Mein erster Kontakt mit Neuroleadership

Im Laufe meines Berufslebens hatte ich mich schon oft mit Teambuilding und Managementratgebern auseinandergesetzt. Man lernt die Kollegen ein wenig besser kennen und erhält Tipps für die Strukturierung von Meetings oder des Terminkalenders. Meist waren diese aber alle sehr ähnlich und die Erkenntnisse blieben weitestgehend aus.

Die Verbindung zwischen Gehirnforschung, Management und Führungstheorie war mir zwar bekannt, doch hatte ich keine tieferen Kenntnisse. Da mein Arbeitgeber Weiterbildungen und Seminare aktiv fördert, lag das Neuroleadership Seminar des Ersten Deutschen Zentrums für Leistungsmanagement nahe. Bei diesem noch relativ neuen Ansatz werden zwei Themengebiete kombiniert und Erkenntnissen der Neurowissenschaften auf bekannte Managementtheorien übertragen.

Das Seminar im Schloss zu Hopferau hat mir sehr gut gefallen und das Team des Zentrums für Leistungsmanagement bat mich, einen Blogbeitrag über meine Erfahrung sowie die gewonnenen Erkenntnisse zu schreiben.

Das im Allgäu beheimatete Erste Deutsche Zentrum für Leistungsmanagement sagt von sich selbst, es beschäftige sich mit den Themen Gehirnforschung, Biologie, Medizin und lehrt seinen Teilnehmer, wie sie begeisterter, leistungsfähiger und veränderungsbereit werden.

Neugierig machten mich besonders, die Punkte Motivation und Kommunikation aus Sicht des Gehirns sowie die Möglichkeit, Zusammenarbeit mit Kollegen gehirnregerecht zu gestalten – das ist für mich privat, wie beruflich von großer Relevanz.

Zentrum für Leistungsmanagement, Seminar, Workshop, Notizen, Vortrag

Obwohl ich keine Führungskraft bin, habe ich die Chance bekommen daran teilzunehmen. Geleitet wurde das Seminar von Dr. Markus Ramming, der promovierte Neurobiologe bringt umfassende Erfahrungen als Führungskraft in der Pharmabranche mit. Dies konnte man in seinen Erläuterungen deutlich spüren, denn gerade die vielen konkreten Beispiele machten das komplexe Thema Gehirn und Motivation verständlicher.

Dr. Ramming behandelte alle, die im Handout aufgelistete Punkte. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir einen tieferen Einstieg gewünscht, aber da hätte ich wahrscheinlich das zweitägige Neuroleadership Seminar besuchen müssen. Dr. Ramming meinte, dass dieses mehr Raum für Gruppenarbeiten bietet und so das neue Wissen gleich angewendet werden kann.

Besonders gefallen haben mir die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse und Studien, mit denen Dr. Ramming seine Ableitungen für das Management und Führungsverhalten belegen konnte. Diese ganz neue Art auf das berufliche Miteinander zu blicken hat mir einige Aha-Momente beschert. Die kleinen Gedankenspiele, die am eigenen Beispiel und praxisnahen Erlebnisse, die Eigenheiten unseres Gehirns aufzeigen, haben bei mir diesen Effekt verursacht. Wir können von der sogenannten Neuroplastizität lernen, die beschreibt, dass unser Gehirn ständig lernt, auch im Alter und es vor allem auf das Training ankommt und darauf für was wir unser Gehirn nutzen. Es war spannend von dieser gigantischen Lernmaschine zu hören, in der ständig neue Verbindungen geschaffen werden und alte „Wege“ oder nicht genutzte Gedankengänge langsam verschwinden. Das hat mir das Gefühl gegeben, nicht mehr diese mysteriöse „Blackbox“ in meinem Kopf zu haben, sondern ein greifbares Organ, das ich auch gezielt beeinflussen und trainieren kann.

Spannend für mein Berufsleben fand ich die angesprochenen Faktoren, welche die eigene und die Motivation der Kollegen beeinflussen lassen. Da geht es dann auch gleich in den Bereich des Primings und der bedürfnisorientierten Kommunikation. Auch hier haben wir wieder mit vielen konkreten Beispielen gearbeitet. Was ich mitgenommen habe und auch auf jeden Fall in meine tägliche Arbeit integrieren möchte, ist mir mehr Zeit zu geben um Inne zu halten und die Automatismen, die sich in den Arbeitsabläufen festgesetzt haben, zu hinterfragen bzw. zu überdenken. Denn erst dann habe ich die Chance meine etablierten Denkmuster zu überwinden und kann so offener, konkreter und zielgerichteter mit meinen Kollegen kommunizieren.

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Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen mit einem Halbwissen unterwegs sind was Kommunikation und Motivation angeht, welches Sie in Ratgebern und Seminaren aufgeschnappt haben. So ging es mir auf jeden Fall. Mit Hilfe des Schnupperseminars konnte ich einige dieser Wissensfragmente für mich zu logischen Handlungsanweisungen zusammenfügen. Aber gerade dass hinter dem Neuroleadership-Ansatz fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse stecken, machen das Seminar für jeden interessant – egal ob vorgebildet, führungserfahren oder als Managementneuling.

Auf jeden Fall möchte ich nun auch das zweitägige Seminar im Schloss zu Hopferau besuchen. Die Termine dafür, habe ich bereits in meinem Kalender notiert.

Mit freundlichen Grüßen,

Victoria Meder, Consultant BERA GmbH

Mit Superfoods gesund durch den Herbst – Quinoa, Chia, Leinsamen und Hirse unter der Lupe

Passend zum Erntedankfest, dass in der Regel am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird, wirft dieser Blogbeitrag ein Blick auf Superfoods aus dem Getreide- und Samen-Sortiment. Immer häufiger werden bestimmte exotische Lebensmittel mit besonderen Eigenschaften umworben. Die regionalen Wundermittel werden dann oft vergessen.

