Biologie der Begeisterung – ein Erfahrungsbericht

Am 10. und 11. Oktober nahm ich an einem Seminar des Ersten Deutschen Zentrums für Leistungsmanagement im Schloss zu Hopferau teil. Abseits der üblichen Feedbackbögen möchte ich nun den Veranstaltern eine Rückmeldung und Interessenten einen Einblick in das Programm geben. Das zweitägige Seminar „Biologie der Begeisterung“ vermittelt was hinter Begeisterung und Motivation steckt. Außerdem wird  erklärt wie es zu Stress kommt und wie wir diesen vermeiden können. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Biologie, Neurologie, Schlafforschung und den Ernährungswissenschaften erfolgt der Transfer in die beruflichen Praxis sowie den privaten Alltag.

Das Seminar
Nach der Fahrt ins Allgäu und einem gesunden Frühstücksbuffet bestehen aus Obst, Nüssen, Müslis, Smoothies und Fruchtsäften ging es planmäßig um 9:30 los. Im hellen Tagungsraum erwartete uns neben den Schreibunterlagen jeweils eine Ausgabe des Buchs „Das Geheimnis der Leistungsfähigkeit“. Ein erweitertes Handout, welches so gut wie alle Inhalte des Seminars weiterführend abdeckt und zudem ein 5-Wochen Ernährungs- und Sportprogramm beinhaltet. Trainer Alexander Feil stellte sich kurz vor: Aus der Schulmedizin kommend führt er mittlerweile eine Naturheilpraxis mit ganzheitlichen Ansatz in Stuttgart. Dann waren wir sechs Teilnehmer gefragt. Zur Vorstellungsrunde gehörte auch die Frage nach unseren Wünschen und Erwartungen an das Seminar. Diese griff Herr Feil auch gleich auf und besprach mit uns einen groben Fahrplan für die nächsten zwei Tage. Ziel war es, uns Werkzeuge mit auf den Weg zu geben, die jeder dann ganz individuell im privaten wie beruflichen Alltag zur Anwendung bringen kann.

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Stress und Begeisterung
„Wann ist die beste Zeit Entscheidungen zu treffen?“ Die erste Frage des Tages wurde von Herrn Feil mit einem anschaulichen Beispiel bzw. einer wissenschaftlichen Studie beantwortet. Danach lernten wir die drei Entscheidungssysteme im Gehirn kennen, der langsam planende präfrontale Cortex, das schnelle, instinktive Stresssystem mit dem Hormon Cortisol und das lernende Belohnungssystem, dem Hippocampus. Anschließend haben wir die Faktoren angesprochen die zu Stress führen können. Aufgabe war es selbst die 10 größten Faktoren oder Situationen in denen wir Stress verspüren, zu definieren. Danach entwickelten wir Strategien um diese Faktoren aufzulösen und ergründeten, was uns daran hindert Veränderungen vor zu nehmen. Eine wichtige Erkenntnis des Seminars ist daher: Der wichtigste Gegenspieler von Stress ist die Begeisterung, die wir für unsere alltäglichen Aufgaben leider viel zu wenig verspüren. Eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme ist daher, sich z.B. schon an kleinen Erfolgen zu erfreuen.

Energie
Dann folgte ein medizinisches Thema: der Fett- und Zuckerstoffwechsel. Die meisten Menschen befinden sich im Zuckerstoffwechsel der einige Nachteile wie schneller Energieverlust, Übergewicht und Heißhunger zur Folge hat. In den Fettstoffwechsel gelangt man, durch Ausdauersport und kohlenhydratarme Ernährung. Wer sich daran hält setzt logischerweise erst gar nicht an und kann und darf auch deutlich mehr essen. Entsprechen gesund war auch das Essen während des Seminars im Schloss Restaurant. Sehr spannend war auch der Themenkomplex: sichere/unsichere Welt. Zusammengefasst bedeutet  eine tatsächlich unsichere oder so wahrgenommene Welt auf lange Sicht ein verkümmern unseres Lernsystems im Gehirn. Die amerikanischen Soldaten im 2. Irak krieg hatten bereits nach 18 Monaten, einen im MRT messbar, kleineren Hippocampus. Zurück in der Heimat dauerte das Nachwachsen des für das Lernen zuständigen Gedächtnisses das Dreifache der Zeit, also etwa viereinhalb Jahre. Ein großer Hippocampus ist wichtig für das erschließen neuer Dinge, das Lesen, Lernen und er hält uns auch später im Alter fit. Daher ist es auch in unserer medialen Welt wichtig, nicht nur negative Nachrichten, brutale Filme und Videospiele zu konsumieren, denn unser Gehirn reagiert auf realistische Bilder egal ob real oder fiktiv. Je weniger diese Gehirnregion für unsere Entscheidungen nutzen desto mehr müssen wir uns auf unser instinktives auf Stresshormonen basiertes Entscheidungssystem verlassen. Die Folgen sind z.B. Antriebslosigkeit und Burnout. Stress beeinflusst unseren Energiehaushalt negativ, dies ist eine weiter wesentliche Erkenntnis des Seminars. Das Immunsystem bestimmt unsere Stressresistenz, dies verdeutlichen der Blick auf das „magische Dreieck“ des täglichen Energieumsatzes einer durchschnittlichen Person.

