Metabolic Lifestyle – Tag 7

Zu sich selber finden

Nach dem großen Steinesammeln am Freitag gab es am Samstag einen „Persönlichkeitstag“. Jeder der Mitwirkenden unternahm eine Tour auf eigene Faust und konnte sich ein eigenes Ziel suchen. Mittlerweile klappt es auch besser mit der Orientierung, so dass tatsächlich niemand verloren ging ;-).

Gründe dafür: Nicht nur das Terrain ist schon bekannter, sondern auch der natürliche Orientierungssinn anhand von Sonnenstand etc. entwickelt sich wieder. Tatsächlich fanden sich am späten Nachmittag alle wieder zusammen – vielleicht trieb aber auch der Hunger alle wieder zurück 😉 Die individuelle Wanderung gab aber auch jedem Teilnehmer die Möglichkeit, sein eigenes Tempo bei der Nahrungssuche zu finden und – falls er etwas Essbares entdeckt hat – zu verweilen, ohne die Gruppe aufzuhalten.

Langeweile ist übrigens kein Thema in der Gruppe – das Wandern bzw. die Beseitigung der Murmeltierschäden sorgen abends für ein hohes Müdigkeitsniveau.

Alle wohlauf

Trotz der Anstrenungen sind alle Steinzeit-Metabolen wohlauf – sowohl körperlich als auch moralisch. Der Samstag dürfte sich zudem als bisheriger Höhepunkt des Projekts verewigt haben: Der erste Abend, an dem kein Gewitter bzw. Regen aufzog – klarer Himmel mit grandiosem Ausblick setzte ein deutliches Ausrufezeichen hinter den 7.7.2012.

Dafür ziehen heute am Sonntag die nächsten Gewitter-Wolken heran – an einen  Abstieg am  Sonntag ist wegen der Gefahren nicht zu denken. Morgen endet das Projekt bereits und wir sind sehr gespannt, was die Teilnehmer erzählen werden. Und auch auf die endgütligen und kompletten Werte. Diese werden wir hier nach der Auswertung ausführlich darstellen.

Der BLR-Radiodienst hat zwei kurze Beiträge produziert – am Anfang und während des Projektes, die demnächst auf die Homepage des Zentrums für Leistungsmanagement und Burnout-Prävention kommen.

vor dem Projekt

während des Projekts (leckere Brennnesselsamen ;-))

Metabolic Lifestyle – Tag 6

Auf Murmeltierjagd

… und täglich grüßt das Murmeltier, heißt es auf der Zipfelsalpe. Die kleinen, drolligen Säugetiere entfachen in den Alpen durchaus ein wenig zerstörerisches Potenzial. Sie dulden in ihren unterirdischen Behausungen keine Steine.  Die werden ausgebuddelt und dann rausgeschmissen. Eine Art kontinuierlicher Frühjahrsputz. Die Steine und die entstehenden Hohlräume sorgen aber bei den Almbewirtschaftern für Sorgenfalten. Denn es kommt durchaus vor, dass das Vieh in die Löcher einbricht. Im Schlachthaus endet dann die Geschichte. Die Regel ist aber, dass unter den Steinen nichts Grünes mehr wächst und die Almen dadurch nicht mehr bewirtschaftet werden können. Früher hätte man zu Gift oder Gewehr gegriffen. Doch heute stehen die Murmeltiere unter Naturschutz – zumindest in Deutschland. Auf der anderen – der österreichischen – Seite des Berges sieht das anders aus.

„Wenn wir schon in den Bergen sind, können wir hier helfen. Das verschafft uns Bewegung und wir können mit unserer Arbeitskraft noch helfen“, erklärt Sebastian Spörer, „damit passt das Engagement perfekt in den Zeitplan des Metabolic Lifestyle Projekts.“ An der Ernährung ändert sich damit übrigens nichts – es wird am Abend kein Murmeltiersteak geben.  In der Steinzeit wäre das aber absolut denkbar gewesen. Stattdessen wurden zwei Lammkeulen geliefert, von denen eine direkt zum Mittagessen gegrillt wurde. Die Murmeltiere indes sahen sowohl beim Grillen als auch beim Steineräumen interessiert zu – und überlegen wohl aktuell, wo sie die neuen Brocken platzieren 😉

Harte, körperliche Arbeit

Beim Arbeitseinsatz kommt es darauf an, die heraugegrabenen Steine von der Weide zu entfernen. Die Teilnehmer spürten also am Freitag Abend ihren Rücken – und das nicht zu knapp. Ein Vertreter der Nachrichtenagentur dapd war vor Ort und hat trotz des wechselhaften (Originalton: „durchwachsenen“) Wetters einige Aufnahmen der Steinräumer gemacht, die einen schwer zugänglichen Steilhang räumten – echte Knochenarbeit. Vor dem Eintreffen der Burnout-Tester hatten sich bereits zwei Gruppen beim Steineräumen engagiert – aber natürlich ganz ohne Steinzeit-Lifestyle.