Ein Schwerpunkt in dem Seminar „Biologie der Begeisterung“ ist die Verbesserung der eigenen Leistungsfähigkeit. Diese hängt stark mit der Ernährung zusammen die ja unseren Energiehaushalt beeinflusst. Wie wirken die „Superfoods“ Quinoa und Chia-Samen? Sollte man die regionalen Alternativen vielleicht sogar dem klassischen Superfood vorziehen?

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Quinoa

Bekannt als das Gold der Inka zählt Quinoa zu den sogenannten Pseudogetreidearten. Das liegt daran, dass es botanisch zu Gänsefußgewächsen wie Spinat, Rote Bete oder Mangold gehört. Es stammt ursprünglich aus Südamerika und wächst dort in hoch gelegenen Gebieten. Dabei gedeiht es selbst auf wenig fruchtbarem Boden trotz Hitze und Trockenheit einwandfrei.
Viele Jahrhunderte zählt es dort zu den Grundnahrungsmitteln, das sich auch die ärmere Bevölkerungleisten konnte. Heute gehört es in Deutschland in den Regalen der Reformhäuser, Drogerieläden und Supermärkten zu den teureren Produkten. Was Reis nicht schafft, kann Quinoa: Vor allem für Veganer verhindert die Alternative eventuelle Mangelzustände z. B. Eisen und Magnesium.
Quinoa verfügt über höhere Nährstoffwerte als Getreide und gehört mit 13 % bis 22 % Eiweisanteil zu den proteinreichsten Gemüsesorten. Ebenfalls enthält es ein hohes Gehalt an Eisen und Magnesium. Zusätzlich ist es reich an Kalzium und Kalium. Als Vorteil gegenüber anderen Getreidesorgen enthält es kein Gluten. Das in den Samen enthaltene Öl besteht zu 70% aus den ungesättigten Fettsäuren, die gut für den Cholesterinspiegel, das Herz und den Kreislauf sind, wie bspw. Omega-3 Fettsäuren. Quinoa ist basisch und enthält viele Ballaststoffe, die für eine gute Sättigung sorgen. Weiterhin ist es reich an essenziellen Aminosäuren darunter auch Lysin, was ein sehr wichtiger Baustein für das Bindegewebe ist.
Das Pseudogetreide enthält viele Bitterstoffe, die nicht jedem schmecken und außerdem Blut verdünnend wirken. Jedoch verringert gründliches Waschen vor der Zubereitung den Effekt und mildert den Geschmack. Grundsätzlich ist beim Kauf drauf zu achten, dass das Produkt aus biologischem Anbau stammt, um eine Schadstoffbelastung zu vermeiden.

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Hirse

Die regionale Superfood-Alternative zum Quinoa, ist die seit der Steinzeit in Europa genutzte Hirse. Im 17. Jahrhundert wurde es von den Feldfrüchten wie Kartoffel und Mais verdrängt und feiert somit erst seit dem 21. Jahrhundert ein Comeback. Hirse ist nicht gleich Hirse, es gibt viele Sorten. In Europa wird hauptsächlich die Rispenhirse angebaut. Wie auch Hafer, Gerste oder Reis ist Hirse ein Spelzgetreide und muss vor dem Verzehr von Spelzen und Fruchtschale befreit werden. Somit wäre es genau genommen kein Vollkornprodukt mehr. Glücklicherweise sind die Nährstoffe aber in der ganzen Hirse verteilt und nicht wie üblich vorwiegend in der Frucht und Samenschale. Deshalb kann geschälte Hirse tatsächlich mit Vollkörnern verglichen werden. In Reformhäusern, Drogerien und Supermärkten gibt es Hirse als Mehl, Grieß, Flocken oder Körner.
Mit 13 % Eiweißanteil liegt sie nah beim Gold der Inka und ist ebenfalls glutenfrei. In Kombination mit vitaminreichen Lebensmitteln wie Brokkoli, Paprika oder Salate wirkt Hirse als sehr gute Magnesium- und Eisenquelle, da der Körper die Stoffe in Kombination besser aufnehmen und verwerten kann. Zusätzlich versorgt Hirse den Körper mit Mikronährstoffen wie Kupfer, B Vitaminen und Kieselsäure. Laut einer Studie des Leiden University Medical Center senkte sie so den Blutzuckerspiegel und erhöht den guten HDL-Cholesterinspiegel. Hirse wird außerdem nachgesagt besonders bekömmlich zu sein, die Darmschleimhaut zu schützen und bei der Entgiftung des Körpers zu unterstützen.
Die in Hirse enthaltenen Stoffe wie z. B. Tanninen, die für die Bindung von Eiweiß sorgen und damit die Bioverfügbarkeit hindern, sowie die Stärkeverdauung hemmen; Phytinsäuren und Oxalsäuren die Mineralstoffe wie Eisen und Calium binden, sind oftmals Grund für den Hirseverzicht. Tatsächlich sind diese Sekundärstoffe nur schädlich, wenn man sich ausschließlich von Hirse ernähren würde. Indem die Hirse quellt, kann durch die Fermentierung schädigende Stoffe noch weiter reduziert werden. Außerdem enthält Hirse Eiweiß schädigende Enzyme und sollte daher nicht roh verzehrt werden.