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Wenn einer der drei „Energieverbraucher“ mehr Kalorien benötigt dann fehlt diese an anderer Stelle. Machen wir also z.B. Bodybuilding oder Ausdauersport, müssen wir unserem Körper mehr Energie in Form von Nahrung zuführen, ansonsten fällt uns bei akuter Belastung das Denken schwer und wir sind anfälliger für Krankheiten. Wer ständig unter Strom steht, bei dem führt die psychische Belastung zur Aktivierung der physischen Schmerzzentren im Gehirn, so kann eine chronische niederschwellige Entzündung im Körper entstehen. Die Organe und Zellen des Immunsystems sind ständig aktiv und verbrauchen dementsprechend viel Energie, die an anderer Stelle fehlt. Menschen die unter akutem Stress stehen werden so auch nicht mehr „richtig“ krank oder gesund sondern befinden sich lange Zeit in einem Zwischenzustand. Krankheiten wie Erkältung und Fieber dauern länger und kehren immer wieder zurück, behandelt man diese sofort mit Paracetamol oder Ibuprofen so kann sich ein Memory-Effekt einstellen der zu chronisch erhöhter Temperatur und erhöhtem Stressaktivität des Körpers führt.

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Ein gesundes Immunsystem hingegen gleicht Krankheiten und Stress aus und sorgt für einen ausgewogenen Energiehaushalt. Daher haben wir dann auch einen Spazierlauf rund um Hopferau gemacht.

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Weiteres Thema war der Stoffwechsel unserer Zelle: Wie viel Energie wir aus Zucker, Kohlenhydrate und Fett gewinnen? Wann ist die Verbrennung effektiv und wann aktiv? Und wie kann diese beeinflusst werden? Die verschiedenen Energieumsätze der Zelle zeigte noch einmal deutlich die unterschiede des Zucker- und Fettstoffwechsels. Am Abend wurden dann die in gemütlicher Runde die Seminarinhalte noch einmal resümiert und Wünsche für den nächsten Tag geäußert.

Ernährung
Wie am Abend zuvor gewünscht stand der zweite Tag weiter im Zeichen der Ernährung. Es ging mit dem Thema Stoffwechsel weiter. Insbesondere das Beispiel Diabetes hat anschaulich aufgezeigt welche Mechanismen in unseren Zellen zusammenspielen. Wertvolle Tipp dazu waren: Sich den Tag über auf 2-3 Mahlzeiten zu beschränken und zwischendurch keine zucker-/kohlenhydrathaltige Snacks bzw. Getränke zu konsumieren. Die halten den Blutzuckerspiegel über den Tag hinweg hoch, die Durchlässigkeit der Zellwände nimmt ab und führt so zu einem überlasten der Bauchspeicheldrüse, die immer mehr Insulin produzieren muss. Besonders tückisch sind da Light Produkte mit Süßstoffen, diese suggerieren dem Gehirn eine Zuckerzufuhr und fährt dann die Insulinproduktion nach oben. Doch bei den Zellen kommt kaum Energie an, diese melden dann einen erhöhten Bedarf der wiederum zu Heißhunger und damit meist zu einer höheren Energieaufnahme im Gegensatz zu normalen Produkten führt.

