Der Schiedsrichter

Der präfrontale Cortex ist – vereinfacht gesprochen – der Sitz des Verstands. Er erlaubt uns eine Einflussnahme auf die hormonellen Wechselwirkungen. Er hilft, dass wir uns kontrollieren, Pläne entwickeln und sogar auf Belohnungen warten können. Leider ist die Leistungsfähigkeit des PFC begrenzt. Alle Funktionen, die mit Sprache zu tun haben, werden ausschließlich im PFC bearbeitet. Deswegen überlastet uns Multitasking, die Beschäftigung mit mehreren Dingen gleichzeitig. Der PFC arbeitet seriell eins nach dem anderen ab. Und er braucht Pausen. Der PFC hilft uns bei der Konzentration „aufs Wesentliche“

pfc

Neurobiochemie – im Bann der Regelkreise

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“, skandierte schon Goethes Faust. Obwohl die Wissenschaft zu damaligen Zeiten lange noch nicht so viel über die biochemischen Wechselwirkungen in unserem Körper wusste, formuliert Faust (der ja auch die Medizin studiert hat 😉 damit eine wichtige Wahrheit.

Zwei mächtige Schalt- oder Regelkreise in unserem Gehirn bestimmen gleich zweier gegnerischer Fußballmannschaften über unseren Antrieb, unsere Veränderungsbereitschaft, unsere Kreativität und unsere Begeisterungsfähigkeit – und nicht zuletzt auch über unsere Gesundheit: das Begeisterungs- oder Belohnungssystem, das im Nucleus accumbens sitzt steht und das Stresssystem im Hypothalamus.

Stress_Begeisterung

Beide Systeme haben ihren Sinn und ihre Berechtigung für die passenden Situationen. So sicherte das Stresssystem beispielsweise unser Überleben über Millionen von Jahren hinweg. Es befähigte unseren Körper zu kämpfen oder wegzurennen, also eine körperliche Leistung zu erbringen, während das Belohnungssystem uns für die gelungene Flucht oder den siegreichen Kampf später mit einem Glücksgefühl belohnte. Zwischen den beiden System sitzt – quasi als Schiedsrichter – der präfrontale Cortex (PFC). Er kann eine bewusste Entscheidung fällen, den Ball einer Mannschaft zuzusprechen. Wir sind also nicht machtlos dem Wirken der Neuro-Biochemie ausgeliefert, sondern können Einfluss auf das Spiel nehmen :-).

Wir sprechen von Neuro-Biochemie, weil wir zum einen kennzeichnen, dass wir von Vorgängen reden, die maßgeblich vom Nervensystem mit seinem wesentlichen Bestandteil, dem Gehirn, handeln. Zum anderen spielen die (biochemischen) Botenstoffe, die gleich Herolden die Befehle des Gehirns überbringen und andere Körperteile wie die Nebenniere und das Herz steuern.

Sowohl die Aktivität des Gehirns als auch die Konzentration der Hormone im Blut lassen sich relativ leicht messen und haben Medizinern so einen  profunden Einblick in die körperlichen Abläufe verschafft. Diese Einblicke können wir heute im Rahmen des Leistungsmanagements nutzen, um Führungskräfte gezielt in ihrer Entwicklung zu fördern. Diesen Ansatz nennen wir Neuro-Leadership.

Das Stress-Team

Je nachdem, wie das Spiel eröffnet wird, übernimmt jeweils eine andere Mannschaft den Ballbesitz. Ein Klassiker, der den Ball direkt in den Besitz des Stresssystems befördert, ist das Auftreten von so genannten Stressoren. Stressoren sind beispielsweise abendlicher Fernsehkonsum, eiweißarme Ernährung, Rauchen, harte Arbeit, Krankheit oder auch hoher Arbeitsdruck. Erst die Bewertung des Gehirns macht aus Stressoren Stress. Und diese Reaktion ist Ausdruck unserer Persönlichkeit, also der genetischen Veranlagung, aber auch der Persönlichkeitsstruktur und der Tagesform. Mit einem Wort: die Reaktion ist höchst individuell. Die Stressschwelle variiert.

