Meditation – Humbug oder echte Hilfe?

Meditation wird in unserer westlichen Welt trotz des Hypes um fernöstliche Spiritualität, Yoga oder Ayurveda der seit den 2010er Jahren anhält, in der breiten Bevölkerung oftmals als esoterischer Firlefanz angesehen. Dabei gibt sich uns die Möglichkeit, mit einfachsten Mitteln zu innerer Ruhe und neuer Kraft zu finden. Was aber ist eine „Meditation“ überhaupt?

Definition von Meditation
Der Begriff Meditation umfasst Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen, die unsere Gedanken fokussieren, unseren Geist entspannen und so für mehr Leistungsfähigkeit sorgen können. Im Hinduismus und Buddhismus nimmt sie eine ähnliche Bedeutung ein wie das Gebet im Christentum. Hinter der Meditation steht hierbei das Erreichen eines höheren Bewusstseinszustands.

Aber wir sind ja keine Mönche die ihr Leben der Askese und Meditation widmen. Wir sind meist Arbeitnehmer die neben stressigen Terminen und Meetings im Beruf, auch Freizeit und Familie unter einen Hut bringen möchten. Ohne Stress und dem richtigen Ausgleich ist das kaum möglich. Meditative Praxis ist natürlich ein Mittel des Ausgleichs in stressigen Lebenssituationen. Die wenigsten haben die Zeit oder die Lust die „Upanishaden“ zu lesen und einen Yoga- oder Meditationskurs zu belegen. Vor allem braucht es keine Räucherstäbchen, Om-Gesänge und sphärische Klänge, um eine tiefe Ruhe zu erfahren und die Achtsamkeit zu erhöhen. Besonders in akuten Situationen der Überforderung kann ein Repertoire an Übungen kleine Wunder vollbringen.

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Mini Meditation
Mini Meditationen können Sie einfach in Ihren Arbeitsalltag integrieren. Nutzen Sie dafür am besten einen Ruheraum, die Küche oder notfalls die Toilette. Denn es geht darum, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Setzen Sie sich in aufrechter Position auf einen Stuhl oder im Schneidersitz auf den Boden. Schließen Sie Ihre Augen und Atmen Sie ruhig und langsam ein und aus. Konzentrieren Sie sich dabei auf Ihren Atem und stellen Sie sich vor, wie die Luft durch Ihren Körper fließt. Fangen Sie nun an, langsamer zu atmen und mit jedem Atemzug die Luft ein wenig tiefer einsinken zu lassen, bis Sie ein automatisches Heben und Senken der Bauchdecke spüren. Senden Sie Ihren Atem tief in den Bauch und halten Sie ihn bis zu fünf Sekunden, bis Sie anschließend wieder langsam ausatmen. Die Hand auf den Bauch unterhalb des Nabels zu legen kann dabei helfen. Die intensive Bauchatmung verbindet uns mit unserer inneren Mitte, unser Nervensystem entspannt sich und wir fühlen uns mit jedem Atemzug kräftiger.

Fortgeschrittene und Aufgeschlossene können diese Übung um einen weiteren Aspekt erweitern: Nach altindischer Lehre gibt es in unserem Körper sieben Energiezentren (auch Chakren genannt), welche durch konzentrierte Atmung gesondert aktiviert werden können. Geben Sie nun während der Atemübung der Luft, welche Sie einatmen eine zufällige Farbe. Jede ist möglich, hier gibt es kein richtig oder falsch. Die sieben Energiezentren haben eine bestimmte Farbe: Rot steht für den Beckenboden, Orange für den Bereich um den Bauchnabel, Gelb für den Solarplexus, Hellgrün für das Herz, Violett für die Stirn und Weiß für den Scheitel des Kopfes. Falls Ihnen eine der genannten Farben in den Sinn kommt, versuchen Sie die Atmung gezielt in diesen Bereich zu lenken und das Energiezentrum so zu stärken. Beim Ausatmen stellen Sie sich vor, Sie atmen alles aus, was Sie loswerden möchten – also z.B. Müdigkeit oder Trägheit. Der ausgeatmeten Luft können Sie ebenfalls eine Farbe geben. Viele Menschen denken dabei an Grau oder Braun. Verfolgen Sie, wie der farbige Atem durch Ihren Körper fließt. Nach 10-15 tiefen Atemzügen öffnen Sie die Augen und dürften sich frisch und wach fühlen.