Herr Feil ging außerdem auf die Fülle der angebotenen Nahrungsergänzungsmittel ein. Wirklich sinnvoll ist (außer bei Krankheit und Mangelerscheinungen) es Vitamin D und Magnesium zu sich zu nehmen. Vitamintabletten helfen nicht wirklich gegen Stress. Hilfreicher sind ausreichender Schlaf (7-8 Stunden), viel Trinken (spült die Stresshormone aus Leber und Niere) und das Pflegen sozialer Kontakte. Anderes großes Thema war der Biorhythmus und die dafür zuständigen Hormone Melatonin und Cortisol. Wir lernten, wie diese uns müde und wach werden lassen und wie die Industrialisierung unseren Schlafrhythmus immer weiter verschoben hat. Insbesondere das blaue Licht der Bildschirme und das legen von immer mehr Aktivitäten in unsere eigentliche Ruhephase sorgt hier für Probleme.

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Da wir den umfangreichen Seminarinhalt recht konzentriert durchgearbeitet hatten, blieb am Ende noch Zeit für zwei Bonusthemen aus dem Bereich der Psychologie: Priming und Glaubenssätze (Affirmationen). Doch diese hier zu besprechen führt jedoch zu weit. Vielleicht finden diese bei zukünftigen Blogbeiträgen Erwähnung.

Fazit Die Trainer des Zentrums für Leistungsmanagement legten großen Wert darauf, das Seminar interaktiv zu gestalten und individuelle auf die Teilnehmer abzustimmen. Zwischenfragen führen zwar immer wieder zu Themenwechseln, doch dafür ist das Seminar sehr nah an den Bedürfnissen der Teilnehmer. Auch die Gruppengröße war von Vorteil.

Die Kombination aus theoretischen Fachwissen und den Beispielen aus dem Praxisalltag von Alexander Feil machten das Programm sehr wertvoll. Die Abgeschiedenheit und Ruhe des Schloss in Hopferau, das Alpenpanorama und die gute Luft haben das fokussierte Arbeiten zusätzlich begünstigt. Aufgrund des hohen Praxisbezugs kann ich das Seminar allen empfehlen die einmal einen wissenschaftlich medizinischen Blick hinter die Kulissen von Begeisterung, Stressresistenz und Leistungsfähigkeit nehmen möchten!

Der erste Eindruck

Unseren ersten Eindruck fassen wir sehr schnell. Personen, Objekte oder Szenen werden von uns in einer Zehntelsekunde eingeschätzt und beurteilt. Das gilt besonders bei der Bewertung von Vertrauenswürdigkeit und Attraktivität beim Betrachten menschlicher Gesichter. Man geht davon aus, dass die Fähigkeit sich einen ersten Eindruck in einer solch hohen Geschwindigkeit zu machen, evolutionär bedingt ist. Als sich die ersten Lebewesen mit Augen entwickelten, war es wichtig, aufgrund von anfänglichen Erfahrungen mit Fremden sehr schnell zwischen Artgenossen und potentiellen Fressfeinden unterscheiden zu können. Je weniger Zeit das Erkennen der Situation benötigt, desto höher sind die Überlebenschancen im Risikofall. Diese Fähigkeit hat sich im Lauf der Jahrmillionen dahin entwickelt, dass wir ebenso schnell Absichten, Emotionen und Situationen beurteilen können.

Der trügerische Eindruck

Der erste Eindruck ist hilfreich, führt aber auch oft zu einer falschen Beurteilung aufgrund von Stereotypen und Vorurteilen. Nicht umsonst sind Sätze wie „Es ist nicht alles Gold was glänzt.“ und „Der Schein trügt.“ fest in unserem Sprachgebrauch verankert. Ein Beispiel wie unser Gehirn uns trügen kann ist die über 100 Jahre alte Müller-Lyer-Illusion, die 1889 vom deutschen Psychiater und Soziologen Franz Müller-Lyer entdeckt wurde. Sie gehört zu den berühmtesten Optischen Täuschungen.

Welche der beiden horizontalen Linien ist länger oder sind beide gleich lang?

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Auf den ersten Blick erscheint die obere Linie mit den Pfeilspitzen nach Innen länger als die darunter liegende Linie mit den Pfeilspitzen nach oben. Diese Illusion bleibt auch nach längerem Betrachten bestehen. Für diesen Effekt haben Wissenschaftler noch keine einhellige Erklärung finden können. Denn tatsächlich sind die Linien gleich lang.

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Eine kulturvergleichende Studie zeigte, dass die Täuschung nur bei Menschen auftritt, in deren Alltag gerade Linien auftauchen. Für die indigenen Menschen des San Volkes im südlichen Afrika besteht die Täuschung nicht. Am stärksten ausgeprägt ist die Illusion für Menschen aus dem westlichen Kulturkreis. Die Täuschung ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles stimmen muss, was naheliegend ist.