Bewertet das Gehirn einen Stressor als Stress, erteilt der Hypothalamus über das sympathische Nervensystem der Nebenniere den Auftrag, einen komplexen Vorgang einzuläuten, der in der Produktion der Stresshormone Adenalin und Cortisol mündet. Diese beiden gestalten das weitere Spielgeschehen. Der Körper wird auf körperliche Betätigung eingestellt, das Gehirn fokussiert sich, wir werden hellwach. Sind aber nur zu wenig zu gebrauchen ;-). Dieser Prozess ist tief in unserem Menschheitserbe verankert.

Die Lösung komplexer Vorgänge oder gar das Auffinden kreativer Lösungen  ist in diesem Modus nur schwer möglich – egal, was Hollywoodfilme uns einreden wollen. Führungskräfte müssen sich darüber im Klaren sein, dass Drohungen und Druck auf Mitarbeiter, jene genau in diesen „Arbeitsmodus“ bringen. Für einfache Arbeiten, die möglicherweise unter körperlicher Betätigung sehr konzentriert absolviert werden müssen, ist dies ein vernünftiger Modus. Die Fähigkeit zu kreativen Schreibtischtätigkeiten kommt so aber direkt zum Erliegen, ebenso die Veränderungsbereitschaft oder gar Begeisterung.

Das Belohnungs-Team

Begeisterung ruft das andere Team hervor, das Belohnungssystem mit dem Spielführer-Hormon Dopamin. Die Dopamin-Produktion in unserem Körper wird gestartet, wenn unser Gehirn etwas wahrnimmt, was besser ist, als wir es erwartet haben. Beispielsweise wenn wir ein Lob erhalten, wenn wir Musik hören, die uns berührt, wenn wir schönen Dingen begegnen oder wenn wir (subjektiv) Erfolg haben.

Wenn der Dopaminspiegel die individuelle Reizschwelle überschreitet, stellt sich ein wenig „Siegestaumel“ ein. Wir fühlen uns wohl. Gleichzeitig lassen wir uns aber auch begeistern, die Veränderungsbereitschaft, aber auch die Freude an der Arbeit steigen. Übrigens ist nicht erst der eingebrachte Erfolg euphorisierend, auch die Aussicht darauf kann die Dopaminausschüttung forcieren, ebenso wie Neugier. Das Problem: Die Reizschwelle kann auch nach oben verschoben werden, so dass ein Überschreiten schwieriger wird und stärkere Reize benötigt. Beispielsweise durch Drogen, Alkohol, Nikotin und Zucker.

Ein hoher Dopaminspiegel ist für die Arbeit von Führungskräften von hoher Relevanz: Er führt zu nachweislich höherer Freude an Erfolgen, positiverer Erwartungshaltung (sowohl an sich selbst als auch andere), höherer Veränderungsbereitschaft, Motivation und Handlungskompetenz. Was Menschen in diesem Zustand lernen, wird in der Folge mit positiven Emotionen verbunden.

Je nach Tätigkeit und Situation werden also verschiedene Regelkreise im Körper aktiviert, die uns in bestimmte Richtungen und Fähigkeiten dirigieren. Das Wissen darum hilft Führungskräften, sich besser selber zu organisieren, sich und andere besser zu motivieren und insgesamt als Führungsaufgaben besser wahrzunehmen.

Hirndoping als Trend:-)

Zukunfstforscher Sven Gábor Jánszky über Doping im Büro. 