Stress abwehren
In stressigen Situationen, in denen alles aus dem Ruder zu laufen scheint, kann ein mentaler Rettungsanker, der beruhigt und den Blick für das wesentliche schärft, sehr hilfreich sein. So ein Anker kann ein Satz wie z.B. „Handeln nicht Jammern“, „Ich bin die Ruhe“ oder „Ich habe die Kraft“ sein. Überlegen Sie sich einen eigenen Satz, der Ihnen hilft, stressige oder überfordernde Situationen zu meistern. Dieser sollte kurz und positiv formuliert sein. Vermeiden Sie Verneinungen oder negative Wörter. In dieser Übung wiederholen Sie den kurzen Satz in Gedanken immer wieder – nicht zu schnell und für etwa drei Minuten. Sind Sie alleine können sie Ihren Satz auch laut sprechen oder summen. Konzentrieren wir uns auf unsere persönlichen Worte werden drängende Gedanken ausgeschaltet und positiv auf das Unterbewusstsein eingewirkt. Verschiedenste Studien zeigen, dass wiederholtes Aufsagen eines Satzes oder Wortes zu einer Beruhigung des Geistes, einer Senkung des Blutdrucks und Reduktion von Stress-Hormonen führt.

Ruhe finden
Innere Unruhe und Nervosität gehören in Zeiten des Internets und der medialen Reizüberflutung der Medien zu den negativen Eigenschaften vieler Menschen. Körperliche Aktivität und bewusste Bewegung reduzieren den Spiegel der Stresshormone im Blut. Angestaute Energie wird kanalisiert, kann abfließen und der Geist kommt endlich zur Ruhe. Die kleinen und großen Überraschungen des Alltags sorgen nicht mehr für Unruhe und Sie können ihnen einfach gelassener entgegentreten. Eine Bewegungs-Meditation kann in etwa so ablaufen: Nehmen Sie einen festen Stand ein, die Füße etwa hüftbreit auseinander. Achten Sie auf einen geraden Oberkörper und richten Ihren Blick gerade aus nach vorn. Heben Sie einen Ihrer Füße an und machen Sie einen Schritt. Versuchen Sie diesen möglichst langsam zu nehmen. Sinn der Übung ist es, jedes Detail der Bewegung zu spüren. Dinge, die sonst im unbewussten verborgen bleiben, wie die Bewegung des Oberkörpers, das Kippen der Hüfte, das Abrollen des Fuß von der Ferse zum Ballen und natürlich das Anspannen der Muskeln. Nehmen Sie sich Zeit für fünf bis sechs Schritte. Im Anschluss können Sie ihre Beine locker ausschütteln. Bewegungs-Meditationen sollen den im Körper festgehaltenen Ballast des Alltags lösen und so den Zugang zu Stille, Achtsamkeit und entspanntem Sein erleichtern.

Meditationen sind also so vielfältig wie die Menschen selbst. Jeder kann seinen Weg und Umgang mit den mentalen und körperlichen Entspannungsübungen finden. Meditation kann professionell mit dem Hintergedanken der spirituellen Bewusstseinserweiterung durchgeführt werden oder sie dient einfach nur der Beruhigung. Die positiven Effekte überzeugen. Wenn Sie noch etwas tiefer in die Welt der Mini-Meditationen eintauchen wollen, haben wir auch noch eine App-Empfehlung für Sie. Die kostenlose App „Mini Meditation“ enthält acht Mediationen oder auch Impulse für verschiedene Alltagssituationen und ist für iOS und Android verfügbar.

Der erste Eindruck

Unseren ersten Eindruck fassen wir sehr schnell. Personen, Objekte oder Szenen werden von uns in einer Zehntelsekunde eingeschätzt und beurteilt. Das gilt besonders bei der Bewertung von Vertrauenswürdigkeit und Attraktivität beim Betrachten menschlicher Gesichter. Man geht davon aus, dass die Fähigkeit sich einen ersten Eindruck in einer solch hohen Geschwindigkeit zu machen, evolutionär bedingt ist. Als sich die ersten Lebewesen mit Augen entwickelten, war es wichtig, aufgrund von anfänglichen Erfahrungen mit Fremden sehr schnell zwischen Artgenossen und potentiellen Fressfeinden unterscheiden zu können. Je weniger Zeit das Erkennen der Situation benötigt, desto höher sind die Überlebenschancen im Risikofall. Diese Fähigkeit hat sich im Lauf der Jahrmillionen dahin entwickelt, dass wir ebenso schnell Absichten, Emotionen und Situationen beurteilen können.

Der trügerische Eindruck

Der erste Eindruck ist hilfreich, führt aber auch oft zu einer falschen Beurteilung aufgrund von Stereotypen und Vorurteilen. Nicht umsonst sind Sätze wie „Es ist nicht alles Gold was glänzt.“ und „Der Schein trügt.“ fest in unserem Sprachgebrauch verankert. Ein Beispiel wie unser Gehirn uns trügen kann ist die über 100 Jahre alte Müller-Lyer-Illusion, die 1889 vom deutschen Psychiater und Soziologen Franz Müller-Lyer entdeckt wurde. Sie gehört zu den berühmtesten Optischen Täuschungen.