Chia-Samen

Die aus Mexico, Süd- und Mittelamerika stammenden Chia-Samen gehören ebenso wie Quinoa und Amaranth zu den Pseudogetreiden. Die glutenfreie Ölsaat ist die Frucht der einjährigen Pflanze. Der Begriff „Chia“ bedeutet übersetzt „stark“ und die kleine Frucht ist tatsächlich stark dank Ihren wertvollen Nährstoffen.
Doch nicht nur stolze Nährwerte auch einen stolzen Preis hat die Superfrucht. Zwischen 10 und 40 Euro kann ein Kilo Chia in Drogerieläden und Reformhäusern schon mal kosten. Gequellt als Pudding, Smoothie Beilage, Marmeladenquellstoff, Ei-, Müsli-, Brot-, Joghurt-, Salat- oder Kuchenzusatz sind die Samen hervorragend geeignet. Als glutenfreies Produkt sind sie eine gute Alternative für Menschen mit Glutenunverträglichkeit.
Die Samen sind sehr fettreich, weshalb aus ihnen auch Öl gewonnen wird. Bei den enthaltenen Fetten handelt es sich um die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Der Proteingehalt ist mit ca. 17 % nicht überdurchschnittlich hoch. Sonnenblumenkerne mit 21 % Proteingehalt wären hingegen eine geeignetere Proteinquelle. Chia-Samen haben einen hohen Tryptophangehalt mit 0,4 g bis 0,7 g auf 100 g. Die Aminosäure ist für die Bildung des Hormons Serotonin, auch als Glückshormon bezeichnet, erforderlich. Die enthaltenen verdaulichen Kohlenhydrate liegen bei 8 g, womit Chia-Samen bei einer Low-Carb-Ernährung nicht die erste Wahl sein dürften. Sie sind dafür reich an Ballaststoffen und enthalten viel Vitamin E, welche gut für Zellschutz und Immunsystem sind. Mit einem 3-mal so hohen Kalziumgehalt wie in gleicher Menge Milch, decken Chia-Samen 15 % der empfohlenen Mindestmenge eines Tages an Ballaststoffen ab.
Allerdings hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine maximale Verzehrmenge von 15 g pro Tag für Chia-Samen bestimmt, dies liegt aber vor allem an der Einstufung als „Novel Food“.

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Leinsamen

Als regionales Superfood sind Leinsamen inzwischen bekannt. Sie gehören zu der Gattung der Leingewächse und wurden bereits in der Steinzeit für Heilzwecke eingesetzt. Heute wird Lein fast weltweit angebaut und ist in Supermärkten, Drogerieläden und auch in Reformhäusern zu finden. Durch den weltweiten Anbau sollte beim Kauf unbedingt auf das Ursprungsland geachtet werden, da Angaben wie z. B. „Europa“ noch nicht die Regionalität des Produktes bedeuten. Ungequellt sind Leinsamen ein beliebter Zusatz in Müsli, Joghurt und Backwaren. Dabei werden sie oft in geschroteter Form verwendet. Gequellte Leinsamen werden häufig bei Beschwerden wie Reizdarm oder Durchfall eingenommen. Das aus Leinsamen gewonnene Öl ist sehr bekömmlich und wird zum verfeinert von Quark oder in Salaten eingesetzt.
Die Zusammensetzung ist der von Chia-Samen recht ähnlich. Doch liefern Leinsamen einen höheren Anteil an essenziellen Omega-3-Fettsäuren. Der Omega-6-Fettsäuregrad liegt bei beiden Samen mit knapp 6 g pro 100 g sehr ähnlich. Der Proteingehalt ist mit 18 % ebenfalls höher als bei Chia-Samen, aber nicht überdurchschnittlich hoch. Die Aminosäure Tryptophan ist mit 0,41 g auf 100 g ebenfalls in größerer Menge vorhanden und unterstützt den Serotoninaufbau. Betrachtet man die Kohlenhydrate, so enthält der Leinsamen in manchen Nährwerttabellen sogar 0 g, auch mit einer höheren Angabe von 1,5 g liegt er immer noch weit unter dem Chia-Samen. Geht es um Mineralstoffe, dann können Chia-Samen ebenfalls Punkten, da Sie einen höheren Anteil an Calcium, Zink, Kupfer und Mangan aufweisen als Leinsamen. Bei den Vitaminen sind es die Leinsamen, die die Nase vorn haben. So enthalten sie mehr Vitamin E, B2 und B6, gleichviel Vitamin A, C und K und weniger B1 als Chia-Samen. Auf den Ballaststoffgehalt sind die für beide Samen bekannten vorteilhaften Wirkungen zurückzuführen wie z. B. das Binden von Toxinen, Schonen des Magens durch einen schützenden Film, Wasser bindend, darmreinigend und verdauungsförderlich.
Verschiedene Saaten und Samen enthalten Cadium, dazu gehören z. B. Mohn, Sesam, Sonnenblumenkerne und auch Leinsamen. Um Verbraucher vor einer Schwermetallbelastung zu schützen, liegt der Grenzwert für Menschen bei 25 µg Cadium pro Tag. Ein Esslöffel Leinsamen enthält ca. 3 µg Cadmium. Schwermetalle lagern sich im Körper ein und können besonders in Nieren und Leber langfristige Schäden verursachen. Grundsätzlich kann der Körper aber nicht viel Cadium aufnehmen, wenn er gut mit Eisen und Calcium versorgt ist.

 Exotische oder regionale Superfoods, was ist besser?