„Für die Mehrheit der Menschen wird es in zehn Jahren völlig normal sein, Nahrungsmittel zu konsumieren, die den Körper gesünder, schöner und leistungsfähiger machen.“

Nun, an sich eine gute Idee, ich denke da zum Beispiel an eine Zwiebel oder eine Paprika. Er meint wohl etwas anderes. Die Grenze zwischen Medikamenten und Lebensmitteln verschwimmt immer mehr. Ich sehe das entspannt, an sich weiß jeder, dass Functional Food nicht anderes als teurer Unsinn ist. Immuntrinkjoghurt schwächen auf Dauer das Immunsystem, statt es zu stärken. Wir wissen es und handeln anders, so trifft jeder seine Entscheidungen. Hirndoping geht auch ohne verarbeitete Lebensmittel: Bewegung und Lebensmittel mit nur einer Zutat, z.B. Zwiebel… Mehr dazu in den kommenden Blogbeiträgen

Neuro-Leadership: Verknüpfung von Gehirnforschung und Führung

Die Situation

Das Arbeitsleben, wie wir es erleben, wird immer schneller. Termin- und Leistungsdruck beanspruchen Menschen im Berufsleben immer stärker, Arbeitsergebnisse müssen schneller entstehen und erhöhen die psychische Belastung.Gleichzeitig sinkt die Identifikation der Mitarbeiter mit ihren Unternehmen immer stärker, Freiräume für Innovation und Kreativität – Fehlanzeige.

Selbstmotivation und Organisation, aber auch Führungsfertigkeiten gewinnen vor diesem Hintergrund einmal mehr an Bedeutung für den Unternehmenserfolg. Es wird Zeit für ein ganzheitliches individuelles Leistungsmanagement von Leistungsträgern, die als Führungskräfte auch ihre Teams  begeistern können. Gerade Führungskräfte in Sandwichpositionen sehen sich multiplen Anforderungen ausgesetzt. Sie müssen sich nicht nur als Commander und als Vertreter des Arbeitgebers bewähren, sondern beispielsweise auch als Moderatoren, Integratoren und Förderer der ihnen anvertrauten Mitarbeiter. Und ganz nebenbei in der Regel noch die eigenen Aufgaben im Tagesgeschäft bewältigen …

Gegensteuern?

Eine einfache Recherche im Internet zeigt zweierlei auf: 1. Schon die schiere Masse an Veröffentlichungen und Angeboten bestätigt die Situation und 2. es gibt viele Ansätze, gegenzusteuern.

Doch häufig sind dies punktuelle Ansätze, die bestimmte Symptome oder Verhaltensmuster adressieren. Einzelne Symptome anzugehen, beispielsweise durch Selbstorganisation, andere Ernährung oder Motivationstechniken, bringt eine momentane oder eine spezielle Verbesserung in Teilbereichen. Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit sehen aber anders aus.

Die gute Nachricht aber ist: Das Gegensteuern ist möglich, ohne gleich als Aussteiger zu enden. Im Menschen schlummern die Potenziale, die ihm die Fähigkeit verschaffen, sich in einem turbulenten Umfeld zu bewähren, ja mehr noch, seine Leistungsfähigkeit zu erweitern und dadurch gelassener mit den multiplen Anforderungen umzugehen, die nicht nur das Berufsleben bereithält. Neuro-Leadershipfasst erprobte Ansätze unter dem Mantel der Neuro-Biochemie zusammen und befähigt Leistungsträger nachhaltig für Ihre Arbeit.

Das Model ofMind

Das Erste Deutsche Zentrum für Leistungsmanagement hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen (Neurobiologen, Psychologen, Soziologen, Medizinern, Sportwissenschaftlern und Biologen)  ein ganzheitliches Modell entwickelt, das nicht nur bei der persönlichen Situationsanalyse hilft, sondern auch bei der Persönlichkeits-Entwicklung hin zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit.