Bilder vom Steineräumen gibt´s auf Flickr

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren

Viel Bewegung, Ernährung mit Proteinen und Fetten sowie Leben im Rhythmus des natürlichen Lichts sind die drei Hauptfaktoren der Metabolic Lifestyle Studie. Sebastian Spörers These ist, dass diese drei Faktoren sich positiv auf die Stressparameter auswirken und dem Burnout verbeugen.

Am Freitag Abend hat Miriam Fühler die bisherigen Daten zusammengeführt und aufbereitet. Schon jetzt zeigt sich, dass sich die Stressparameter am Freitag signifikant verbessert haben, während der Verlauf von Dienstag bis Donnerstag noch sehr uneinheitlich war.

Die Blutzucker-Daten – aufgenommen jeweils nüchtern am Morgen – belegen die Uneinheitlichkeit ziemlich gut. Wichtig für die Gesamtstudie sind auch noch die Werte, die am Montag in der Klinik aufgenommen wurden. Diese liegen aber noch nicht vor.

Bei vier Teilnehmern sanken die Blutzuckerwerte, z.T. sogar drastisch, bei dreien stiegen sie und eine/r hielt sich konstant. Die nächsten Tagen werden spannend.

Blutzuckerwerte
Die Blutzuckerwerte von Dienstag bis Donnerstag

Projekt Metabolic Lifestyle – Tag 5

Steinzeit-Urlaub

Die schönen Seiten der SteinzeitDass Urlaub die Stressparameter in der Regel senkt – es sei denn, man ist mit Kindern unterwegs 😉 – kann als goldene Regel des Arbeitslebens gelten. Sebastian Spörer gönnte zumindest einem Teil der Gruppe hinsichtlich der Bewegung gestern einen Ruhetag. Nur vier Freiwillige stiegen über 1,5 Stunden hinweg nach Hinterstein ab, wo sie die Essensrationen entgegen nahmen und die Testergebnisse ablieferten. Und dann ging es wieder zwei Stunden bergauf. Der relaxende Teil der Probanden beschäftigte sich mit Wasser:

Sie begaben sich bei strahlendem Sonnenschein freiwillig in die Fluten und nahmen ein Bad im Wasserfall (s. Bild). „Ein Wahsinnsgefühl für den Körper, das Muffelaroma abzulegen“ 😉

An der Essensfront gab es nichts Neues: Wieder mal einem „Salat“ mit Wildzutaten: Löwenzahn, Brennnessel – ob man sich daran gewöhnen kann? Man kann – oder: man ist mit weniger zufrieden. Mittlerweile freuen sich die „Steinzeit-Metabolen“ über alles Essbare, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. „Die normalerweise abgestumpften Geschmacksnerven nehmen den Eigengeschmack der Wildkräuter besser wahr“, weiß Miriram Fühler, die wissenschaftliche Begleiterin des Projekts vom Zentrum für Leistungsmanagement und Burnout-Prävention, „Salz, Essig und Öl sind nicht mehr nötig. Aber auch das Kochen eines Suds aus Kräutern und Fleisch ergibt ein intensives Aroma.“

Als „Fleischration“ gab es abends Forelle und zur Feier des Tages wieder mal ein Ei sowie einige Aprikosen und Äpfel. Die einzigen Früchte, die in den Alpen zu finden sind, sind Heidelbeeren. Aber die sind erst frühestens Ende Juli reif.

Zwischen-Ergebnisse

Die Herzfrequenz-Variabilität hat sich bereits erholt, die morgendlichen Blutzuckerwerte sind bei allen Teilnehmern gesunken. Das ist ein gutes Zeichen. Fühler: „Beim Zivilisationsmenschen mit seinem hohen Zucker-/Kohlenhyratkonsum ist der morgendliche Blutzuckerspiegel zu hoch – auch das ist ein Faktor, über den das Risiko für Burnout gesenkt werden kann.“

Bewegte Bilder vom Metabolic Lifestyle Projekt gibt es jetzt auch. Entgegen unseren Infos lief der Beitrag im Bayerischen Rundfunk aber schon gestern Abend. Zum Glück ist er noch einige Tage im Web verfügbar.