Vom schnellen und langsamen Denken

Die bisher genannten Phänomene lassen sich auf die Art und Weise wie unser Gehirn denkt, zurückführen. In seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ beschreibt der israelisch-US-amerikanische Psychologe und Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahneman seine These von den zwei Arten des Denkens. Sein Fazit ist, dass wir niemals immer und überall optimal handeln können, wichtige Entscheidungen werden fehleranfällig bleiben. Vor allem wenn es schnell gehen muss. Wir gehen davon aus, vernünftig und analytisch zu Denken und zu Handeln aber unser Gehirn fällt oft auf ganz simple Tricks herein. Großen Einfluss haben Zufälle und unsere fehleranfällige Intuition, dabei steht der Verstand meist hinten an, denn unser Gehirn liefert schnelle Antworten.

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Eine „einfache“ Aufgabe
Ein Schläger und ein Ball kosten 1,10 Dollar. Der Schläger kostet einen Dollar mehr als der Ball. Wieviel kostet der Ball?

Die logische Antwort lautet hier doch: Der Ball kostet 10 Cent. Diese Antwort haben rund 80 % der Probanden in Kahnemans Studie gegeben. Hier hat das schnelle Denken, System 1 gegriffen. Die anderen 20% haben System 2, das langsame Denken eingeschaltet und sind so auch auf die richtige Lösung gekommen. Der Schnellschuss mit der Lösung: „Der Ball kostet 10 Cent.“ ist tatsächlich falsch, denn die Bedingung dass der Schläger einen Dollar mehr kostet ist dabei nicht erfüllt. So kostet er nur 90 Cent mehr. Die richtige Lösung lautet der Ball kostet 5 Cent und der Schläger ist für damit für 1 Dollar und 5 Cent zu haben.

Die zwei Systeme

Unser Gehirn hat zwei verschiedene Arten und Weisen zu Denken:
System 1: schnell, automatisch, permanent aktiv, emotional, stereotypisierend, unbewusst
System 2: langsam, anstrengend, selten aktiv, logisch, berechnend, bewusst

Um in jeder Situation angemessen reagieren zu können brauchen wir Menschen beide Systeme. Das erste kann riesige Datenmengen verarbeiten. Wir nehmen mit ihm die Umwelt wahr, es lässt uns Gegenstände erkennen, steuert unsere Aufmerksamkeit und lässt uns Angst oder Ekel empfinden. Besonders gut kann es assoziieren, erwähnt jemand die Hauptstadt Italiens, liefert das System 1 sofort „Rom“. Das schnelle Denken übernimmt also viele lebenswichtige Funktionen in unserem Gehirn, da es aber im unterbewussten arbeitet sind die Assoziationen oft falsch. Es ist also durchaus sinnvoll zu zögern und sich nicht von Emotionen und dem ersten Eindruck leiten zu lassen. Das schnelle Denken lässt sich aber nicht abstellen, nur kontrollieren. Es ist anstrengend denn System 2 braucht seine Zeit, nimmt uns viel Energie und wir fühlen uns schnell ausgelastet und erschöpft. Daher verfallen wir auch gerne wieder zurück in alte Bahnen, lassen uns von Intuition und Vorurteilen leiten. Aktiv dagegen vorgehen können wir nur wenn uns dieser Vorgänge bewusst werden bzw. sind.

Wer mehr über unser Gehirn, das menschliche Verhalten und die daraus resultierende Begeisterung und Motivation erfahren möchte, empfehlen wir unser offenes Seminar „Biologie der Begeisterung“. Die nächsten freien Termine finden bereits im Oktober statt. Termine und eine Seminarbeschreibung finden Sie unter http://www.zentrum-fuer-leistungsmanagement.com/termine.

Motivation managen

Es gibt so Tage. Man wacht morgens auf und möchte sich am liebsten noch einmal umdrehen. Nicht, weil man noch so erschöpft ist und unbedingt weiterschlafen möchte, sondern weil man einfach keine Lust hat, in die Arbeit zu fahren. Ein klassisches Motivationsproblem also. Was oft als kleiner Durchhänger beginnt, kann schnell zu einer wirklich Unlust führen.

