Lernen ist Leben – Leben ist Lernen

Zu Beginn unseres Lebens haben sich unsere Eltern noch den ganzen Tag um uns gekümmert. Während wir die ersten Schritte machten oder als wir zum ersten Mal ohne Stützräder auf unserem Fahrrad gefahren sind. Sie waren stets neben uns, sobald wir auf Hilfe angewiesen waren. Als wir im Kindergarten waren, haben wir bemerkt, dass hier keine Eltern sind, auf deren Hilfe wir uns verlassen konnten. Von nun an waren wir auf uns allein gestellt. In der Schule wurden wir erst spielerisch, später mit vollem Ernst auf unser Berufsleben vorbereitet. Wir mussten lernen, wie man lernt. Dies wird sich bis zu unserem Lebensende wohl nie ändern, denn Lernen ist ein endloser Prozess. Zwar gibt es aus der Pädagogik einige gute Konzepte, doch all dies nützt nichts, wenn man wie die Didaktik, also die Kunst des Lehrens, die neurologischen Grundlagen nicht miteinbezieht. Durch die Neurodidaktik wird somit die Perspektive des Empfängers eingenommen, also die des Lernenden.

children-1217246_1920
Unser Gehirn besteht aus circa 100 Milliarden Nervenzellen, welche bis zu 10.000 Kontakte zu anderen Nervenzellen besitzen. Die Rede ist hier also von Synapsen. An diesen werden Informationen zwischen den Zellen ausgetauscht.  Zunächst existiert eine kleine Synapse, über die ein Impuls läuft. Je mehr wir lernen, desto dicker wird diese. Als Beispiel lässt sich hier das Erlernen einer uns noch unbekannten Sprache heranziehen. Grundlage sind dabei die einzelnen Vokabeln. Setzen wir uns gezielt und häufig mit einem Wort auseinander, so lässt es die Synapse dadurch dicker werden. Durch Wiederholung der einzelnen Wörter werden diese oft genug zwischen den Nervenzellen übertragen und es fällt uns leichter, diese neu abzurufen. So werden aus dünnen nun dicke und schlussendlich zwei Synapsen. Dadurch können Impulse schneller, stärker und besser über die Kontaktstellen laufen. Die dahinter liegenden Nervenzellen werden also schneller erregt.
Früher ging man davon aus, dass das Lernen im Alter schlechter funktioniert. Doch heute weiß man auch, je älter man wird, desto mehr Erfahrungen hat ein Mensch gesammelt. Somit fällt es einem leichter, Verknüpfungen herzustellen. Als Gegenbeispiel: Ein Kleinkind kann sich unter dem Wort „Akkuschrauber“ nichts vorstellen. Umso schwerer wird sich das Kind dann damit tun, sich das Wort zu merken. Immer wieder höre ich aber, dass Menschen ab dem 50. Lebensalter nicht mehr für Veränderungen bereit sind. Es muss also noch etwas anderes für das Lernen verantwortlich sein, als nur die Größe des neuronalen Netzwerkes. Hier kommt der Wachstumsfaktor BDNF (Brain-derived neurotrophic factor) ins Spiel. Dieser ist ein Protein, welches eng mit den Nervenwachstumsfaktoren verwandt ist. Es sorgt dafür, dass sich im Gehirn neue Verbindungen bilden und dadurch Wissen angesetzt werden kann. BDNF ist der Wunderstoff, der Lernen entweder fördert oder verhindert. Forscher sind der Meinung, dass das Gehirn mit circa 30 Jahren ausgereift ist. Danach verändert es sich nur noch aufgrund seiner Plastizität. Das BDNF sorgt bei älteren Menschen somit bloß dafür, dass neue Verbindungen entstehen. Es gibt jedoch eine Ausnahme. Damit meine ich den Hippocampus. Dieser Bereich des Gehirns ist mit dem Thema Lernen und Stress auf das Engste verknüpft. Er kann sich vergrößern, aber leider auch verkleinern. Bei Letzterem Vorgang verringert sich die Fähigkeit, mit Stress umzugehen und Neues zu erlernen. Ausdauersport kann das Wachstum des Hippocampus aber positiv beeinflussen. Je nach Lebensstil verändert sich unser Lernarenal. So ist z.B. Schlaf das A und O für erfolgreiches Lernen. Denn während wir schlafen, werden die Informationen vom Hippocampus in die Großhirnrinde abgespeichert. Darüber hinaus stellt ein Schlafmangel ein Stressfaktor dar, was zu einer Verminderung von BDNF führt und somit auch zu einer Schrumpfung des Hippocampus. Auch zu wenig Bewegung, eine ungesunde und mangelhafte Ernährung können zu einer Lernblockade führen. Doch nicht nur das, auch eine einfache Entzündung, Angst und traumatische Erfahrungen können das Lernen verhindern. Achten Sie deshalb auf Ihren Lebensstil.