Vergleicht man die, hier beispielhaft aufgeführten exotischen und regionalen Superfoods fällt auf, die exotischen haben lange Transportwege, sind z. T. teurer als regionale Alternativen und haben keine besonderen Vorteile. Hirse und Leinsamen sind nur ein Beispiel für regionale Lebensmittel, die ebenfalls aufgrund ihrer Nährstoffzusammensetzung und ihre Wirkung hin als Superfood umworben werden können. Es gibt eine Vielzahl von Nahrungsmitteln, Kräuter und Pflanzen die schon lange Zeit bekannt sind für ihren positiven Einfluss auf unsere Gesundheit. Grundsätzlich muss jeder Mensch auf seine Bedürfnisse und seinen Körper achten. Unsere Methode: Lassen Sie bestimmte Nahrungsmittel zeitweise weg und nehmen Sie diese dann wieder in die Nahrung auf. Fühlen Sie sich ohne diese besser dann wissen Sie sofort was Ihrem Körper gut tut und was nicht. Tut es Ihrem Körper nicht gut, wird es auch Ihre Leistungsfähigkeit nicht positiv beeinflussen.
In unserem Seminar „Biologie der Begeisterung“ erfahren Sie mehr über Ihre persönliche Leistungsfähigkeit und den Einfluss durch unsere Ernährung.

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Wie sich das Gehirn verändert und was Unternehmen daraus machen können

Veränderung ist das große Thema in vielen Management-Journalen und Büchern. Und das aus gutem Grund. Digitalisierung, Big Data, Nanotechologien, Agile Arbeitsumgebungen und künstliche Intelligenz verändern unseren Alltag so schnell, das wir fast nicht mehr nachkommen. Produktlebenszyklen werden kürzer, neue Technologien veralten immer schneller und wir werden überflutet mit neuen Produkten und Informationen dazu. Als traditionelle Firma, die sich nicht entsprechend wandelt, ist man schnell aus dem Rennen. Besonders, wenn man nicht nur auf die Umgebung reagieren möchte, sondern selbst zum Trendsetter werden und den Markt so richtig aufmischen will. Veränderung ist ein „Muss“ und bietet gleichzeitig enorme Möglichkeiten für jedes Unternehmen.

Kurven, Straßenschild, Warnung, Straße, Wüste, Next 4 Miles

Doch so gut die Veränderung einzelnen Firmen tut, die meisten haben ihre Probleme damit. Veränderungsprojekte gehen reihenweise schief oder bringen nicht den erhofften Erfolg. Consultants verdienen sich dumm und dämlich damit Firmen umzustrukturieren und effizienter zu machen. Doch ist der Erfolg dabei eher dünn gesät. Wenn es nicht klappt, ist häufig der Mitarbeiter schuld, der die notwendige Veränderung nicht mitträgt.

Dabei verändern Menschen sich ständig und tun das auch sehr gerne. Wir lernen neue Sportarten und Sprachen. Wir lernen neue Menschen kennen und kochen neue Gerichte. Wir probieren neue Smartphones aus oder machen unser Haus intelligenter. Und erzählen das ganz stolz auf dem nächsten Grillfest. Veränderung gehört zu unserem Alltag.

Für genau solche Veränderung ist unser Hirn auch gemacht. Unser Hirn ist eine gigantische Lernmaschine (oder sagen wir es wissenschaftlicher: die Neuroplastizität ist enorm). Wir lernen ständig etwas Neues. Im Gehirn passiert das jeden Tag, jede Stunde und jede Minute. Neue Synapsen werden gebildet, neue Netzwerke aufgebaut und vielleicht sogar neue Nervenzellen gebildet. Lernen ist Veränderung. Unser Gehirn ist so lernfreudig, damit wir uns ständig auf Neues einstellen können. Es macht also genau das, was wir auch von Firmen fordern. Und es macht das sehr erfolgreich. Denn schließlich hat die Menschheit schon seit ein paar Jahrtausenden überlebt, im Gegensatz zu vielen Unternehmen. Können wir uns vom Gehirn ein paar Veränderungsprinzipien abschauen?

Schild, Leuchtschrift, Change, Neonröhre

  1. Veränderung im Hirn ist kein one-time Projekt, sondern eine ständige Arbeit. Wir entwickeln uns permanent weiter. Es vergeht nicht ein Tag, an dem unser Gehirn sich nicht verändert. Warum Veränderung also auf einige kurze Zeiten beschränken und es zu etwas Besonderem machen? Vielleicht sollten wir aufhören, ständig besondere Change Programme anzustoßen, sondern Veränderung als Prozess zu begreifen, die zur Firma dazu gehört. Nicht Stabilität und Ordnung muss der angestrebte Zustand sein, sondern Veränderung und Entwicklung.
  2. Veränderung findet meist in kritischen Situationen und unter dem Eindruck einer Bedrohung statt. Sie fordern unsere gesamte Aufmerksamkeit und Energie. Alle anderen Dinge werden ausgeblendet damit wir eine passende Strategie entwickeln können. Am Ende haben wir gelernt mit dieser Bedrohung (und dem resultierenden Stress) umzugehen. Im Idealfall sind diese Situationen schnell vorbei. Denn wenn sich unser Gehirn mit Bedrohungen befasst hat es keine Energie mehr für Kreativität, Strategie und Vision. Machen wir das doch genauso. Geben wir den Problemen ihre Zeit, lernen aus Fehlern und beenden Sie dann. Damit auch Zeit für Erfolge da ist.
  3. Erfolge sind der Motor positiver Veränderungen. Das Gehirn belohnt Zielerreichung immer mit enormen Glücksgefühlen. Die kommen aber nur zustande, wenn wir etwas Neues erreichen. Routineaufgaben entlocken dem Gehirn nur ein müdes Lächeln. Je größer und wichtiger das Neue ist, je mehr lernt unser Gehirn und macht uns glücklich. Nutzen wir doch die Kraft die in unserem Kopf steckt und lernen jeden Tag etwas dazu. Das Hirn macht es sowieso. Und als Unternehmer können wir uns von diesem Erfolgswillen anstecken lassen.
  4. Und noch ein letztes: Wie entwickelt unser Gehirn denn Entscheidungen und Prinzipien, um mit der komplexen Umwelt umzugehen? Es probiert aus. Und das was klappt, das wird behalten. Das was nicht funktioniert, das wird verworfen. Im Anbetracht der Tatsache, dass selbst unsere Supercomputer nicht mit komplexen Situationen umgehen können, weil es zu viele Variablen gibt. Dieser Trial & Error Ansatz wird von vielen erfolgreichen Firmen propagiert. Wagen wir also öfter mal was Neues und schauen ob es klappt. Aber bitte ohne die Maßgabe, dass alles klappen muss. Das können wir Angesicht der aktuell stattfindenden Veränderungen (Stichworte: Digitalisierung, Handelskrieg und Brexit) eh nicht mehr vorhersagen.