Arbeitsbasis des Zentrums für Leistungsmanagement ist ein starker Fokus auf der Neuro-Biochemie. Die Neuro-Biochemie betrachtet die Wirkzusammenhänge von Gehirn und Hormonen im Körper, die wesentlichen Einfluss auf unsere Leistungsfähigkeit haben.Gleichzeitig ist die Neuro-Biochemie der verbindende Faktor zwischen Ernährung, Bewegung und Kommunikation zur Entwicklung der Leistungsfähigkeit. Das neu entwickelte Model of Mind differenziert den ersten Ansatz des Dreiklangs (Ernährung, Bewegung, Kommunikation) stärker aus und gibt ihm damit eine gemeinsame Basis.

Dieser umfassende Ansatz des Model ofMindhat den Vorteil, Einflussfaktoren für das Leistungsmanagement noch spezifischer herausarbeiten und steuern zu können. Er integriert ausgehendvon der Neurobiochemiedie körperlichen (Genetik, Epigenetik, hormonelle Steuerung) und geistigen (Ratio, Motivation, Stressresistenz) Voraussetzungen des Menschen und die Einflussnahme auf die Steuerungsvorgänge im Körper – eben durch Ernährung, Bewegung und Kommunikation.

Die Kommunikation wurde aufgespalten in rationale und emotionale Aspekte sowie die soziale Interaktion mit Freunden, Familie/Partnern und am Arbeitsplatz.  Der Einfluss der Fragen „Was denke ich? Wie fühle ich? Und mit wem verbringe  ich meine Zeit?“ werden damit im Rahmen des Leistungsmanagements detaillierter betrachtet.

Model of Mind

Wo anfangen?

Dieses ganzheitliche Persönlichkeitsmodell des Menschen zeigt die „Stellschrauben“ auf, mithilfe derer die Leistung beeinflusst wird. Zum Positiven wie auch zum Negativen. Das Zentrum für Leistungsmanagement analysiert den Status und entwickelt auf Basis dieser Ergebnisse einen individuellen Plan für die Persönlichkeitsentwicklung  in die gewünschte Richtung. Dabei ist eine gezielte Entwicklung in drei Richtungen möglich: Optimierung des Führungsverhaltens, Stärkung der Eigenmotivation und Aufbau der Stressresistenz. Diese drei Entwicklungspfade bezeichnet das Zentrum als Neuro-Leadership, Neuro-Motivation und Neuro-Stressprävention. Wobei Motivation und Stressprävention lediglich spezifische Teilaspekte des übergeordneten Gedankens von Leadership sind.

Warum „Neuro“?

Das Präfix Neuro kennzeichnet die Essenz des modernen Konzepts für Persönlichkeitsentwicklung. Entscheidungen, Haltungen, Leistungsfähigkeit – all das wird wesentlich durch unseren Verstand und biochemische Prozesse in unserem Körper bestimmt. Diese Regelkreise ordnen unser Handeln und Wollen. Genauso wie die Biochemie unser Handeln beeinflusst, können wir aber auch die biochemischen Prozesse  in unserem Körper beeinflussen.

Über die Stoffe, die wir unserem Körper zuführen, regeln wir biochemische Vorgänge, beispielsweise die hormonelle Steuerung,  die u.a. auch Relevanz für  unser Gehirn haben. Und damit wiederum unsere Entscheidungen beeinflussen, indem sie Begeisterung und Kreativität ermöglichen oder verhindern.

Der Mensch ist aber nicht nur eine chemische Fabrik.Deswegen spielt auch die Arbeit an Emotionen und Einstellungen sowie die Betrachtung des Umfelds eine wichtige Rolle für eine ganzheitliche Begleitung, um Führungskräfte zu entwickeln. Damit sie mit mehr Spaß und Erfolg Führungsaufgaben wahrnehmen und sich in den vielfältigen Ansprüchen des Berufslebens bewähren.

In den folgenden Beiträgen werden wir uns den „Stellschrauben“ der Persönlichkeitsentwicklung widmen: Neuro-Biochemie, Ratio,Ernährung, Bewegung und Kommunikation.