Welche der beiden horizontalen Linien ist länger oder sind beide gleich lang?

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Auf den ersten Blick erscheint die obere Linie mit den Pfeilspitzen nach Innen länger als die darunter liegende Linie mit den Pfeilspitzen nach oben. Diese Illusion bleibt auch nach längerem Betrachten bestehen. Für diesen Effekt haben Wissenschaftler noch keine einhellige Erklärung finden können. Denn tatsächlich sind die Linien gleich lang.

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Eine kulturvergleichende Studie zeigte, dass die Täuschung nur bei Menschen auftritt, in deren Alltag gerade Linien auftauchen. Für die indigenen Menschen des San Volkes im südlichen Afrika besteht die Täuschung nicht. Am stärksten ausgeprägt ist die Illusion für Menschen aus dem westlichen Kulturkreis. Die Täuschung ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles stimmen muss, was naheliegend ist.

Vom schnellen und langsamen Denken

Die bisher genannten Phänomene lassen sich auf die Art und Weise wie unser Gehirn denkt, zurückführen. In seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ beschreibt der israelisch-US-amerikanische Psychologe und Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahneman seine These von den zwei Arten des Denkens. Sein Fazit ist, dass wir niemals immer und überall optimal handeln können, wichtige Entscheidungen werden fehleranfällig bleiben. Vor allem wenn es schnell gehen muss. Wir gehen davon aus, vernünftig und analytisch zu Denken und zu Handeln aber unser Gehirn fällt oft auf ganz simple Tricks herein. Großen Einfluss haben Zufälle und unsere fehleranfällige Intuition, dabei steht der Verstand meist hinten an, denn unser Gehirn liefert schnelle Antworten.

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Eine „einfache“ Aufgabe
Ein Schläger und ein Ball kosten 1,10 Dollar. Der Schläger kostet einen Dollar mehr als der Ball. Wieviel kostet der Ball?

Die logische Antwort lautet hier doch: Der Ball kostet 10 Cent. Diese Antwort haben rund 80 % der Probanden in Kahnemans Studie gegeben. Hier hat das schnelle Denken, System 1 gegriffen. Die anderen 20% haben System 2, das langsame Denken eingeschaltet und sind so auch auf die richtige Lösung gekommen. Der Schnellschuss mit der Lösung: „Der Ball kostet 10 Cent.“ ist tatsächlich falsch, denn die Bedingung dass der Schläger einen Dollar mehr kostet ist dabei nicht erfüllt. So kostet er nur 90 Cent mehr. Die richtige Lösung lautet der Ball kostet 5 Cent und der Schläger ist für damit für 1 Dollar und 5 Cent zu haben.

Die zwei Systeme

Unser Gehirn hat zwei verschiedene Arten und Weisen zu Denken:
System 1: schnell, automatisch, permanent aktiv, emotional, stereotypisierend, unbewusst
System 2: langsam, anstrengend, selten aktiv, logisch, berechnend, bewusst

Um in jeder Situation angemessen reagieren zu können brauchen wir Menschen beide Systeme. Das erste kann riesige Datenmengen verarbeiten. Wir nehmen mit ihm die Umwelt wahr, es lässt uns Gegenstände erkennen, steuert unsere Aufmerksamkeit und lässt uns Angst oder Ekel empfinden. Besonders gut kann es assoziieren, erwähnt jemand die Hauptstadt Italiens, liefert das System 1 sofort „Rom“. Das schnelle Denken übernimmt also viele lebenswichtige Funktionen in unserem Gehirn, da es aber im unterbewussten arbeitet sind die Assoziationen oft falsch. Es ist also durchaus sinnvoll zu zögern und sich nicht von Emotionen und dem ersten Eindruck leiten zu lassen. Das schnelle Denken lässt sich aber nicht abstellen, nur kontrollieren. Es ist anstrengend denn System 2 braucht seine Zeit, nimmt uns viel Energie und wir fühlen uns schnell ausgelastet und erschöpft. Daher verfallen wir auch gerne wieder zurück in alte Bahnen, lassen uns von Intuition und Vorurteilen leiten. Aktiv dagegen vorgehen können wir nur wenn uns dieser Vorgänge bewusst werden bzw. sind.

Wer mehr über unser Gehirn, das menschliche Verhalten und die daraus resultierende Begeisterung und Motivation erfahren möchte, empfehlen wir unser offenes Seminar „Biologie der Begeisterung“. Die nächsten freien Termine finden bereits im Oktober statt. Termine und eine Seminarbeschreibung finden Sie unter http://www.zentrum-fuer-leistungsmanagement.com/termine.