Taucher, unter Wasser, Fische, Koralle, Gehirn, Struktur

Sicherlich gibt es noch viel mehr zur gehirngerechten Veränderung zu sagen. Besonders die Mechanismen, die einer erfolgreicher Veränderung entgegen stehen sind ein spannendes Thema. Aber die kommen dann das nächste Mal an die Reihe.

Ihr Dr. Markus Ramming

Gastbeitrag von Dr. Markus Ramming – Trainer des Ersten Deutschen Zentrum für Leistungsmanagement

Der promovierte Neurobiologe setzt sich mit Herz und Seele für das Thema Neuroleadership und Change ein und hat selbst über 15 Jahre Erfahrung als Führungskraft in der Pharmaindustrie. So kennt er die Probleme, Belange und auch Lösungen für und von Organisationen und Entscheidern in Unternehmen. Mit seinem Wissen und Erfahrung schafft er es Veränderungen voran zu treiben.

30° Grad Plus – Tipps für die heißen Tage

Wenn die Sonne scheint und die Temperaturen in schweißtreibende Höhen steigen, es in der Nacht nicht mehr wirklich herunterkühlt, auf der Arbeit keine Klimaanlage gibt und wir uns an diese Temperaturen noch nicht gewöhnt haben, dann schauen wir neidisch auf die Spanier und Ihre Siesta.

Unsere Leistungsfähigkeit ist im Hochsommer eingeschränkt, wir können nur noch an das Freibad oder die kalte Dusche denken, die Konzentration geht uns verloren und wir fühlen uns im Allgemeinen viel schneller schlapp und müde.

Um dann den Tag zu überstehen und unserem Körper nicht zu schaden, hat das Zentrum für Leistungsmanagement einige Tipps für die heißen Tage für Sie gesammelt.

Glaskanne, Korkdeckel, kaltes Wasser mit Zitronenscheiben auf Tisch mit Tischdecke

Flüssigkeit

Das Wichtigste bei heißen Temperaturen ist natürlich ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Der Grund ist simpel: Unsere Körpertemperatur liegt in der Regel bei ca. 37,5 °C. Alle unsere Organe können somit optimal arbeiten und uns versorgen. Unsere äußere Temperatur liegt bei ca. 34 °C und ist somit kühler. Unsere Wärmeregulierung verläuft über das Blut und transportiert die innere Wärme nach außen ab. Ist unsere Umgebungstemperatur zu hoch, erwärmt sich auch unsere äußere Körperschale und unsere Wärmeregulierung kann nicht mehr einwandfrei funktionieren. Da der Körper stets bemüht ist unsere Kerntemperatur zu erhalten, steigt unser Blutdruck und der Körper beginnt zu schwitzen. Dabei verlieren wir Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe.

Im Sommer genießen wir am liebsten eisgekühlte Getränke. Allerdings führt die plötzliche Kälte im erhitzten Körper dazu, dass die Blutgefäße einen Kälteschock erfahren und sich viel zu schnell verengen. Empfindliche Menschen können dann Kopfschmerzen bekommen. Dieser Effekt kann durch lauwarme oder nur leicht gekühlte Getränke vermieden werden.

Als Faustregel gilt: Trinken Sie bei heißen Temperaturen mindestens 3 Liter Wasser oder ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Wasser gleicht den Flüssigkeitsverlust des Körpers aus, trinken Sie deshalb lieber zu viel als zu wenig. Überschüssige Flüssigkeit wird einfach ausgeschwemmt. Kräutertees führen zusätzlich wertvolle Minerale in den Körper zurück. Eine Smartphone-App die einen regelmäßig an das Trinken erinnert kann dabei helfen hydriert zu bleiben.

Südfrüchte, Obst, Papaya, Kokosnuss, Kiwi, Granatapfel, Blutorange, Messer

Ernährung

Für die Ernährung im Sommer empfehlen wir vermehrt zu Obst und Gemüse zu greifen. Beides enthält zusätzliche Flüssigkeit, Vitamine und Mineralstoffe, die uns über den Tag hinweg mit Energie versorgen und uns somit auch bei hohen Temperaturen leistungsfähig machen. Besonders empfehlenswert sind Südfrüchte wie Mango oder Papaya. Da diese Früchte im Süden auch bei hohen Temperaturen wachsen, ist es nicht verwunderlich, dass ihnen kühlende Eigenschaften nachgesagt werden. Noch dazu enthalten sie viele Vitamine.

Auch Gemüse wie Avocado, Zwiebeln, Lauch, Brokkoli, Blumenkohl, Spinat und Algen sind sehr zu empfehlen. Sie füllen unseren Körper mit den benötigten Vitaminen, Makro- und Mineralstoffen auf. Das ist nötig, um die mit dem Schweiß aus dem Körper gespülten Stoffe zu ersetzen.

