Es geht auch positiv: Dis- und Eustress (Stress Teil 2)

Die im letzten Blogbeitrag genannten Beispiele für die körperliche Reaktion auf Stressoren sind in ihrer Ausprägung abhängig von der wahrgenommenen Dauer und Intensität der Belastung oder „Gefahr“. Auf jede Wahrnehmung eines äußeren oder inneren Reizes folgt immer eine Orientierungsreaktion, eine Bedeutungsgebung und die Suche nach einer Antwort. Schlussendlich passen wir uns dann an die Umwelt an oder wir gestalten sie um. Ob dieses automatische System von Reiz und Reaktion funktioniert oder unser Organismus eine unvorteilhafte oder gar schädliche Anpassung vornimmt hängt davon ab ob ein Ausgleich der Extreme stattfindet.
Es gilt also für die eigene Person und Situation die richtige Balance zu finden, so zum Beispiel zwischen Neugier und Angst, Sicherheit und Risiko und vor allem zwischen Herausforderung und Belastung. Gelingt dies nicht erleben wir Stress oder eben die Auswirkung der dann automatisch ausgelösten Sicherungsreaktionen.

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Eustress
Jede Handlung in unserem Leben wird von Stress begleitet oder besser gesagt von der Aktivierung der Möglichkeit zu einer Anpassungsleistung. Insbesondere wenn wir uns mit Neuem konfrontieren, uns etwas aus der Mitte bringt, unsere Emotionen wecken oder eine echte Herausforderung ist. Aber ein gewisses Maß an Stimulation brauchen wir, es ist sogar lebensnotwendig. Das zeigt die erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten und Sterblichkeit (Deprivationssyndrom) bei vernachlässigten Säuglingen und Kindern. Der Stress, welcher Adrenalin ausschüttet, uns antreibt, motiviert, in einen Zustand des „Flow“ versetzt. Dieser Stress wird auch als Eustress, von der griechischen Vorsilbe eu für gut, wohl oder schön, bezeichnet. Der Eustress wird nicht als Stress wahrgenommen, da wir ihn vor allem in einem positiven Kontext erleben. Wenn wir an Aufgaben arbeiten, die wir als spannend und an unsere Fähigkeiten angepasst empfinden. Wenn wir uns verlieben, unserer Lieblingsmannschaft zujubeln, Sport treiben und über uns hinauswachsen. Dann steigt unsere Motivation, Aufmerksamkeit, Konzentration und Leistungsfähigkeit auf eine gesunde Weise. Zwar werden diese Zustände von klassischem Stress aktiviert, aber der anfänglichen Anspannung folgt die Erkenntnis der Machbarkeit, und Schlussendlich entsteht ein Erfolgserlebnis, welches die bekannten Glückshormone ausschüttet und unser Selbstvertrauen nachhaltig stärkt. Aufputschmittel und Doping versetzen uns ebenfalls in einen dauerhaft positiven Stresszustand, doch solche Selbstversuche enden oft in einer Spirale aus Gewöhnung und zunehmender Dosierung. Der dauerhaft erhöhte Wahrnehmungszustand wird zur Normalität der mit körpereigenen Mitteln nicht mehr erreicht werden kann. Der Körper steckt in einem künstlich erzeugten Mangelzustand.

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Disstress
Im Gegensatz zum Eustress steht der Disstress, ebenfalls von einer griechischen Vorsilbe, dem dys für schlecht oder übel. Disstress bedeutet ein zu viel an Stimulation und hat negative Folgen für unsere körperliche und psychische Gesundheit. Bei Dauerbelastung wir dieser Stress traumatisch. Die für emotionale Belastungen zuständigen Mechanismen sind dauerhaft überfordert. Dieser Zustand kann in zwei Richtungen ausschlagen. Wir sind schnell gereizt, aggressiv, die Nerven liegen blank, niemand kann es uns recht machen und nichts ist uns gut genug. Dies ist die Folge des dauerhaft erhöhten Cortisols im Blut der die Reizschwelle für Stressreaktionen senkt. Oder es stellt sich eine Lethargie ein, uns fehlt der Appetit, wir haben eine depressive Verstimmung, fühlen uns chronisch Müde und Erschöpft. Versuche an Mäusen haben gezeigt das leichter Stress zu einer erhöhten Dopamin Ausschüttung führt. Nach einiger Zeit und immer graduell zunehmendem Stress haben die Mäusehirne immer weniger bis gar kein Dopamin mehr ausgeschüttet. Langfristig kann so schwerer Stress das Regulierungssystem für Dopamin beinträchtigen und eine tiefe Depression verursachen.

Mit folgenden Verhaltensweisen können Sie Disstress vermeiden:

  • Lernen „Nein“ zu sagen
  • Nicht ständig erreichbar sein
  • Perfektionistisches denken ablegen und sich nicht für alles verantwortlich machen
  • Gegebenheiten akzeptieren
  • Einen gesunden, Lebensstil verfolgen und die eigene Gesundheit in den Vordergrund stellen
  • Sich eine Auszeit gönnen und die Gedanken schweifen lassen
  • Die eigene Leistung wertschätzen


Disstress reduzieren und Begeisterung aktivieren
Damit Stress positiv auf uns wirkt, müssen wir lernen mit ihm umzugehen. Versuchen Sie, eine gewisse Toleranz gegenüber Stress zu entwickeln und ihn positiv zu nutzen, um Leistung erbringen zu können ohne sich dabei selbst zu überfordern. Sicher ist das gesunde Maß an Stress individuell verschieden, denke man zum Beispiel nur an Adrenalin Junkies die Extremsport betreiben um sich so richtig lebendig zu fühlen. Doch durch bewussten Umgang mit Stress lassen sich negative körperliche und psychische Auswirkungen langfristige vermeiden. Es gilt also individuelle Strategien für das eigene Privat- und Arbeitsleben zu finden. Das Zentrum für Leistungsmanagement, welches diesen Blog betreibt, setzt deswegen auf Aufklärung über unser Stress- und Begeisterungssystem. In Seminaren mit biochemischen und neurologischen Fokus kann gelernt werden wie der Stressfalle zu begegnen ist.