Lernen ist Leben – Leben ist Lernen

Zu Beginn unseres Lebens haben sich unsere Eltern noch den ganzen Tag um uns gekümmert. Während wir die ersten Schritte machten oder als wir zum ersten Mal ohne Stützräder auf unserem Fahrrad gefahren sind. Sie waren stets neben uns, sobald wir auf Hilfe angewiesen waren. Als wir im Kindergarten waren, haben wir bemerkt, dass hier keine Eltern sind, auf deren Hilfe wir uns verlassen konnten. Von nun an waren wir auf uns allein gestellt. In der Schule wurden wir erst spielerisch, später mit vollem Ernst auf unser Berufsleben vorbereitet. Wir mussten lernen, wie man lernt. Dies wird sich bis zu unserem Lebensende wohl nie ändern, denn Lernen ist ein endloser Prozess. Zwar gibt es aus der Pädagogik einige gute Konzepte, doch all dies nützt nichts, wenn man wie die Didaktik, also die Kunst des Lehrens, die neurologischen Grundlagen nicht miteinbezieht. Durch die Neurodidaktik wird somit die Perspektive des Empfängers eingenommen, also die des Lernenden.

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Unser Gehirn besteht aus circa 100 Milliarden Nervenzellen, welche bis zu 10.000 Kontakte zu anderen Nervenzellen besitzen. Die Rede ist hier also von Synapsen. An diesen werden Informationen zwischen den Zellen ausgetauscht.  Zunächst existiert eine kleine Synapse, über die ein Impuls läuft. Je mehr wir lernen, desto dicker wird diese. Als Beispiel lässt sich hier das Erlernen einer uns noch unbekannten Sprache heranziehen. Grundlage sind dabei die einzelnen Vokabeln. Setzen wir uns gezielt und häufig mit einem Wort auseinander, so lässt es die Synapse dadurch dicker werden. Durch Wiederholung der einzelnen Wörter werden diese oft genug zwischen den Nervenzellen übertragen und es fällt uns leichter, diese neu abzurufen. So werden aus dünnen nun dicke und schlussendlich zwei Synapsen. Dadurch können Impulse schneller, stärker und besser über die Kontaktstellen laufen. Die dahinter liegenden Nervenzellen werden also schneller erregt.
Früher ging man davon aus, dass das Lernen im Alter schlechter funktioniert. Doch heute weiß man auch, je älter man wird, desto mehr Erfahrungen hat ein Mensch gesammelt. Somit fällt es einem leichter, Verknüpfungen herzustellen. Als Gegenbeispiel: Ein Kleinkind kann sich unter dem Wort „Akkuschrauber“ nichts vorstellen. Umso schwerer wird sich das Kind dann damit tun, sich das Wort zu merken. Immer wieder höre ich aber, dass Menschen ab dem 50. Lebensalter nicht mehr für Veränderungen bereit sind. Es muss also noch etwas anderes für das Lernen verantwortlich sein, als nur die Größe des neuronalen Netzwerkes. Hier kommt der Wachstumsfaktor BDNF (Brain-derived neurotrophic factor) ins Spiel. Dieser ist ein Protein, welches eng mit den Nervenwachstumsfaktoren verwandt ist. Es sorgt dafür, dass sich im Gehirn neue Verbindungen bilden und dadurch Wissen angesetzt werden kann. BDNF ist der Wunderstoff, der Lernen entweder fördert oder verhindert. Forscher sind der Meinung, dass das Gehirn mit circa 30 Jahren ausgereift ist. Danach verändert es sich nur noch aufgrund seiner Plastizität. Das BDNF sorgt bei älteren Menschen somit bloß dafür, dass neue Verbindungen entstehen. Es gibt jedoch eine Ausnahme. Damit meine ich den Hippocampus. Dieser Bereich des Gehirns ist mit dem Thema Lernen und Stress auf das Engste verknüpft. Er kann sich vergrößern, aber leider auch verkleinern. Bei Letzterem Vorgang verringert sich die Fähigkeit, mit Stress umzugehen und Neues zu erlernen. Ausdauersport kann das Wachstum des Hippocampus aber positiv beeinflussen. Je nach Lebensstil verändert sich unser Lernarenal. So ist z.B. Schlaf das A und O für erfolgreiches Lernen. Denn während wir schlafen, werden die Informationen vom Hippocampus in die Großhirnrinde abgespeichert. Darüber hinaus stellt ein Schlafmangel ein Stressfaktor dar, was zu einer Verminderung von BDNF führt und somit auch zu einer Schrumpfung des Hippocampus. Auch zu wenig Bewegung, eine ungesunde und mangelhafte Ernährung können zu einer Lernblockade führen. Doch nicht nur das, auch eine einfache Entzündung, Angst und traumatische Erfahrungen können das Lernen verhindern. Achten Sie deshalb auf Ihren Lebensstil.

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