Wenn Sie sich wundern, warum der schlanke Körper im Sommer immer noch auf sich warten lässt, empfehlen wir Ihnen eine hohe Zufuhr von einfachen Kohlenhydraten zu vermeiden. Durch die Aufnahme von einfachen Kohlenhydraten, wie z. B. Kekse, Kuchen, Weißmehl und Gebäck, steigt der Blutzuckerspiegel schnell an und der Körper nimmt mehr Energie als benötigt zu sich. Die Bauchspeicheldrüse produziert daraufhin Insulin und der überschüssige Blutzucker wird in Form von Fett im Körper gespeichert. Setzen Sie deshalb lieber auf komplexe Kohlenhydrate wie Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte und ersetzen Sie einfache Kohlenhydrate durch Eiweiß.

Treppenstufen, Läufer, Mütze, Funktionskleidung, Sportschuhe, Sport, Rennen

Bewegung

Im Sommer hegen viele den Wunsch nach einer attraktiven Strandfigur. Viele Menschen machen sich dann nach der Arbeit oder am Abend, wenn die Temperaturen abkühlen, auf den Weg ins Fitnessstudio oder zum Sport. Für viele dient der Sport am Abend auch für den Stressabbau nach einem langen Arbeitstag. Allerdings wissen die wenigsten, dass später Sport für Ihre Ziele wenig förderlich ist.

Intensive Betätigung am Abend treibt den Puls in die Höhe. Über ein HRV-Diagramm (Herzfrequenzvariabilität z.B. mit einem EKG gemessen) lässt sich die Auswirkung von intensiven Trainingseinheiten auf die Erholung des Körpers ganz genau abbilden. Dabei ist zu beobachten, dass der erhöhte Pulsanstieg am Abend, den Schlaf bzw. die Erholung und somit den Stressabbau deutlich verzögern. Da der Wecker am nächsten Morgen trotzdem um die gewohnte Uhrzeit klingelt, verkürzt sich somit die Erholung und Regeneration des Körpers. Das Ergebnis: Wir sind weniger ausgeruht und haben nicht unser volles Energiepotenzial zur Verfügung. Im Sommer spüren wir den Energieverlust noch deutlicher, da unser Körper mit weiteren Einflussfaktoren zu kämpfen hat.

Unsere Empfehlung ist deshalb, das Training auf den Morgen zu verlegen und am besten mit nüchternem Magen zu absolvieren. Ein weiterer Vorteil des Morgensports: Die Temperaturen sind noch erträglich.

Frau im Bett, unter der Bettdecke, braune Haare, strahlende Augen

Schlafen bei Hitze

Kaum ein Mensch benötigt weniger als sieben bis acht Stunden Schlaf. Diese Zeit braucht der Körper zur Regeneration, ansonsten fühlen wir uns am nächsten Tag erschöpft.

Alle unsere Organe haben ihre Kernarbeitszeiten, so ist das Immunsystem bspw. nachts aktiv, die Leber entgiftet ebenfalls in der Nacht und stattet uns am nächsten Tag wieder mit Energie aus. Zu kurzer Schlaf behindert die Regenerationszeit des Körpers, was sich wiederum negativ auf unsere Gesundheit auswirkt.

Nach einer kurzen Nacht und wenig Erholung steht unserem Körper nicht unser volles Energiepotenzial zur Verfügung. Also entsteht das Bedürfnis nach schneller Energie in Form von Zucker und Kohlenhydraten, die wir unserem Körper dann zuführen. Auf lange Sicht nehmen wir an Gewicht zu. Schlafen wir länger, haben unsere Energie verbrauchende Organe auch die Zeit unsere Fettreserven in Kohlenhydrate umzuwandeln. So haben wir auch am Morgen genug Energie und der Heißhunger bleibt aus. Setzten Sie daher auf eine Schlafenszeit von mindestens sieben eher acht Stunden Schlaf pro Nacht.

Doch wie gelingt erholsamer Schlaf, wenn es heiß ist, das Bettlaken durchgeschwitzt, die Grillen durch das geöffnete Fenster zirpen und die Mücken im Zimmer uns den Schlaf rauben? Wer lärmunempfindlich ist kann über den Abend und die Nacht hinweg die Jalousien hoch und die Fenster aufmachen, nur am Morgen nicht vergessen die Sonnenstrahlen wieder auszusperren, sonst droht am Feierabend der Hitzeschock.

Wer nicht ohne Schlafanzug oder Decke schlafen kann, setzt hier am besten auf leichte Stoffe wie Leinen oder Seide, die sind nicht ganz so warm aber schützen vor kalter Zugluft. Was oft gar nicht bedacht wird: Elektrische Geräte wie Laptops oder Fernseher geben auch wenn sie im Stand-by sind einiges an Wärme ab, also Stecker ziehen!

Die erfrischende Dusche nach einem langen Tag, klingt verlockend bringt aber nur wenig. Das kalte Wasser kühlt unseren Körper schlagartig ab und sorgt so für die gegenteilige Reaktion unseres Körpers, die Muskeln fangen an zu zittern und wir wärmen uns wieder auf. Also lieber eine lauwarme Dusche und nicht allzu gründlich abtrocknen, das Wasser entzieht uns beim Verdunsten Wärme, so bleiben wir länger frisch.

Aber auch allgemeine Tipps für guten Schlaf helfen im Sommer: Einige Zeit vor dem Schlafen nichts mehr Essen (insbesondere Fettiges und Alkohol), vor dem Schlafen auf das blaue Bildschirmlicht verzichten und lieber etwas Lesen, Musik oder Podcasts hören.