Niemand ist in allem gut – Stärken stärken

Schon in der Schule wurde einem gelehrt, an seinen Schwächen zu arbeiten. Wenn man sich beispielsweise im Kopfrechnen schwer tat, wurde man aufgefordert, so lange an seiner Schwäche zu arbeiten, bis sich diese zu einer Stärke entwickelte. Als Druckmittel fielen dann meist Sätze wie: „Wenn du so weiter machst, wird aus dir nie was Rechtes werden!“ Als ein Paradebeispiel kann hier der Nobelpreisträger Albert Einstein herangezogen werden. Auswendig lernen lag ihm überhaupt nicht und auch ihm prophezeite so mancher keine besonders rosige Zukunft. Doch wie wir alle wissen, gehört Einstein zu den wohl größten Physikern der Geschichte. Wieso zweifelte man daran, dass auch er etwas ganz großes schaffen könnte? Ganz einfach, weil auch von ihm verlangt wurde alles zu können. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert. Unternehmen wollen Mitarbeiter, die nahezu perfekt sind, die am besten wie Maschinen arbeiten. Doch das ist nicht möglich. Viel zu oft konzentrieren wir uns auf unsere eigene Schwächen und vergleichen uns mit anderen, die vielleicht gerade unsere Schwäche als Stärke auszeichnet.

Wenn Sie versuchen in allem gleich gut zu sein, kann ich Ihnen schon jetzt sagen, dass wird Ihnen nicht gelingen. An seinen Schwächen zu arbeiten ist nur dann sinnvoll, wenn es eine alles andere überlagernde Schwäche gibt. Viel besser ist es, seine schon vorhandenen Stärken zu stärken. Finden Sie das, was Sie ausmacht und was Sie besonders gut können. Denn Stärken können nur gestärkt werden, wenn man sich dieser auch bewusst wird.

life-862985_1920

Nehmen wir das Beispiel einer Führungskraft. Bei ihr sollte Durchsetzungsfähigkeit keinerlei Probleme darstellen. Schließlich zeichnet genau dies ja die Führungskraft aus und gilt als Stärke. Durchsetzungsfähigkeit kann auf vier verschiedenen Ebenen gestärkt werden. Auf emotionaler Ebene kann diese durch ein Bild einer durchsetzungsstarken Persönlichkeit, die man als Vorbild hat, gestärkt werden. Kognitiv gesehen, dienen Glaubenssätze von durchsetzungsstarken Persönlichkeiten als Antreiber. Die Mitgliedschaft in einem Wirtschaftsverband kann es auf der sozialen Ebene schaffen, die eigenen Stärken zu stärken. Nicht nur die psychologisch-pädagogischen Ansätze sind hier von Bedeutung, sondern ebenso wichtig ist die biologische Stärkung.

Bei der neurobiologischen Ebene kann durch eine Steigerung der Neurotransmitter, also Dopamin und Noradrenalin, ein Verhalten wie die Durchsetzungsfähigkeit gestärkt werden. Wollen Sie also durchsetzungsfähiger werden als Sie eh schon sind, müssen Sie die Produktion von Dopamin begünstigen. Hierfür benötigt der Körper genügend Eiweiß, also Tyrosin. Dieses ist die Grundlage für die Bildung von Dopamin. Reichlich davon steckt in Lebensmitteln wie Harzer Käse, Camembert und Nüssen. Doch nicht nur auf die tyrosinhaltigen Lebensmittel muss geachtet werden. Auch Co-Faktoren beeinflussen die Produktion. Liegt z.B. ein Magnesium- oder Vitamin-B-Mangel vor, kann das die Produktion einschränken. Achten Sie deshalb immer darauf, alle Mängel auszugleichen. Zur Not kann nach Rücksprache mit Ihrem Arzt auch zu Nahrungsergänzungsmitteln gegriffen werden.

Aber nicht nur für Führungskräfte spielt dieses Thema eine wichtige Rolle. Auch für Mitarbeiter sollte es nicht so schnell unter den Teppich gekehrt werden. Natürlich kann es immer wieder sein, dass Ihr Kollege in einem Bereich besser ist als Sie. Doch wenn Sie sich dann auf Ihre Schwäche fokussieren hilft es Ihnen nicht besonders, wenn Ihr Kollege darin noch immer besser bleibt. Schlauer ist es, wenn Sie sich in diesem Fall wirklich darauf konzentrieren, was Sie ausmacht, was Sie besonders gut können und dies weiter ausbauen. Das kann auch schon die Lösung sein, um beruflich eine Liga weiter aufzusteigen.