Glaubt man aktuellen Studien, hat jede 13. Führungskraft keine Lust mehr auf ihren Job, jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer hat bereits innerlich gekündigt. Wie also halten wir unseren Wirtschaftsmotor am Laufen? Wie können Sie es schaffen, Ihre Mitarbeiter auch weiterhin zu motivieren?

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Ganz klären lassen wird sich diese Frage leider nie, da das Thema Motivation auch ganz stark von der einzelnen Persönlichkeit abhängt. Da gibt es die Angestellte, die sich von morgens bis abends voll reinhängt und gefühlt nur für ihren Job lebt und den Kollegen, der Dienst nach Vorschrift macht. Aber ist dieser wirklich unmotivierter. Nicht unbedingt. Denn nach Feierabend hat er noch die Power, seinen Garten zu gestalten, oder sich ehrenamtlich im Fußballverein zu engagieren.

Generell muss hier zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation unterschieden werden. Letztere beschreibt die Angestellte in unserem Beispiel ganz gut. Sie arbeitet gerne für das Unternehmen, ihre Aufgabe macht ihr Spaß und bringt ihr die Herausforderung, die sie sucht. Bei der extrinsischen Motivation hingegen stehen die von außerhalb kommenden Reize im Vordergrund. Der Mitarbeiter arbeitet um der Arbeit willen. Soll heißen: Für Geld oder in Aussicht gestellte Belohnungen. Aber auch Drohungen und Druck wie Abmahnungen feuern diese Art der Motivation an.

Generell gibt es vier gängige Möglichkeiten, Mitarbeiter zu motivieren. An erster Stelle steht hier, wie die meisten sicherlich vermuten werden, die finanzielle Entlohnung. Viele Unternehmer denken auch heute noch, dass Sonderzahlungen und Boni genügend Anreize bilden, um langfristig erfolgreich zu werden. Dabei ist längst bewiesen, dass dem nicht so ist. Geld und/oder Druck sorgen sicherlich für einen sehr kurzen Zeitraum für die gewünschte Leistungssteigerung. Nachhaltig ist diese aber in keinem Fall. Ein wesentlich wichtigerer Faktor ist der Führungsstil. Schenkt man der aktuellen Gallup Studie Glauben, kosten schlechte Führungskräfte die deutsche Wirtschaft jährlich bis zu 105 Milliarden Euro. Nur 21 Prozent der Befragten gaben an, durch ihre Führungskräfte ausreichend motiviert zu werden. Vor allem der lineare Führungsstil von Anweisung und Ausführung ist heute nicht mehr gefragt. Vielmehr wünschen sich moderne Arbeitnehmer einen gewissen Spielraum, in dem sie sich selbst Ziele setzen und diese verwirklichen können. Nach den Ergebnissen der Gallup-Studie sieht das Magazin „Die WirtschaftsWoche“ Führungskräfte sogar als die wahren „Produktivitätskiller“.

Was aber können sie besser machen? Sie sollten deutlich mehr Lob aussprechen. Schließlich freut sich jeder Mensch über eine Wertschätzung seiner geleisteten Arbeit. Aber machen Sie es sich damit nicht zu leicht! Überschwängliches und vor allem zu häufig vorgetragenes Lob macht Sie unglaubwürdig. Sobald der Arbeitnehmer einmal das Gefühl bekommt, die Führungskraft meint es nicht ernst mit ihrer Anerkennung wird dies zu einem tiefen Riss im Verhältnis führen.

Wenn Sie ihre Mitarbeiter wirklich zu einer intrinsischen Motivation führen möchten, sorgen Sie für eine emotionale Bindung zum Unternehmen. Diese darf aber nicht konstruiert, sondern muss wirklich gewollt sein. Engagieren Sie sich für Ihre Mitarbeiter und sorgen Sie als Führungskraft dafür, dass sich Ihre Mitarbeiter mit dem Unternehmen verbunden fühlen. Dies kann z.B. über gemeinsame soziale Projekte geschehen. Aber auch das Anbieten von Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung kann sich positiv auswirken.

Es lohnt sich also, sich den eigenen Führungsstil oder sogar den eines gesamten Unternehmens noch einmal vor Augen zu führen. Richtige und der Situation angepasste Führung wird nicht nur langfristig den unternehmerischen Erfolg, sondern auch die Mitarbeiterbindung maßgeblich verbessern.