Streit um die Milch – Gesund oder nicht

Anfang des Jahres sorgte ein Video des YouTubers Unge für den wohl größten Shitstorm im deutschsprachigen Teil der Videoplattform. Der überzeugte Veganer, der sonst hauptsächlich Videos über Computerspiele und Longboards macht veröffentlichte ein Video mit dem Titel „Milch ist GIFT!“ (Mittlerweile wurde der Titel angepasst). Das polarisierende Video wurde bisher rund 1.5 Mio. mal geklickt, auf YouTube war es auf Platz 1 der Trends, auf Twitter befand sich das Hashtag #milchistgift in den Trends und auch die restlichen Massenmedien berichteten über das Phänomen. Es schien so, als ob ganz Deutschland über die gesundheitlichen Folgen des Milchkonsums diskutierte. Unge stellte in seinem Video die These auf, dass (Kuh-)Milch giftig und grundsätzlich schädlich für uns Menschen ist. Die Empfehlungen, zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, täglich Milchprodukte zu sich zu nehmen, sei eine von der Milch-Lobby gesteuerte Propaganda. Sein größtes Argument: Das Gesundheitsministerium in Kanada hat Milch aus der Ernährungspyramide gestrichen, stattdessen stehen nun Gemüse, Obst, Vollkorn und pflanzliches Protein ganz oben. Diese Behauptung wurde im März vom Tierschutzverein PETA veröffentlicht und wahrscheinlich von YouTuber Unge aufgegriffen.

Kanada hat tatsächlich für 2018 seine Ernährungsempfehlungen aktualisiert, Milch verschwindet dabei aber nicht aus der Ernährungspyramide, denn in den neuen Entwürfen heißt es: „Tierische Produkte wie Eier, Fisch und Meeresfrüchte, Geflügel, fettarmes rotes Fleisch, fettarme Milch, Joghurt und fettarme sowie salzarme Käsesorten sind nährstoffreiche Lebensmittel für jeden Tag.“ Tatsächlich wurde nur die empfohlene Menge der Milchprodukte reduziert.

Doch, wie viel Wahrheit steckt in dem Video?
In einem späteren Video geht Unge auf seine populistischen Aussagen ein, die er vor allem gewählt habe, um Aufmerksamkeit auf die Zustände in der Massentierhaltung aufmerksam zu machen. Denn ein Leben als Milchmaschine bedeutet für den Großteil der Tiere wohl ein kurzes Leben unter psychischem und körperlichem Stress. Hinzu kommt die Belastung des Klimas und der Umwelt durch diese Form der Haltung.

Wenn es Unge wirklich um Aufmerksamkeit für Natur- und Umweltschutz ging, hat er mit seinem Video eher das Gegenteil bewirkt. In den nachfolgenden Diskussionen im Netz ging es hauptsächlich darum, sich über die Aussage Milch ist Gift oder über die Verschwörungstheorie der Milch-Lobby lustig zu machen.

Kuh, Euter, Melkmaschine, Stall

Ein polarisierendes Thema

Das Thema Milch, vor allem im Gewand der Laktose, ist mit dem zunehmenden Bewusstsein für Ernährung in den Fokus gerückt. Immer mehr Menschen entdecken vermeintliche Nahrungsunverträglichkeiten, ganz oben steht die Laktose-Intoleranz, an der wohl jeder 7. also rund 12 Millionen Deutsche leiden. Erst vor gut 7500 Jahren gewöhnten sich die ersten sesshaften Europäer an den Milchzucker. Einst besaßen nur Babys das Enzym Laktase, das es dem Dünndarm erlaubt, die Laktose aufzuspalten und zu verdauen. Dann mutierte das Gen, welches die Laktaseproduktion in jungen Jahren einstellt. Noch heute können z. B. nur wenige Asiaten den Milchzucker abbauen. Daher stehen dort und vermehrt jetzt auch im Westen laktosefreie Milchprodukte oder pflanzliche Milchersatzprodukte hoch im Kurs.

Calcium ist gut für die Knochen
Calcium gehört zu den wichtigsten Mineralien im Körper. Knochen und Zähne bestehen aus Calciumverbindungen und auch für die ordnungsgemäße Muskel- und Nervenfunktion ist es unerlässlich. Da kann die Milch mit ihrem hohen Gehalt nur gut sein. Wichtig für die Aufnahme von Calcium und anderen Stoffen in die Knochen und Zähne sind vor allem Magnesium als enzymatischer Kofaktor, sowie Vitamin K und D. Optimal ist dabei ein Verhältnis von 2:1. Wer doppelt so viel Calcium wie Magnesium aufnimmt, kann sich sicher sein, dass das meiste davon vom Körper aufgenommen wird. Leider weist die Kuhmilch ein Verhältnis von 10:1 auf, Emmentaler eines von 30:1. So kann kaum Calcium aufgenommen werden. Manche Forscher gehen sogar so weit, der Milch keinen Effekt auf Knochendichte, von zumindest erwachsenen Menschen, zuzuschreiben. Amerikanische Osteoporose Forscher keinen Unterschied in der Knochendichte von vegan-lebenden und Milch-trinkenden Menschen gefunden. Denn glücklicherweise findet sich im Kohlgemüse etwa genau so viel Calcium auf 100 Gramm wie in der Kuhmilch. Die Bioverfügbarkeit beträgt dabei sogar ca. 50 %, die Mineralstoffe in der Milch haben hingegen nur eine Bioverfügbarkeit von ca. 30 %.

Milch ist ein Nahrungsmittel mit hoher Energiedichte: Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, Wachstumsfaktoren, Vitamine und Mineralstoffe. Ideal für Säuglinge, die schnell und viel wachsen. Auch für Kleinkinder können Milchprodukte von Vorteil sein. Studien haben gezeigt, dass Kinder im Alter von drei Jahren, die Kuh-Milch zu sich nehmen, bis zu 1,5 cm größer sind im Gegensatz zu den Altersgenossen, die keine Kuh-Milch oder z. B. Soja-Milch zu sich nehmen.

Kaffee und Milch

Aber wie so oft im Leben, kommt es auf die Menge an. Die potente Milch birgt auch Risiken, eine Ernährung mit sehr viel Eiweiß und Kohlenhydraten in jungen Jahren kann zu einer Stoffwechselumstellung, im schlimmsten Fall auch zu Diabetes führen. So können lebenslang Probleme mit dem Gewicht entstehen, das Übergewicht-Risiko steigt an.