Klaus Treude hat auch noch einige Bilder aus den Alpen mitgebracht, die hier in der Diashow zu sehen sind:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Studie Metabolic Lifestyle – Leben wie vor 12.000 Jahren läuft noch bis Montag, den 9. Juli 2012 und untersucht, wie sich ein archaischer Lebensstil auf die Burnout-Prävention auswirkt.

Metabolic Lifestyle – Tag 4

Kaiserwetter mit kleinem Schönheitsfehler

Strahlender Sonnenschein begleitete die Metabolic Lifestyle Gruppe gestern bis fast ins Ziel ihrer 6-stündigen Wanderung. Erst am Ende kam der vertraute Regen zurück und steigerte sich sogar in ein Gewitter.
Der Tag führte die Probanden von Grän über Tannheim hinauf auf die Zipfelsalpe in 1526 Metern Höhe. Dort wurden sie vom Eigentümer der dortigen Hütte herzlich willkommen geheißen. Den Grund dafür finden Sie am Ende …

Zipfelsalpe
Metabolic Lifestyle – Tagesziel am Mittwoch

Gestern Morgen stießen zwei Journalistinnen zur Gruppe. Während die Vertreterin des bayrischen Fernsehens* unter ihren 3,5 kg Kamera-Ausstattung – nachvollziehbar – unter den Höhenmetern litt, brachte die Radio-Vertreterin tierische Begleitung mit. Schäferhündin Lara gewann die Herzen der Gruppe im Pfotenumdrehn und sorgte auch dafür, dass am heutigen  Morgen zum ersten Mal die Stressparameter bei den ersten Teilnehmern sanken.

Deutsch: Habitat des Gewöhnlichen Löwenzahn (T...
Abendessen. Selbst um das muss man kämpfen (Photo credit: Wikipedia)

Neben dem aufkommenden Gewitter am Ende des Marschs bereiteten die Pferde auf der Alm der Spörerschen Truppe die größte Herausforderung: Auf dem Speiseplan standen Löwenzahn und  Brennnessel – ergänzt durch eine Lieferung Huhn. Besonders der Löwenzahn hatte es den Vierbeinern angetan, die nicht nachvollziehen wollten, warum Menschen sich ausgerechnet von ihrem Futter ernähren wollen. Heldenhaft gelang es der Gruppe aber, das Abendessen zu verteidigen. Und das obwohl sich die Zipfelsalpe ihrer zünftigen Brotzeiten rühmt. Dem einen oder anderen Teilnehmer mag das Wasser im Mund zusammengelaufen sein – eine klare Verschärfung der Bedingungen 😉

Sternenhimmel oder Dachboden?

Für die Nacht teilten sich die Teilnehmer auf. Einige nahmen dankbar das Angebot  an, auf dem Dachboden der Hütte zu nächtigen; aber eine kleine Gruppe Unverzagter campierte im Freien, darunter Sebastian Spörer, der BERA-Vertreter Jürgen Pucher, Klaus Treude, der Pressemanager des Zentrums für Leistungsmanagement und Burnout-Prävention und die Radio-Journalistin.  Eine Plane schützte das Quartett vor der schlimmsten Nässe. Nachts verzogen sich sogar die Wolken; Sterne und Mond tauchten das Nachtquartier in traumhaftes Licht.

„Sagenhaft war ebenfalls der Sonnenaufgang gegen 6:00 Uhr“, berichtete Klaus Treude, der bereits gegen 5:00 Uhr wieder wach war. „Von richtig gutem Schlaf kann man nicht sprechen, aber die Sterne in den Bergen waren dennoch ein besonderes Erlebnis.“

Berichte in TV und Radio

Das kann man natürlich leichten Herzens sagen. wenn man sich am Folgetag wieder in die Zivilisation und in ein richtiges Bett verabschieden kann. 😉 Bei den Medienvertretern rufen die Termine. Sie fertigen im Laufe des heutigen Tages Berichte über ihre Erlebnisse für Fernsehen und Radio. Heute um 17:30 Uhr wird im bayrischen Fernsehen* ein kurzer Beitrag gesendet, der auch noch eine Woche auf der Homepage verfügbar ist. Wir werden den Beitrag, sobald er verfügbar ist, verlinken – ebenso wie den Hörfunkbeitrag, der heute im Laufe des Tages gesendet werden soll.

Dieses Problem stellt sich den Teilnehmern der Metabolic Lifestyle Studie nicht. Eine Momentaufnahme zeigte, dass zumindest bei den Sternenzelt-Übernachtern die Stressparameter erstmals sanken.