Dem geistigen Alterungsprozess entgegenwirken

Eines ist schon mal klar, wir werden nicht jünger. Im Alter nimmt sowohl die geistige, als auch die körperliche Leistungsfähigkeit ab. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass das Altern in den höheren Jahrzehnten des Lebens beginnt. Das mag mit Betrachtung auf den Körper zutreffend sein. Eine Untersuchung von Psychologen der Universität von Virginia hat jedoch ergeben, dass die kognitiven Fähigkeiten im Durchschnitt bereits mit 27 Jahren zu altern beginnen. Dies belegen Tests, die im Zeitraum von sieben Jahren mit 2.000 gesunden Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren durchgeführt wurden. Das abstrakte Denken, die Geschwindigkeit der Verarbeitung und das Lösen von Puzzeln fielen den Probanden, die sich am Ende ihrer „Zwanziger“ befanden bereits schwerer als den Jüngeren. Die Kapazität des Gedächtnisses nimmt aber wohl erst ab einem Alter von 37 Jahren langsam ab, wobei die geistige Beweglichkeit und die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen noch bis ins hohe Alter bestehen bleiben. Lebenslanges Lernen ist damit also nicht unmöglich. Zudem hängt die individuelle kognitive Leistungsfähigkeit von vielen Faktoren, wie z.b. den Genen, der Gesundheit oder dem Lebensstil ab.

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Es gilt die langläufige Meinung, dass ältere Menschen über weniger geistige Kapazität verfügen, sich auf neue Aufgaben nur schwer einstellen, schlechter irrelevante Informationen filtern können und in neuen, ungewohnten Situationen mehr Schwierigkeiten haben, sich anzupassen. Zudem sind sie physische weniger belastbar. Doch das ist kein Grund, älteren Mitmenschen oder auch Kollegen ihre Kompetenz abzusprechen. Die Vorteile junger Leute im Bereich der kognitiven Leistungsfähigkeit werden von der Routine und der Erfahrung der älteren Kollegen locker ausgeglichen und die allgemeine Produktivität im Beruf ist im Vergleich sogar oftmals höher. Der Rückgriff auf den gespeicherten Erfahrungsschatz ist oftmals vorteilhaft bei der Lösung von Problemen im betrieblichen Alltag. Schließlich kennen die erfahrenen Mitarbeiter die Abläufe genau und auch das Qualitätsbewusstsein und die Präzision ist im Schnitt höher als die der Jüngeren Kollegen.

Damit man aber auch im gehobenen Alter noch körperlich und vor allem geistig fit bleibt, ist es von besonderer Wichtigkeit, sich nicht nur präventiv, sondern auch aktiv dem kognitiven Abbau entgegenzustellen. Aber was kann getan werden, um Krankheiten wie Demenz oder Alzheimer vorzubeugen?

Mit Menschen reden, gemeinsam über etwas nachdenken hält das Gehirn nachhaltig auf Trab. Insbesondere der Umgang mit jungen Menschen hilft, denn diese stellen viele Fragen. Im Job gilt die Devise, sich immer wieder neue Möglichkeiten der Herausforderung zu suchen. Klar bedeutet es Stress, im gehobenen Alter nochmals eine neue Tätigkeit zu erlernen. Doch gerade Menschen in einer Vorreiterrolle bleiben geistig flexibel. Eine gesunde Balance zwischen Burnout und Boreout sorgt durch positiven Stress für eine Aktivierung der grauen Zellen.

Bereits in jungen Jahren können Risikofaktoren, die das Gehirn negativ beeinflussen, vermieden werden. Darunter fallen Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und das Rauchen. Denn was Ihrem Körper gut tut, hilft auch Ihrem Kopf! Der geistige Abbau lässt sich nicht vollständig aufhalten. Je früher Sie mit den entsprechenden Gegenmaßnahmen beginnen, desto besser wird sich das künftig und aktuell auf Ihre geistige Fitness auswirken. Im Bereich der Ernährung sollten Sie darauf achten, dass Sie wenig Salz, Fett und Zucker zu sich nehmen. Wichtig sind hingegen viele Lebensmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind. Diese befinden sich in allen Zellen des Körpers. Im Gehirn sorgen sie dafür, dass sich die Nervenzellen besser vernetzten und Signale schneller übertragen werden.

