Der erste Eindruck

Unseren ersten Eindruck fassen wir sehr schnell. Personen, Objekte oder Szenen werden von uns in einer Zehntelsekunde eingeschätzt und beurteilt. Das gilt besonders bei der Bewertung von Vertrauenswürdigkeit und Attraktivität beim Betrachten menschlicher Gesichter. Man geht davon aus, dass die Fähigkeit sich einen ersten Eindruck in einer solch hohen Geschwindigkeit zu machen, evolutionär bedingt ist. Als sich die ersten Lebewesen mit Augen entwickelten, war es wichtig, aufgrund von anfänglichen Erfahrungen mit Fremden sehr schnell zwischen Artgenossen und potentiellen Fressfeinden unterscheiden zu können. Je weniger Zeit das Erkennen der Situation benötigt, desto höher sind die Überlebenschancen im Risikofall. Diese Fähigkeit hat sich im Lauf der Jahrmillionen dahin entwickelt, dass wir ebenso schnell Absichten, Emotionen und Situationen beurteilen können.

Der trügerische Eindruck

Der erste Eindruck ist hilfreich, führt aber auch oft zu einer falschen Beurteilung aufgrund von Stereotypen und Vorurteilen. Nicht umsonst sind Sätze wie „Es ist nicht alles Gold was glänzt.“ und „Der Schein trügt.“ fest in unserem Sprachgebrauch verankert. Ein Beispiel wie unser Gehirn uns trügen kann ist die über 100 Jahre alte Müller-Lyer-Illusion, die 1889 vom deutschen Psychiater und Soziologen Franz Müller-Lyer entdeckt wurde. Sie gehört zu den berühmtesten Optischen Täuschungen.

Welche der beiden horizontalen Linien ist länger oder sind beide gleich lang?

Müller-Lyer-Illusion

Auf den ersten Blick erscheint die obere Linie mit den Pfeilspitzen nach Innen länger als die darunter liegende Linie mit den Pfeilspitzen nach oben. Diese Illusion bleibt auch nach längerem Betrachten bestehen. Für diesen Effekt haben Wissenschaftler noch keine einhellige Erklärung finden können. Denn tatsächlich sind die Linien gleich lang.

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Eine kulturvergleichende Studie zeigte, dass die Täuschung nur bei Menschen auftritt, in deren Alltag gerade Linien auftauchen. Für die indigenen Menschen des San Volkes im südlichen Afrika besteht die Täuschung nicht. Am stärksten ausgeprägt ist die Illusion für Menschen aus dem westlichen Kulturkreis. Die Täuschung ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles stimmen muss, was naheliegend ist.

Vom schnellen und langsamen Denken

Die bisher genannten Phänomene lassen sich auf die Art und Weise wie unser Gehirn denkt, zurückführen. In seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ beschreibt der israelisch-US-amerikanische Psychologe und Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahneman seine These von den zwei Arten des Denkens. Sein Fazit ist, dass wir niemals immer und überall optimal handeln können, wichtige Entscheidungen werden fehleranfällig bleiben. Vor allem wenn es schnell gehen muss. Wir gehen davon aus, vernünftig und analytisch zu Denken und zu Handeln aber unser Gehirn fällt oft auf ganz simple Tricks herein. Großen Einfluss haben Zufälle und unsere fehleranfällige Intuition, dabei steht der Verstand meist hinten an, denn unser Gehirn liefert schnelle Antworten.

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Eine „einfache“ Aufgabe
Ein Schläger und ein Ball kosten 1,10 Dollar. Der Schläger kostet einen Dollar mehr als der Ball. Wieviel kostet der Ball?

Die logische Antwort lautet hier doch: Der Ball kostet 10 Cent. Diese Antwort haben rund 80 % der Probanden in Kahnemans Studie gegeben. Hier hat das schnelle Denken, System 1 gegriffen. Die anderen 20% haben System 2, das langsame Denken eingeschaltet und sind so auch auf die richtige Lösung gekommen. Der Schnellschuss mit der Lösung: „Der Ball kostet 10 Cent.“ ist tatsächlich falsch, denn die Bedingung dass der Schläger einen Dollar mehr kostet ist dabei nicht erfüllt. So kostet er nur 90 Cent mehr. Die richtige Lösung lautet der Ball kostet 5 Cent und der Schläger ist für damit für 1 Dollar und 5 Cent zu haben.

Die zwei Systeme

Unser Gehirn hat zwei verschiedene Arten und Weisen zu Denken:
System 1: schnell, automatisch, permanent aktiv, emotional, stereotypisierend, unbewusst
System 2: langsam, anstrengend, selten aktiv, logisch, berechnend, bewusst

Um in jeder Situation angemessen reagieren zu können brauchen wir Menschen beide Systeme. Das erste kann riesige Datenmengen verarbeiten. Wir nehmen mit ihm die Umwelt wahr, es lässt uns Gegenstände erkennen, steuert unsere Aufmerksamkeit und lässt uns Angst oder Ekel empfinden. Besonders gut kann es assoziieren, erwähnt jemand die Hauptstadt Italiens, liefert das System 1 sofort „Rom“. Das schnelle Denken übernimmt also viele lebenswichtige Funktionen in unserem Gehirn, da es aber im unterbewussten arbeitet sind die Assoziationen oft falsch. Es ist also durchaus sinnvoll zu zögern und sich nicht von Emotionen und dem ersten Eindruck leiten zu lassen. Das schnelle Denken lässt sich aber nicht abstellen, nur kontrollieren. Es ist anstrengend denn System 2 braucht seine Zeit, nimmt uns viel Energie und wir fühlen uns schnell ausgelastet und erschöpft. Daher verfallen wir auch gerne wieder zurück in alte Bahnen, lassen uns von Intuition und Vorurteilen leiten. Aktiv dagegen vorgehen können wir nur wenn uns dieser Vorgänge bewusst werden bzw. sind.

Wer mehr über unser Gehirn, das menschliche Verhalten und die daraus resultierende Begeisterung und Motivation erfahren möchte, empfehlen wir unser offenes Seminar „Biologie der Begeisterung“. Die nächsten freien Termine finden bereits im Oktober statt. Termine und eine Seminarbeschreibung finden Sie unter http://www.zentrum-fuer-leistungsmanagement.com/termine.

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