Einen ausführlichen Zwischenstand werden wir spätestens morgen durchgeben. Die Wert aller werden aktuell zusammengetragen und ausgewertet. Wir hoffen auch noch auf Bilder im Laufe des Tages, die wir dann posten werden.

… und täglich grüßt das Murmeltier

Um Murmeltiere wird es morgen gehen. Denn das Ziel Zipfelsalpe hat Sebastian Spörer nicht umsonst ausgesucht. Auf der Zipfelsalpe entstanden durch Murmeltiere massive Schäden, die die Viehhaltung behindern. Nach einem Ruhetag heute werden die „Steinzeit-Metabolen“ Morgen versuchen, einen Teil der Schäden zu beseitigen.

*die Telefonverbindung war gestern nicht optimal, so hieß es badisches Fernsehen. Haben wir hiermit korrigiert und wir erfahren gerade (15:00 Uhr), dass sich der Sendetermin auf Morgen verschiebt.

Projekt Metabolic Lifestyle – Tag 3

Das Grauen hat ein Ende – erstmal …

Regen, Regen, Regen – waren die Teilnehmer gestern noch der Ansicht, dass die nächste Sintflut kommt, herrscht heute wieder eitel Sonnenschein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Sonne scheint von einem fast wolkenlosen Himmel und die Lebensgeister erholen sich: „Mann, bin ich froh, endlich wieder trocken und warm zu werden“, bestätigt einer der Teilnehmer.

Ein Hüttchen  wäre schön

„Für das Wetter gestern gibt es nur einen passenden Begriff: richtig lausig“. Ströme von Regen ergossen sich am Dienstag über die Bergwanderer. Als ob das nicht schon genug wäre, gesellte sich auch noch ein handfestes Gewitter dazu. Da mit Blitzen in den Bergen nicht zu spaßen ist, schlüpfte die Gruppe über Nacht in einer Hütte bei Grän in der Nähe des Tannheimer Tals unter. Die Gruppenmitglieder waren körperlich und moralisch ziemlich erschlagen. Auf gut Deutsch: kaputt …

Damit ist eines der wichtigsten Ergebnisse, wie sehr der moderne Mensch von der Bequemlichkeit eines festen Unterschlupfs abhängig ist. Momentan spielt das Wetter die Hauptrolle im Projekt Metabolic Lifestyle. Burnout ist nur insofern ein Thema, dass der Blitz vielleicht einen gegrillten Baum  oder – glücklicherweise – ein unvorsichtiges Tier servieren könnte.

Speiseplan im Chez Wiesengrün

Insgesamt bewältigte die Gruppe etwa 1000 Höhenmeter bis auf etwa 1500 Meter. Auch dort lässt sich in den grünen Allgäuer Alpen offenbar immer noch Essbares auftreiben. Was den Tieren schmeckt, kann ja für den Menschen auch nicht schlecht sein: Spitzwegerich, Breitwegerich (das ist dieses Wiesenunkraut ;-)), Gänseblümchen und Klee sowie einige Johannisbeeren ließen sich auftreiben. Nur falls sie das Menu daheim „nachkochen“ wollen …

Alpen-Snack
Als Unkraut verschrieene Salatalternative – der Breitwegerich

Gegen 17:00 Uhr gab es dann wieder eine Fleischration. Der gelieferte Hase wanderte in eine Suppe, hartgekochte Eier und ein paar Äpfel ergänzten den Essplan. Die Äpfel waren heute früh übrigens noch im Blut zu finden.

Der Blutzuckerspiegel aller Beteiligten liegt heute morgen medizinisch gesehen ziemlich niedrig. Dennoch haben die Äpfel vom Vorabend den Blutzuckerwert gegenüber der Vortagesmessung erhöht. Die Stressparameter, die jeden Morgen nach dem Aufstehen mit der Polaruhr gemessen werden, sind gestiegen: Die Herzfrequenzvariabilität ist gefallen, der Puls erhöht. Die Ursache lässt sich leicht finden: Die Strapazen und das Wetter des Vortages. Sebastian Spörer ist dennoch zuversichtlich, dass das Burnout-Risiko – gemessen an den Stressparametern – sich bis Ende der Woche senken wird. „Alles wie erwartet. Die Umstellung kostet ihren Preis“.

Pressebegleitung

Heute haben sich zwei Journalisten dem Steinzeit-Team angeschlossen.  Das badische Fernsehen und der BLR-Radiodienst sind mit an Bord und werden auch versuchen, eine Nacht mit dem Trupp zu verbringen. Wir sind schon gespannt auf die Berichte, die daraus entstehen. Und drücken die Daumen, dass das Wetter hält.