Die in der Milch enthaltene Galactose, ein Einfachzucker ähnlich der Laktose, ist ebenso wichtiger Energielieferant, der unter anderem die Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung des Gehirns steigert. Doch genau dieser Zucker gilt als entzündungsfördernd. Blutanalysen von Milchtrinkern haben erhöhte Entzündungswerte und oxidative Stresspegel gezeigt. Entzündungen im Körper haben generell negative Wirkung und sind oft der Anfang aller möglichen Krankheiten, ähnlich einer Immunschwäche verstärken diese Krankheitsprozesse.

Es gibt zum Thema Milch genauso viele Befürworter wie auch Gegner. Daher haben wir einmal Tanja Vogt, Trainerin vom Zentrum für Leistungsmanagement zu Ihrer Meinung zum Thema Milch befragt.

Milch gehört für viele Menschen einfach dazu, ob ins Müsli, in den Kaffee oder pur. Was halten Sie so ganz allgemein davon, Milch zu trinken?

Tanja Vogt: Was ich hier gerne schon einmal zu bedenken geben möchte, ist der Fakt, dass die meisten Menschen die ursprüngliche Milch eigentlich gar nicht mögen. Das was wir im Supermarkt als Milch kaufen hat je nachdem, wie stark sie behandelt wurde, vom Geschmack und den Inhaltsstoffen wenig bis gar nichts mehr mit der Rohmilch direkt vom Bauern bzw. direkt von der Kuh zu tun. Die ursprüngliche Milch ist von der Konsistenz heterogener und um einiges fettiger und intensiver im Geschmack. H-Milch ist zwar billig und leicht verdaulich, verliert aber auch bis zu 20 % der Vitamine. Ob keine Milch, H-Milch oder Frischmilch. Ist ganz klar eine individuelle Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Da spielt neben dem Wohlbefinden und der Gesundheit auch der Geschmack hinein.

Wie steht das Zentrum für Leistungsmanagement bzw. das Programm Biologie der Begeisterung zum Thema Milch?

Tanja Vogt: Das ZfL spricht sich für einen umsichtigen Umgang mit Milch aus. Insbesondere hormonelle Rückstande in der industriell hergestellten Milch können stressbedingte Krankheiten befördern. Auch die entzündungsfördernde Wirkung der Milch kann Probleme verursachen. Viele Menschen haben eine Unverträglichkeit von Milch, damit meine ich nicht die Laktose-Intoleranz, Milch ist einfach schwer zu verdauen. Das lässt sich relativ einfach ausprobieren. Nehmen Sie einmal bewusst viele Milchprodukte zu sich oder verzichten Sie ganz auf Kuh-Milch, Sie werden ganz bestimmt eine Wirkung spüren. Je nach dem werden Sie sich wie immer oder schlechter bzw. müde fühlen. Dann können Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten dementsprechend anpassen.

Gibt es noch mehr Aspekte, die gegen die Milch sprechen?

Tanja Vogt: Ja natürlich ist da noch der moralische Aspekt, mit dem Tierwohl und den Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Das Ganze ist ja schon eine Weile weit weg von der oft suggerierten Bauernhofidylle und der naturnahen Haltung, das ist eine Industrie mit Milliardenumsatz, mit all den Problemstellungen, die das mit sich führt.

Milch ist beliebt. Werbung und Marketing scheinen hier eine starke Wirkung zu haben.

Tanja Vogt: Durch Agrarsubventionen hat die EU einen übersättigten Markt geschaffen. Milchpulver wird nach Afrika und China exportiert. Dementsprechend aggressiv wird auch auf dem heimischen Markt für Milch und Milchprodukte geworben. Es gibt unzählige Kampagnen, bei denen Prominente mit dem Glas Milch in der Hand posieren. Da werden natürlich die vermeintlichen Vorteile beschworen, Calcium, Proteine, Vitamine etc. Da ist es wichtig, sich selbst zu informieren. Stichwort aufgeklärter Konsument.

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Es gibt doch auch viele Alternativen zur Kuh-Milch. Die scheinen auch immer beliebter zu sein.

Tanja Vogt: Ja die pflanzlichen Alternativen funktionieren gut. Oft hängt es aber am Geschmack, dann heißt es „Sojamilch schmeckt mir nicht“, daher kann ich auf Kuh-Milch nicht verzichten. Deswegen geben einige Hersteller Ihren pflanzlichen Milchdrinks viel Zucker bei. Also Vorsicht, auch hier lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste – denn pflanzlich allein macht noch keine gesunde Milch. Das Problem mit dem Geschmack ist auch eine Sache der Kombination. Die Auswahl ist groß und geht weiter über die allseits bekannte Sojamilch hinaus. Nicht jeder Drink passt in den Kaffee, das Müsli oder in den Pfannkuchen. Aber für jeden Bedarf gibt es entsprechend individuell passende Drinks. Besonders toll ausprobieren lässt sich der Geschmack, wenn man den Drink selbst herstellt (dann weiß man auch ganz genau, was drin ist). Erst vor Kurzem habe ich hierzu ein interessantes Video gesehen. Das ist auch recht einfach, es braucht nur wenig Zutaten, wenig Zeit und einen hochwertigen Mixer.

Vielen Dank Frau Vogt für Ihre Tipps und Anstöße!

 Tanja Vogt ist Trainerin des Ersten Deutschen Zentrums für Leistungsmanagement, Coach und Trainerin für Führungskräfteentwicklung, Teamberatung, Kommunikation und Konfliktmanagement. International ausgebildete Yogalehrerin.