Was Personaler über psychische Gesundheit wissen sollten

Ich hatte diese Woche wieder viele interessante Gespräche Personalern über das Thema psychische Gesundheit in Unternehmen. Anlass war mein Vortrag in Rinteln vor Personalleitern des Verbandes der Ernährungswirtschaft mit dem Thema: Der Umgang mit psychisch kranken und / oder auffälligen Mitarbeitern. 

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Es gibt eine Reihe von zuverlässigen Aussagen über psychische Gesundheit.
Hier die Zusammenfassung der vier wichtigsten Aussagen aus dem Ärzteblatt:

  • 1/3 der Bevölkerung weisen pro Jahr eine oder mehrere psychische Störungen auf
  • Angststörung liegen bei den Störungen auf Platz 1, gefolgt von Alkoholismus und Depressionen. Der Fokus der Aufmerksamkeit für Personaler sollte also auf diesen drei Feldern liegen.
  • Interessanterweise treten psychische Erkrankungen häufig in Verbindung mit anderen Erkrankungen auf. Mit einer zusätzlichen Begleiterkrankung steigt die Arbeitsunfähigkeit sogar signifikant an. So fällt 1/3 der Erkrankten mit psychischen Störungen innerhalb von 4 Wochen für 1 Tag aus. Während bei drei vorliegenden Erkrankungen die Ausfallquote auf 63% ansteigt
  • Der 3. wesentliche Faktor bei psychischen Erkrankungen ist die erstaunlich niedrige Behandlungsrate. Lediglich 42,9 % der mit einer psychischen Störung Erkrankten hatten der Studie zufolge medizinischen Kontakt. Selbst bei ernsthafteren Störungen sind die Behandlungsraten niedrig. Ob die zu niedrigen Behandlungsraten am mangelnden Angebot, der mangelnden Zeit des Behandlers, an der nicht wahrgenommenen Behandlungsdürftigkeit liegt bleibt offen. Auffallend ist, dass mit zunehmenden Begleiterkrankungen die Behandlungsrate rapide ansteigt.

Um diese „Versorgungslücke“ schnell zu schließen und frühzeitig entgegen steuern zu können wird es für Unternehmen immer wichtiger Führungskräfte in Schulungen zu sensibilisieren, damit Anzeichen für psychische Störungen wahrgenommen werden können und um einen Handlungskatalog in der Hand zu haben, um adäquat reagieren zu können.

Der immer größer werdende Bedarf und die Nachfrage an hierzu geschulten und sensibilisierten Führungskräften stellen wir  in unseren dafür ausgerichteten Seminaren fest.

Was sind also die Stellschrauben, die ein Unternehmen hat?

  • Ein Versorgungssystem, indem den Mitarbeitern schnell geholfen wird. Unser Vorschlag hierzu ist eine psycho-neuro-immunologische Sprechstunde mit einem umfassend arbeitenden Mediziner / Psychologen.
  • Führungsausbildung: Die Führungskräfte sollen lernen Warnsignale wahrzunehmen und ihre auffälligen Mitarbeiter schnell in eine solche Sprechstunde bringen. Dazu hilft es sehr, wenn die Führungskräfte sich selbst wahrnehmen und einschätzen können, am sinnvollsten über eigene Meßmethoden, wie die Personal Balance Card.
  • Mitarbeitersensibilisierung: je eher die Mitarbeiter in das Versorgungssystem gelangen, desto besser. Dies wird durch Vorträge und Workshops für Mitarbeiter sichergestellt.

Darüber hinaus habe ich spannende weitere Ansätze mitgenommen:

  • Eine Zusatzversicherung, die alle gesetzlich versicherten Mitarbeiter privat versicherten Mitarbeitern in der Versorgung gleichstellt.
  • Eine Telefonhotline die das Unternehmen anbietet

Es gibt eine Menge zu tun, besonders interessant ist, dass die Investition überschaubar ist, im Verhältnis zu einem Ausfall eines Mitarbeiters. Wenn unter 100 Mitarbeitern nur einer nicht krankheitsbedingt ausfällt aufgrund der Maßnahmen, dann ist die Maßnahme bereits rentabel.

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