Gehirnjogging-Spiele auf dem PC oder Konsolen sind sehr beliebt. Aber die Erfolge bei solchen Gehirntraining lassen sich meist nicht auf andere mentale Bereiche übertragen. Man verbessert zwar seine Leistung bei speziellen Spielen, was aber vor allem an der Übung liegt. Der Geist muss praxisnah und intensiv trainiert werden und das über einen langen Zeitraum, denn es gilt auch hier: „Ohne Fleiß kein Preis“.

Inseln im Büroalltag

Stress im Büro, das Hetzen von Meeting zu Meeting und zwischendurch auch noch zeitraubende Telefonate. Wer hat da nicht schon einmal davon geträumt, den ganzen Alltagsstress hinter sich zu lassen, um sich auf eine einsame Insel zu begeben. Dort hat man schließlich die Zeit, sich endlich mal wieder auf sich zu konzentrieren. Was viele nicht wissen – diese Rückzugsorte können Sie sich auch im Büro schaffen. Und zwar in Form von sogenannten „Konzentrationsinseln“. Diese geben Ihnen nicht nur die Chance, Ihre Nerven zu schonen, sondern ermöglichen es auch, sich gezielt mit einem Thema zu befassen. Daraus ergeben sich gleich zwei Vorteile: Sie kommen wieder in ruhigeres Fahrwasser und werden gleichzeitig um ein vielfaches produktiver.

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Eine im Jahr 2006 durchgeführte Studie hat belegt, dass ein Büroangestellter etwa elf Minuten konzentriert an einer Aufgabe arbeiten kann, bevor er unterbrochen wird. Im Durchschnitt benötig er im Anschluss beinahe 25 Minuten, um wieder seine ursprüngliche Tätigkeit aufzunehmen. Das Problem besteht dabei aber nicht nur in der reinen Unterbrechung. Beim Wechsel von einer Aufgabe in die andere steigt der Glukoseverbrauch unseres Gehirns an. Geschieht dies mehrmals am Tag, fällt uns das Denken und konzentrierte Arbeiten immer schwerer. Des Weitern verlernen wir durch jede Unterbrechung uns zu konzentrieren, denn unser Gehirn ist über jede Abwechslung dankbar. Dies liegt an der biologisch verankerten Suche nach Dopamin, unserem Glückshormon. So scannen wir ständig unsere nähere Umgebung – und das unbewusst. Entdecken wir etwas spannendes, werden wir sofort mit Dopamin versorgt und lenken uns dankend ab. Prokrastination ist also ein natürliches Verhalten. Daher ist es von immenser Bedeutung, sich Konzentrationsinseln zu schaffen.

Wie das gelingen kann? Fangen Sie bei sich selbst an. Versuchen Sie sich einmal 10 bis 15 Minuten ausschließlich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und lassen Sie während dieses Zeitraums absolut keine Störung zu – egal wie wichtig diese auch sein mag! Haben Sie dies über ein paar Wochen hinweg erreicht, können Sie die Dauer steigern. Jetzt werden Sie sicher denken: Wie soll ich meinen Vorgesetzten erklären, dass ich pro Tag eine halbe Stunde nicht zu erreichen bin? Unsere Antwort darauf: Lassen Sie die Ergebnisse sprechen. Wenn Ihre Führungskräfte bemerken, wie positiv und konzentriert Sie nun an Ihre Arbeit herangehen wird sich dieses Vorgehen vielleicht sogar im gesamten Unternehmen etablieren. Folgend geben wir Ihnen einige einfach umsetzbare Tipps, wie Sie Ihre ganz persönliche Konzentrationsinsel schaffen können:

  • An erster Stellen steht hier, wie nicht anders zu erwarten, schalten Sie Ihr Smartphone aus!
  • Leiten Sie Ihr Festnetztelefon auf einen Kollegen um (am Besten wechseln Sie sich ab)
  • Suchen Sie sich einen stillen Arbeitsplatz
  • Stimmen Sie sich mit Ihren Kollegen ab, zu welchen Zeiten Sie sich auf Ihre Konzentrationsinsel begeben und blocken Sie diese in Ihrem Kalender
  • Falls es Ihnen ihre Aufgabe ermöglicht kappen Sie alle Verbindungen ins Internet

Jetzt haben Sie die Chance, sich voll und ganz auf sich und Ihre bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Die Gute Nachricht ist, egal in welchem Alter Sie sich gerade befinden, jeder von uns kann es schaffen, seine Konzentrationsfähigkeit mit diesem einfachen und zeitlich begrenzten Trick um ein Vielfaches zu steigern. Probieren Sie es doch einfach mal aus!