anderem, dass eine Begleitung in Form von Coaching bereits dazu führen kann, Ziele besser im Blick zu behalten und dadurch dem Burnout zu entgehen. Schließlich lerne man hier neue Perspektiven kennen, aus denen man Herausforderungen anders betrachten könne und anders an sie herangehe. Aber auch Sport und Ernährung, so erklärte Florian Wolf, sind wichtige Faktoren, die Auswirkungen auf unsere Stressachse haben. Dabei sei allerdings wichtig, wann man beispielsweise Sport betreibt – schließlich muss der Körper auch Gelegenheit haben, sich zu erholen. Das, so stellten alle Referenten fest, macht er in der nächtlichen Schlafphase. Wenn man sich allerdings abends noch durch zu hohe sportliche Belastung, Fernsehen oder Tätigkeiten mit einem hohen Beziehungs-Involvement beschäftigt und sich somit einem hohen Stressfaktor aussetzt, hat der Körper keine Möglichkeit, „runter zu kommen“ und sich entsprechend in der Nacht zu erholen.

Prof. Dr. Alfred Wolf erklärt, wie sich Stress messen lässt
Prof. Dr. Alfred Wolf erklärt, wie sich Stress messen lässt

Dies lasse sich, so Prof. Dr. Alfred Wolf, durch einfachste Methoden wissenschaftlich nachweisen.